LandFrauen und Landwirtschaft

Gesellschaftsvertrag: Es braucht Zielbilder für die Landwirtschaft!

Der dlv fordert angesichts der schwierigen Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe einen langfristig angelegten Dialogprozess mit dem Ziel, einen Gesellschaftsvertrags abzuschließen

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Der dlv setzt sich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft ein - gemeinsam mit Politik, Wissenschaft, Berufsstand und den Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Corona, Bauernproteste, Gerichtsurteile, gesellschaftliche Diskussionen, politische Auflagen: Die heimische Landwirtschaft befindet sich in einer großen Umbruchphase. Aktuell fehlen in vielen Bereichen klare Rahmenbedingungen, viele Landwirtinnen und Landwirte sind verunsichert. Der dlv setzt sich daher dafür ein, eine gemeinsame Vision und konkrete Zielbilder für eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft der Zukunft zu entwickeln. Diese sollen für die Gesellschaft, Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft gleichermaßen tragbar sein und in einem gemeinsamen Gesellschaftsvertrag festgeschrieben werden.

Allseitige Bereitschaft zum Dialog nutzen

Angesichts der Einrichtung der "Zukunftskommission Landwirtschaft" durch das Bundeskanzleramt zeigen sich viele Akteure aktuell zum Dialog bereit. Gerade die Corona-Krise birgt die Chance, den dringend benötigten Konsens zwischen den Wünschen der Gesellschaft und der praktischen Landwirtschaft zu erreichen. Das Motto muss sein: "Solange miteinander reden, bis sich alle Seiten einig sind, wie und unter welchen Voraussetzungen zukünftig Lebensmittel in Deutschland erzeugt werden". Richtig umgesetzt könnte die Kommission genau jene Dialogplattform bieten, die schlussendlich einen Gesellschaftsvertrag ausverhandelt und somit die Grundlage für eine kohärente Weiterentwicklung der deutschen Agrarpolitik liefert.

Warum braucht es konkrete Zielbilder?

Allgemein formulierte Ziele wie „mehr Tierwohl“, „weniger Pestizideinsatz“ oder „Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe“ sind zu abstrakt für Verbraucherinnen und Verbraucher. Diese haben konkrete Bilder im Kopf, wie der ideale Stall oder eine vielfältige Agrarlandschaft aussieht. Die Zukunft der Landwirtschaft muss daher anhand von konkreten Szenarios – z.B. von Musterställen oder Bewirtschaftungsmethoden im Ackerbau – diskutiert werden. Landwirtinnen und Landwirte können dann einschätzen, ob solche Zielbilder auch im Seuchenfall oder bei schlechtem Wetter funktionieren, wenn kein Glyphosat verfügbar ist. Die Wissenschaft kann Tierwohl-Indikatoren, Treibhausgas-Emissionen oder Betriebsergebnisse errechnen. Politikerinnen und Politiker können begleitend einordnen, ob diese Zielbilder mit rechtlichen Rahmenbedingungen und internationalen Abkommen konform sind. Und die Verbraucherinnen und Verbraucher können schlussendlich für sich bewerten, ob die diskutierten Bilder und Zahlen ihren Vorstellungen entsprechen und entscheiden, wie viel sie dafür zu zahlen bereit sind.

Einigung schwierig, aber notwendig

Die Zukunftskommission Landwirtschaft bietet die Chance, aktuelle Dialoginitiativen und in einem moderierten Dialogprozess zusammenzuführen, in dessen Rahmen alle Akteure miteinander Lösungen und Kompromisse erarbeiten. Dabei ist ein wertschätzender Dialog notwendig, in dessen Verlauf alle Akteure ihr Handeln kritisch hinterfragen und Defizite ehrlich kommunizieren, um gemeinsam Verbesserungen zu erreichen.

In den eigenen Reihen führen die LandFrauen den Dialog zwischen Landwirtinnen und Verbraucherinnen tagtäglich im Ehrenamt vor Ort. Der Deutsche LandFrauenverband ist bereit, aktiv am Dialog zu einem zukunftsfähigen Gesellschaftsvertrag mitzuarbeiten und die vielfältigen Erfahrungen der LandFrauen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene einzubringen.


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