LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf‘s Land gebracht

LandFrauenGuides im Gespräch mit Expertinnen und Experten der Verbraucherzentrale

17. September 2020. Jutta Weiß spricht mit Kathrin Körber, Expertin für Telekommunikation und Internet bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, über Fake-Shops und das Einkaufen im Internet.

Fake-Shops und Schnäppchenjagd im Netz

© Stelte

Jutta Weiß
LandFrauenGuide aus Ansbach

Online einkaufen ist einfach und schnell. Durch Corona hat sich das Einkaufsverhalten verändert. Immer mehr Produkte werden im Netz bestellt. Leider birgt das auch Gefahren. Negative Meldungen von Verbraucherschützern über sogenannte Fake-Shops häufen sich. Frau Körber, was sind eigentlich Fake-Shops und warum heißen sie so?

Fake-Shops sind Online-Shops, die täuschend echt aussehen und oft professionell und seriös wirken. Hier trifft also der alte Spruch „mehr Schein als Sein“ zu. Problematisch ist dabei, dass Verbraucher Geld bezahlen, ohne eine Leistung in Form von Waren und Produkten zu erhalten.

Gibt es solche Shops nur für Kleidung?

Nein, es werden auch viele andere Artikel angeboten: zum Beispiel Haushaltswaren, Elektronik – wie Smartphones, Fitness-Watches, Fotoapparate –, Schmuck oder Schuhe. Es gibt sogar Fake-Shops, die Ferienunterkünfte „anbieten“, also ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung. Auch für andere Dienstleistungen finden sich Fake-Shops.

Erkenne ich auf den ersten Blick einen Fake-Shop?

Auf den ersten, schnellen Blick nicht unbedingt. Die Internetseiten der Fake-Shops sind durchaus gut aufgebaut. Es gibt dort tolle Bilder und Preise, die Verbraucher anlocken.

Wie kann ich herausfinden, ob es sich um einen Fake-Shop handelt oder nicht?

Das erfordert etwas Zeit. Am schnellsten lässt sich ein Shop überprüfen, indem man auf die Internetadresse, der URL, schaut. Aktuell werden beispielsweise Schuhe in einem Shop angeboten, der bücher-scout24 heißt. Passt demnach oben im Browser die Internetadresse nicht zu den Produkten im Shop, so sollte man sofort stutzig werden. Außerdem ist es nützlich und sinnvoll herauszufinden, wer denn der Vertragspartner ist. Dies kann man in aller Regel im Impressum oder unter der Rubrik „Kontakt“ bzw. „Über uns“ nachsehen. Das sind zwei Anhaltspunkte, um einen Shop auf den ersten Blick zu überprüfen.

Und was genau sollte im Impressum stehen?

Im Impressum steht der Name des Shops und dessen Inhaber, die Adresse sowie eine Kontaktmöglichkeit. Das kann eine E-Mailadresse sein, aber auch eine Telefonnummer. Bei einer GmbH findet sich zusätzlich oft die Nummer aus dem Handelsregister. Hiermit kann der Verbraucher aktiv werden. Er kann zum einen prüfen, ob die angegebene Adresse echt ist oder nicht. Denn bereits hier trennt sich häufig die Spreu vom Weizen: Wenn man die Adresse aus dem Impressum kopiert und in einen Kartensuchdienst eingibt, sieht man, ob die Straße, Hausnummer, Ort und Postleitzahl tatsächlich vergeben sind. Zum anderen kann der Verbraucher mit einer Handelsregisternummer überprüfen, ob es den Shop gibt oder nicht. Findet sich dieser nicht im Handelsregister und blieb auch die Adresssuche mit dem Kartensuchdienst erfolglos, dann sollte man die Finger von diesem Shop lassen!

Das klingt sehr aufwendig. Ich möchte unkompliziert einkaufen. Kann ich mich stattdessen auch auf Gütesiegel verlassen?

