LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf‘s Land gebracht

LandFrauenGuides im Gespräch mit Expertinnen und Experten der Verbraucherzentrale

06. Oktober 2020. Rita Götz spricht mit Dirk Daubenspeck, Jurist der Verbraucherzentrale Thüringen, über Mobilfunkfunkverträge.

Im Dschungel der Mobilfunkverträge

© Stelte

Rita Götz
LandFrauen im Bayerischen BauernVerband – OV Thannhausen

Herr Daubenspeck, es gibt unzählige Mobilfunkanbieter, die jeweils verschiedene Vertragsoptionen anbieten. Woher weiß ich, welcher Vertrag für mich der richtige ist?

Man sollte sich im Vorfeld bewusst machen, was man für einen Handytarif braucht oder welches Datenvolumen, welche Flatrate etc. in Frage kommt. So macht es zum Beispiel wenig Sinn, sich ein teureres, unheimlich großes Datenvolumen von mehreren Gigabyte zuzulegen, obwohl mit dem Handy eigentlich nur Nachrichten konsumiert oder das Wetter geprüft werden. Möchte man dagegen viele Videos auf YouTube anschauen, dann ist natürlich mehr Datenvolumen nötig.

Nehmen wir einmal ein Beispiel: Meine Schwiegermutter möchte ebenfalls ein Handy mit Internetzugang, damit sie mit ihren Kindern im Ausland kommunizieren kann. Sie möchte jederzeit erreichbar sein und gelegentlich ein kleines Video schicken, Nachrichten oder Bilder. Worauf sollte sie bei einem Handyvertrag achten?

Hier gibt es letztlich zwei Möglichkeiten: Wenn Ihre Schwiegermutter zu Hause das WLAN nutzt, dann könnte womöglich auch ein Mobilfunkvertrag mit weniger Datenvolumen ausreichen. Möchte sie allerdings auch von unterwegs per Video mit ihrer Familie kommunizieren, dann bräuchte sie natürlich ein deutlich höheres Datenvolumen.  

Herr Daubenspeck, es existieren so viele Begrifflichkeiten: Highspeed-Internet, Datenübertragungsrate, 10-Gigabyte-Datenvolumen, inklusive Minuten und SMS. Können Sie uns hier etwas durch die Begrifflichkeiten navigieren?

Na klar! Highspeed-Internet sagt eigentlich nur aus, dass es sich um eine schnelle Datenübertragungsrate handelt. Das heißt, es werden pro Sekunde sehr viele Daten aus dem Internet hochgeladen bzw. geladen. Dies ist zum Beispiel wichtig für scharfe, nicht verpixelte sowie ruckelfreie Videos. Aber auch der normale Seitenaufbau im Internet ist dadurch wesentlich schneller und angenehmer. Das Datenvolumen hingegen gibt einfach nur an, wie viel Gigabyte an Daten mit einer schnellen Datenübertragungsrate heruntergeladen werden können, bevor der Mobilfunkanbieter anfängt, die Geschwindigkeit zu drosseln. Wenn man zum Beispiel 2 Gigabyte Datenvolumen hat, dann können bis zu deren Verbrauch mit hoher Geschwindigkeit Videos ruckelfrei angeschaut werden. Danach wird die Geschwindigkeit einfach gedrosselt und es ist kaum noch ein angenehmes Surfen möglich. Der Passus „inklusiv Minuten und SMS“ findet sich indes noch in vielen Verträgen; er ist heute jedoch eher ein Auslaufmodell. Hiermit wird in dem Vertrag vorgegeben, dass in dem gewählten Tarif eine gewisse Anzahl an Freiminuten und SMS enthalten sind. Wird diese Anzahl überschritten, fallen zusätzliche Kosten pro SMS oder telefonierte Minute an. Diese müssen dann gezahlt werden und sind deutlich teurer, als in einem gewöhnlichen Tarif.

Bei uns auf dem Land ist der Handyempfang oft schlecht. Was empfehlen Sie den Menschen, die im ländlichen Raum mobil surfen und telefonieren möchten?

Das wichtigste ist, die Anbieter zu vergleichen, zu prüfen, wer vor Ort welche Angebote anbietet und wie die Mobilfunkanbieter in der betreffenden Region überhaupt das Netz abdecken. Hierzu empfiehlt es sich, einmal nach „Netzabdeckung“ zu Googlen. Es finden sich auf verschiedenen Internetseiten diverse Übersichten. Durch diese wird ersichtlich, von welchem Mobilfunkanbieter das eigene Dorf gut abgedeckt wird. Wenn der Empfang schlecht ist kann auch darüber nachgedacht werden, sich bei der Landesregierung bezüglich des Breitbandausbaus zu beschweren. Ein Anspruch auf Ausbau für den Einzelnen besteht gleichwohl nicht.   

