LandFrauen und Landwirtschaft

Studie Frauen.Leben.Landwirtschaft.
Erste Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen liegen vor

Der dlv hat sich lange dafür eingesetzt, die Wissenslücken zur Situation von Frauen im Hinblick auf ihre Arbeit in den Betrieben, ihrer Rolle für die Zukunft ländlicher Räume, aber auch ihre sozialen Lebensverhältnisse zu schließen.

Die Rolle der Frau in der Landwirtschaft befindet sich im Umbruch. Frauen sind schon lange nicht mehr nur die „mithelfenden Familienangehörigen“, sondern auch Betriebsleiterinnen, außerlandwirtschaftlich Beschäftigte, Mitunternehmerinnen und landwirtschaftliche Lohnarbeits- oder Saisonkräfte. Die vielfältigen Funktionen und Einsatzgebiete von Frauen gehen aus den Ergebnissen der Online-Umfage hervor, an der sich über 7.300 Frauen beteiligt haben. Eine umfangreiche Datenbasis, aus der wichtige Erkenntnisse über die sozio-ökonomische Lage von Frauen auf deutschen Betrieben gewonnen werden können.

Selbst ordnen sich 48 % als Ehe- oder Lebenspartnerin der Betriebsleitung ein, 19 % leiten den Betrieb oder sind Geschäftsführerin. Familienfremde Angestellte und Auszubildende machen 6 % der Teilnehmerinnen aus, 4 % sind Altenteilerinnen. Weitere 19 % ordnen sich unter anderen weiblichen Familienmitgliedern ein. Deutliche Abweichungen davon finden sich aufgrund der unterschiedlichen Betriebsstrukturen in den neuen Bundesländern.

83 % der befragten Frauen arbeiten im Betrieb, 52 % in dazugehörenden Nebenbetrieben, 39 % sind zusätzlich außerbetrieblich tätig. Außerdem sind über 80 % der Befragten im Haushalt und der Care-Arbeit tätig und dafür überwiegend auch alleine verantwortlich. Viele Frauen sehen sich selbst in der Rolle der "Springerin". Diese vielfältigen Tätigkeiten sind in der Agrarstatistik nicht abgebildet, die Frauen fühlen sich und ihre Leistungen oft nicht ausreichend in den Familien und der Öffentlichkeit anerkannt und wertgeschätzt.

Weiterhin gaben die befragten Frauen zu 72 % an, an strategisch-unternehmerischen Entscheidungen beteiligt zu sein, 62 % zeichnen sich für Buchhaltung, Finanzen und Büro verantwortlich. Daraus wird ersichtlich: Viele Frauen verstehen sich als (Mit-)Unternehmerin, obwohl sie oft rechtlich nicht am Betrieb beteiligt sind. Denn gemäß der letzten Landwirtschaftszählung werden nur 11 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von Frauen geleitet. 24 % der befragten Frauen aus der Studie gaben an, einen Teil der Flächen und Gebäude zu besitzen. Demnach gibt es deutliche Unterschiede zwischen der gefühlten und rechtlichen Position auf dem Betrieb. Ohne rechtliche und soziale Absicherungsmaßnahmen sind diese Frauen aber gerade im Trennungs-, Scheidungs- oder Todesfall einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt. Der dlv ruft dazu auf, dieses schwierige Thema möglichst frühzeitig in der Familie zu besprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Deutlich wurde in der Studie auch, dass es zahlreiche Beratungsangebote zu Altersvorsorgethemen gibt, diese aber von den Frauen nicht genügend wahrgenommen werden..

Neben weiteren gesundheitlichen Aspekten für Frauen auf Höfen, zeigt die Studie, dass 21,4 % der befragten Frauen als burnoutgefährdet gelten. Zwar wird die subjektive Wahrnehmung der Gesundheit als sehr gut beschrieben, allerdings bergen vielfältige Rollenerwartungen die Gefahr der Überlastung. Der dlv möchte der psychischen Gesundheit von Landwirtinnen und Frauen auf den Betrieben daher mehr Aufmerksamkeit schenken. Gerade auch im Berufsstand ist dies zu oft noch ein Tabu-Thema, aufgrunddessen sich betroffene Frauen (und auch Männer) scheuen, Hilfe von außen anzunehmen.

Die niedrige Zahl an weiblichen Betriebsleitungen hängt oftmals auch mit traditionellen Rollenbildern und -verständnissen zusammen, die dazu führen, dass die Mehrzahl der Familienbetriebe an einen Sohn und nicht eine Tochter übergeben werden. Gleichwohl wird deutlich, dass ein spürbarer Wandel in Richtung mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft im Gange ist.

Ein Studienergebnis betrifft die Lebenszufriedenheit. Die befragten Frauen schätzen diese insgesamt als sehr hoch ein. Gründe hierfür sind, die eigenen Kinder auf dem Betrieb aufwachsen zu sehen, die ländliche Wohnlage sowie das Arbeiten in der Natur und mit Tieren. Dies zeigt die hohe Lebensqualität am Lebens- und Arbeitsort "Bauernhof", die auch von hohen Arbeitsbelastungen, fehlender Planungssicherheit oder Rollenkonflikten nicht überlagert werden kann.

Klar ist für den Deutschen LandFrauenverband: Die umfangreichen Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft müssen noch sichtbarer werden. Die Abschlussbericht der ersten bundesweiten Studie zum Thema wird Ende Oktober 2022 vorliegen und wertvolle Erkenntnisse liefern. Schon aus den ersten Zahlen geht hervor, dass auch die Agrarstatistik Frauen in Zukunft differenzierter darstellen muss. Fragen nach einer gemeinsamen Betriebsleitung und dem Beitrag von Einkommenskombinationen zum Betriebseinkommen würden wohl ein ganz neues Bild der Frauen auf den Höfen zeichnen.


Nach oben
Zum Seitenanfang
nach oben