Sinnvollerweise gibt es in Deutschland mehrere Gütesiegel. Viele kennen zum Beispiel Trusted Shops, das TÜV SÜD Prüfsiegel s@fer-shopping, das EHI-geprüfte Online-Shop Siegel oder den Internet Privacy Standards (IPS). Wenn Konsumenten solch ein Gütesiegel auf einer Internetseite finden, heißt das in aller Regel, dass der Shop seriös ist. Eine wichtige Voraussetzung für diese Seriosität ist aber ebenso, dass der Käufer mit seiner Computer-Maus über das Siegel fahren kann und ein sogenannter sprechender Link auftaucht. Klickt man darauf, dann öffnet sich ein Zertifikat. Öffnet sich indes hinter dem Siegeln so gar nichts, dann wurde nur ein Bild des Siegels auf die Seite kopiert und ich sollte auch hier die Finger von lassen und dort nicht einkaufen. Denn hier liegt dann ein Siegel-Missbrauch vor.  

Ich möchte ja eigentlich unkompliziert einkaufen. Kann ich mich stattdessen auch auf Gütesiegel verlassen?

Genau. Wenn ich das Siegel anklicke, dann lande ich auf der Seite des Siegelbetreibers, beispielsweise Trusted Shop oder Safer Shopping. Dort kann ich mir das Zertifikat des Shops ansehen, welches genau zeigt, wie lange es für diesen Shop noch ausgestellt ist. Öffnet sich keine Internetseite, hat dieser Shop auch kein Zertifikat und ich sollte die Finger davonlassen.

Sollte ich auf einen Einkauf bei einem Shop ohne verlässliches Gütesiegel verzichten?

Nein, das ginge zu weit. Nicht jeder seriöse Shop hat ein Gütesiegel. Gütesiegel sind zum einen kostenpflichtig. Zum anderen möchten manche Shopbetreiber sich nicht in die damit verbundene, notwendige Mitgliedschaft begeben. Ein Gütesiegel kann also für Verbraucher ein Kriterium sein. Das Kriterium sollte aber nicht sein, dass man ohne Gütesiegel auf einen Einkauf verzichtet. Denn Shops ohne Gütesiegel können durchaus seriös sein.

Wie aussagekräftig sind Nutzer-Bewertungen eines Shops?

Was sagen wir von den Verbraucherzentralen immer so schön: „Es kommt darauf an“. Hilfreich sind hier die bereits erwähnten Prüfsiegel, die ja mit der Internetseite der Siegelbetreiber verlinkt sein sollten. Dort finden Verbraucher nämlich oft auch die Bewertungen anderer Nutzer, welche seriös und durch das Siegel geprüft sind. Bei anderen Bewertungen kommt es wiederum darauf an. Es ist sowohl für die Verbraucher als auch für die Verbraucherzentralen schwer zu erkennen, ob die Kommentare seriös sind oder gar gekauft, so wie es in der Presse immer wieder zu lesen ist. Festhalten lässt sich jedoch, dass bei Fake-Shops relativ häufig volle Punktzahlen vergeben werden. Außerdem wird dort ganz oft die schnelle Lieferung sowie die Qualität der Produkte als sehr gut bewertet. Kundenbewertungen sollten daher am besten auch über die sozialen Medien geprüft werden.    

Warum sollte ich auf Versand- und Lieferbedingungen achten?

Das ist sogar sehr wichtig. Wir erleben es gerade jetzt in der Corona-Pandemie, dass sich Verbraucher nach zwei bis drei Wochen an uns wenden und sagen, dass ihre Ware immer noch nicht angekommen sei und es sich hier bestimmt um einen Fake-Shop handele. Vor allem im Moment gilt der Hinweis, dass ein Blick in die Versand- und Lieferbedingungen sowie eine Prüfung der Bestellbestätigung unerlässlich sind. Dort finden sich genaue Angaben zur vereinbarten Lieferzeit. Vor allem bei Bestellungen im außereuropäischen Ausland kann durchaus eine Lieferzeit von vier Wochen vorkommen. In diesem Fall bedeutet eine lange Wartezeit also nicht, dass der Shop ein Fake-Shop ist.   