Welche Alternativen gibt es zum Handyvertrag mit Laufzeit?

Die wohl gängigste Alternative ist ein Prepaid-Tarif, der in der Regel nur eine monatliche Laufzeit hat – ganz anders also als Handyverträge, die meist über 24 Monaten gehen. Prepaid-Tarife lassen sich insofern einfacher kündigen bzw. beenden. Bei Prepaid-Tarifen wird bereits im Vorfeld die Gebühr für den folgenden Monat bezahlt. Ist also der aktuelle Monat abgelaufen, muss das Guthaben wieder mit einer Gutgabenkarte aufgeladen werden. Nur wenn auf dem Handy Guthaben ist, wird der Tarif um einen weiteren Monat verlängert. Wenn nicht, entfällt die automatische Verlängerung. Das hat ein wenig den Nachteil, dass der Handytarif gegebenenfalls deaktiviert wird, wenn man ihn nicht rechtzeitig verlängert. Anderseits gibt es den sehr tollen Vorteil, die Kosten im Blick zu haben.  

Für wen sind diese Prepaid-Verträge geeignet und gibt es dabei einen Haken?

Prepaid-Tarife sind für alle geeignet, die sich nicht langfristig binden möchten – einfach, weil sie nicht wissen, wie die Zukunft aussieht oder auch in finanzieller Hinsicht. Zudem eignen sich Prepaid-Tarife für Menschen, die ihre Kosten gerne besser im Blick haben wollen. Gut geeignet sind sie jedoch auch für Leute, die im Urlaub nur für einen kurzen Zeitraum mobiles Internet benötigen und ansonsten zu Hause größtenteils im eigenen WLAN unterwegs sind. So kann man sich kurzzeitig im Urlaub einen Tarif aussuchen, der ein höheres Datenvolumen beinhaltet. Für die restliche Zeit im Jahr lässt man dagegen das Datenvolumen weg oder nimmt ein niedrigeres Datenvolumen und spart damit Geld. Der Haken an Prepaid-Tarifen ist rein praktischer Natur, denn das Guthaben auf dem Smartphone muss im Vorfeld aufgeladen werden. Das heißt, die Prepaidkarten müssen aus den Shops oder in einzelnen Läden gekauft werden. Mittlerweile gibt es aber auch die Möglichkeit, per Lastschrift das Guthaben aufzuladen, wobei dann natürlich die Vorteile von den Prepaid-Tarifen ein wenig dahin sind.
Wie ich bereits erwähnt habe, werden die Tarife nicht verlängert, wenn kein Guthaben auf dem Handy aufgeladen ist. Ist das länger der Fall, so besteht die Gefahr, dass die SIM-Karte deaktiviert wird. Dies bereitet gewisse Umstände, das restliche Guthaben von der Karte wieder herunter zu bekommen oder die Karte wieder aktivieren zu lassen.   

Prepaid-Verträge werden ja von einigen Discountern angeboten, zum Beispiel von Aldi, Lidl oder bei Tchibo. Ist das gut?

Grundsätzlich kann man sagen, dass diese Angebote sowohl gut als auch günstig sind. Gleichwohl sollte man im Vorfeld genau prüfen, was man möchte und was diese Tarife beinhalten. Ganz wichtig ist es zudem zu schauen, welches Netz die einzelnen Anbieter nutzen, also zum Beispiel Telefónica, Telekom D1 oder Vodafone D2. Daran anschließend gilt es natürlich sicherzustellen, ob diese Netze in der eigenen Region auch ordentlich abgedeckt werden. Hier zeigen Vergleiche durchaus große regionale Unterschiede der einzelnen Netzanbieter.

Die meisten Anbieter werben ja mit den neuesten Smartphones, die es bei Vertragsabschluss quasi gratis gibt. Das klingt zu schön um wahr zu sein. Sind das Lockangebote?

Ja. Hier sollte man auf jeden Fall sehr vorsichtig sein. Denn es gilt in der Regel: Kein Händler verschenkt irgendetwas. Bei scheinbar guten Angeboten suchen Händler sich irgendeine Möglichkeit, um die Kosten wieder reinzuholen. Deswegen wird es sich meistens nur um Lockangebote handeln, bei denen dann der Tarif, der im Hintergrund läuft, deutlich teurer ist, als ein normaler Tarif. Daher sollte man die Preise über die gesamte Laufzeit von meistens zwei Jahren genau durchrechnen. Oft bestehen die Lockangebote leider auch darin, dass mit tollem Namen geworben wird, die Geräte selbst aber nicht mehr dem modernen Stand der Technik entsprechen und zu veraltet sind. Auch sollte man sich überlegen, ob man wirklich ein neues Tablet oder Handy braucht und es am Ende nicht einfach herumliegt.

Wozu raten Sie denn, wenn man das alte Handy behalten will und einen neuen Vertrag abschließen möchte?

