LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf‘s Land gebracht

LandFrauenGuides im Gespräch mit Expertinnen und Experten der Verbraucherzentrale

07. Oktober 2021. Jutta Weiß spricht mit Dr. Peter Grieble, Experte für die Themen Versicherungen, Pflege und Gesundheit bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V. über den Kfz-Versicherungswechsel.

Kfz-Versicherungswechsel

Jutta Weiß
LandFrauenGuide aus Ansbach © Stelte

Wechseln sie jetzt und sparen Sie mehrere Hundert Euro. So oder ähnlich werden wir jedes Jahr animiert unsere Kfz-Versicherung zu wechseln. Check 24, Verivox oder andere versprechen uns vollmundig viel Geld zu sparen. Was halten Sie von solchen Portalen? Sind sie objektiv und können sie ihre Versprechen halten?
Dr. Peter Grieble: Solche Portale können tatsächlich eine Informationsquelle sein. Sie ersetzen in der Regel keine umfassende Beratung, sondern sind zu reinen Informationszwecken da. Eine Beratung ist oft sehr wichtig, um auf meine individuellen Bedürfnisse einzugehen.

Ist es überhaupt sinnvoll seine Versicherung zu wechseln?
Es ist auf jeden Fall sinnvoll zu schauen, ob die eigene Versicherung noch bedarfsgerecht ist und ob es nicht andere Versicherer mit besseren Tarifen gibt. Besser heißt: genauer zum eigenen Bedarf passend. Wie bei allen Versicherungen gilt auch bei der Kfz-Versicherung: gute Bedingungen sind wichtiger als extrem niedrige Prämien. 

Wie stelle ich das am besten an, wenn ich herausfinden will, ob es eine bessere Versicherung für mich gibt?
Zunächst ist es oft sinnvoll, beim eigenen Versicherer nachzufragen, ob er zwischenzeitlich umfangreichere Tarife vielleicht sogar zu geringerer Prämie hat. Solch eine Auskunft muss der Versicherer nicht von sich aus geben Auf Nachfrage muss er jedoch bedarfsorientiert beraten.
Dann kann die eigenen Recherche – auch und gerade im Internet – eine erste Grundlage sein. Portale können hierbei helfen und eine erste Informationsquelle sein. Darauf aufbauend kann man sich selbst in die Materie intensiv einarbeiten. Oft ist es einfacher, sich von einem gutem Versicherungsmakler oder Versicherungshonorarberater beraten zulassen.
Auch Portale im Internet sind Versicherungsmakler. Wichtig sind in dem Zusammenhang die Unterschiede im Versicherungsvertrieb: Der Versicherungsvertreter steht auf Seiten des Versicherers. Der Versicherungsmakler steht auf Seiten des Versicherungsnehmers/ Verbrauchers und darf nicht die Interessen der Versicherungen vertreten. Der Versicherungsmakler wird über die Provisionen der Versicherungen bezahlt. Der Versicherungshonorarberater steht ebenfalls auf Seiten des Verbrauchers, wird von ihm bezahlt und darf keine Provisionen vom Versicherer bekommen.

Um objektiv vergleichen zu können muss ich also zuerst meine Daten kennen: Kilometerstand, Schadenfreiheitsklasse, Anzahl der Nutzer usw.
Reicht das oder gibt es noch mehr?

Diese Angaben sind ein paar wenige von vielen Dutzend Kriterien, nach denen die Kfz-Versicherungstarife gestrickt sind. Das geht von Fragen wer in welchem Alter das Fahrzeug wie viele Kilometer im Jahr fährt über Fragen, wo das Fahrzeug abgestellt ist bis hin zu ganz persönlichen Aspekten zum Beispiel, was man von Beruf ist, ob man Fahrsicherheitstrainings gemacht hat, es Vorschäden gab, man von seinem bisherigen Versicherer gekündigt worden ist, ob man den ÖPNV nutzt oder ob man auch andere Versicherungen hat.
Vor allem aber geht es darum, dass man sich überlegt, welchen Umfang soll der Versicherungsschutz haben. Das umfasst dann zunächst die Frage, ob es neben der gesetzlich vorgeschriebenen Kfz-Haftpflichtversicherung eine Kasko-Versicherung (Teilkasko oder Vollkasko) sein soll. Dann stellen sich Fragen zu den Versicherungssummen ebenso wie zur gewünschten Höhe der Selbstbeteiligung.
Und weiter geht es um Gedanken, wie umfangreich der Versicherungsschutz bei einzelnen Aspekten sein soll – so zum Beispiel: bei Schäden durch Tiere: Unfälle von welchen Tieren sollen versichert sein – verursacht nur durch Haarwild oder durch alle Wildtiere, sollen auch Schäden durch Unfälle durch Nutztiere versichert sein? Wie ist es mit Bissschäden – sollen nur Marderbisse versichert sein oder auch Bissschäden anderer Tiere. Und falls ein Schaden eintritt: sollen nur die Reparaturkosten übernommen werden oder soll der Versicherer auch die Folgekosten (wie ein durch den Bissschaden wegen Ölverlust bei voller Fahrt zerstörter Motor) übernehmen?

Auf was muss ich beim Vergleichen achten?
Es sollte nach allen bedarfsgerechten Merkmalen gefragt und die Unterschiede der möglichen Varianten deutlich gemacht werden, so dass man sich für die Variante entscheiden kann, die einem wichtig ist. Außerdem sollten möglichst viele Versicherer mit möglichst vielen Tarifen im Vergleich aufgenommen sein.
Kein Vergleich bietet alle Tarife an, das ist auch so gut wie unmöglich. Also gerne mehrere Vergleiche nutzen. 

Gibt es Angebote oder Versicherer von denen Sie grundsätzlich abraten würden?
Vergleiche, die nicht auf den jeweiligen Bedarf des einzelnen Verbrauchers eingehen, sind nicht verbraucherfreundlich. Tarife, die nicht dem Bedarf des Verbrauchers entsprechen, sind nicht empfehlenswert

Ich stelle also fest, dass ich durch einen Versicherungswechsel viel Geld sparen kann. Wie gehe ich weiter vor?
Es geht vor allem darum, einen bedarfsgerechten Versicherungsschutz auszuwählen. Dann kann auch Geld eingespart werden. Finde ich einen anderen Versicherungsanbieter, muss ich die Versicherung wechseln.

Kann ich immer kündigen?
Im Bereich der Kfz-Versicherung ist die Kündigung nicht problematisch. Kündigungsfrist für die ordentliche Kündigung ist 1 Monat zum Versicherungsjahresende. Das Ende ist oft der 31.12., so dass die Kündigung dann bis 30.11. beim Versicherer sein muss. Am besten per Einschreiben. Weitere Kündigungsmöglichkeiten bestehen, wenn der Versicherer den Beitrag erhöht, im Schadensfall oder wenn das Fahrzeug verkauft wird.

Ich habe schon mal was von Beratungspflicht gehört, was kann ich mir darunter vorstellen?
Der Versicherungsvertrieb – und hierzu gehören auch die Portale und die Versicherer – müssen die Wünsche und Bedürfnisse des Verbrauchers ermitteln und auf der Basis Versicherungstarife empfehlen. Der Bedarf des einzelnen Verbrauchers hat also die Grundlage zu sein. Nicht akzeptabel ist es daher, wenn für alle Verbraucher dasselbe Angebot gemacht wird. Das ist so auch im Gesetz, dem Versicherungsvertragsgesetz, festgeschrieben. 

Was halten Sie von Zusatzoptionen, wie einer Auslands-Kasko, Unfallversicherung und ähnliches?
Das ist ganz abhängig vom Bedarf des einzelnen Verbrauchers, es kann nicht pauschal zu- oder abgeraten werden.

Können Sie mir noch ein paar gute Ratschläge geben?
Überprüfen Sie regelmäßig, ob der Versicherungsschutz noch passt. In der Kfz-Versicherung sowie für alle anderen Versicherungen, die man hat. Was für andere gut passt, muss für mich noch lange nicht ideal sein. Entscheidend ist, dass die Bedingungen der Versicherungen zu den eigenen Bedürfnissen passen.
Unter den Angeboten mit den passenden Tarifen kann man das preisgünstigste Angebot aussuchen. Bitte nicht einfach nur auf niedrigen Preis achten, dann kann man schnell einen „billigen“, unpassenden Tarif abschließen. Der kostet wenig, im Schadensfall merkt man dann aber, dass der Versicherer nicht bezahlt bzw. nicht bezahlen muss, weil eben der Tarif in diesem Fall dann gegebenenfalls keine Leistung vorsieht.

Herr Dr. Grieble, vielen Dank für Ihre Informationen und Ausführungen.

Kontakt

Laura Reiter

Referentin Ländlicher Raum, Verbraucherpolitik, Hauswirtschaft; Projektleiterin „LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf’s Land gebracht“

Telefon: 030 28 44 929-23

Katja Oloff

Projektkoordinatorin „LandFrauenGuides - Verbraucherinfos auf's Land gebracht“

Telefon: 030 28 44 929-99

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