Zunächst gilt es zu prüfen, ob die von dem Anbieter angebotenen SIM-Karten überhaupt in das alte Handy passen. Mittlerweile sind die SIM-Karten deutlich kleiner geworden. Oft werden Kombi-SIM-Karten angeboten, wobei die für das Gerät passende Größe dann aus der Kombi-Stanzung herausgebrochen werden kann. Ist man im Besitz eines alten Handys, das keine Internetanbindung hat oder dessen Bildschirm gar keine Videowiedergabe ermöglicht, so sollte sinnvollerweise kein Handytarif mit Datenvolumen genommen werden. Diesen könnte man ja gar nicht nutzen.   

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es tatsächlich noch Uralt-Verträge, die irgendwann einmal abgeschlossen wurden. Woran liegt das?

Hier spielt meistens Bequemlichkeit eine Rolle. Viele Menschen haben einfach keine Lust, sich auf die Suche nach einem neuen Vertrag zu begeben und zu vergleichen, nur um am Ende ein oder zwei Euro zu sparen. Unter Umständen hilft es aber vielleicht schon, seinen derzeitigen Mobilfunkanbieter zu kontaktieren und zu schauen, ob gewisse Vertragsanpassungen möglich sind. Hier können vielleicht bereits ein paar Euro gespart werden, wenn der Vertrag auf den aktuellen Stand gebracht worden ist oder gewisse Leistungen, die man gar nicht benötigt, gestrichen werden können. Es gibt jedoch auch viele Anbieter, die regelmäßig von sich aus Anpassungen vornehmen, die zum Beispiel das Datenvolumen erhöhen. Damit können die Anbieter den Tarif an ihre Konkurrenz anpassen und sind zugleich selbst mit längeren oder älteren Verträgen auf einem guten aktuellen Stand.

Was raten Sie bei einer Kündigung von Verträgen? Worauf muss ich achten?

Hier ist es natürlich ganz wichtig, die Kündigungsfristen im Auge zu behalten. Gerade bei langfristigen Verträgen mit einer Laufzeit von 24 Monaten beträgt diese häufig 3 Monate zum Ende der Vertragslaufzeit. In der Zeit muss die Kündigung beim Mobilfunkanbieter eingegangen und am besten zuvor per Einwurf-Einschreiben sowie per E-Mail oder Fax versendet worden sein. So kann sichergestellt werden, dass die Kündigung rechtzeitig ankommt. Zugleich erhält man so für sich selbst einen Nachweis. Eine weitere Kündigungsmöglichkeit wäre noch, dass man einen Shop des Anbieters besucht, sich dort beraten und die Kündigung durch den Shop anfertigen lässt. Ganz wichtig ist dabei jedoch, sich noch am selben Tag die Kündigungsbestätigung von dem Shop geben zu lassen. Auch sollte man dringend aufpassen, dass nicht im gleichen Atemzug der alte Vertrag gekündigt und im Shop ein neuer Vertrag unterzeichnet wird. Des Weiteren ist es ratsam bereits während der Kündigung anzusagen, sofern denn gewünscht, dass die Rufnummer in einen neuen Vertrag mitgenommen werden soll.  

Jetzt habe ich meinen alten Mobilfunkvertrag gekündigt und möchte meine alte Nummer mitnehmen. Auf was muss ich jetzt noch achten?

Grundsätzlich besteht der Anspruch, bei Anbieterwechsel die Rufnummer mitzunehmen. Wichtig ist gleichwohl, dass der neue Anbieter vertraglich festgehalten hat, dass die bisherige Rufnummer überhaupt weiterhin genutzt werden kann. Die Portierung der Rufnummer erfolgt dann über den neuen Anbieter. Bei ihm wird die Portierung beauftragt und er stimmt die Mitnahme der Rufnummer mit dem bisherigen Anbieter ab. Dieser Prozess kann einige Tage in Anspruch nehmen und man sollte auch nicht vergessen, dass zusätzliche Kosten anfallen können. Diese werden jedoch häufig durch den neuen Anbieter getragen. Im April 2020 hat die Bundesnetzagentur außerdem festgelegt, dass die Kosten für eine Übertragung einer Mobilfunknummer maximal 6,82 Euro betragen dürfen.

Herr Daubenspeck, vielen Dank für die fachliche Beratung. Ich nehme jetzt mit: informieren, vergleichen und wissen, was ich will und brauche. Vielen Dank!

Ich danke auch!

Weitere Informationen zum Projekt "LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf’s Land gebracht"

Kontakt

Laura Reiter

Projektleiterin „LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf’s Land gebracht“

Telefon: 030 28 44 929-23

Katja Oloff

Projektkoordinatorin „LandFrauenGuides - Verbraucherinfos auf's Land gebracht“

Telefon: 030 28 44 929-99

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