Frau Körber, auf vielen Seiten finden sich unterschiedliche Bezahlmöglichkeiten. Von welchen Bezahlmöglichkeiten raten Sie ab? Und welche halten Sie für geeignet?

Ich halte das Bezahlen per Rechnung, per Lastschriftverfahren, per Zahlungsdienstleister und gegebenenfalls per Kreditkarte für geeignet. Was ich dagegen für völlig ungeeignet halte und davor nur warnen kann ist das Bezahlen per Nachnahme, über Reisebanken wie Western Union oder per Vorkasse, also der Überweisung vor ab. Dies gilt vor allem dann, wenn man den Shop nicht kennt.

Sie warnen auch vor der Nachnahme?

Ja. Denn per Nachnahme bezahlen bedeutet: Ich erhalte mein Paket erst, nachdem ich dem Zusteller das Geld überreicht habe. Ich darf das Paket vor dem Bezahlen nicht öffnen und schauen, was es überhaupt beinhaltet. Enthält das Paket am Ende nicht das, was ich bestellt habe, so ist mein Geld weg und ich komme es auch nicht wieder.

Das habe ich so noch gar nicht bedacht.

Genau, das kann zum Beispiel ein leer gesendetes Paket sein, mangelhafte Ware oder irgendetwas, das ich gar nicht bestellt habe. Das Geld ist dann weg. Ein Verbraucher erzählte neulich in der Beratung, er schaue immer auf der Startseite eines Shops, welche Bezahlmöglichkeiten dort aufgelistet werden. Wenn sich darunter ein Zahlungsdienstleister oder das Bezahlen per Rechnung findet, dann kaufe er dort ein. Dies ist ein Ansatz. Gleichwohl trennt sich die Spreu erst vom Weizen, wenn die gewählte Bezahlmöglichkeit auch noch während des Bestellprozesses vorhanden ist. Bei Fake-Shops werden zwar auf der Startseite die unterschiedlichen Bezahlmöglichkeiten angeboten, aber nachdem man das Produkt in den Warenkorb gelegt und seine Adresse eingegeben hat, ist plötzlich nur noch die Vorkasse möglich. Häufig ist dies mit dem Hinweis versehen, dass die Bezahlung per Kreditkarte oder Rechnung vorübergehend aus technischen Gründen nicht möglich sei. Tritt dieser Fall ein, sollten Verbraucher einen Blick in das Impressum werfen. Wenn sich dort keine Kontaktdaten finden oder die Angelegenheit generell komisch erscheint, sollte der Kauf überdacht werden. Schließlich ist im Zweifel das Geld weg.

Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale wird vor dem Einkaufen in sogenannten Asia-Shops gewarnt. Was steckt dahinter?

Als Asia-Shops bezeichnet die Verbraucherzentrale die Lieferung aus Fernost. Das heißt, Verbraucher kaufen in einem Online-Shop, der seine Ware aus Fernost bezieht. Das muss per sé nicht schlecht sein. Schlecht ist es allerdings für jene Verbraucher, die minderwertige Ware erhalten, diese zu Recht reklamieren möchten und dann feststellen, dass eine Rücksendung nirgendwohin möglich ist. Oder es kommt noch schlimmer: Die Rücksendung ist ausgeschlossen, weil sie etwa nur innerhalb kürzester Zeit nach der Bestellung erfolgen kann. Das trifft natürlich rechtlich gesehen alles nicht zu. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Gegenüber irgendwo in Asien sitzt und der Verbraucher dort seine Interessen nur schwer durchsetzen kann. Häufig schicken Asia-Shops bei Kundenrückfragen via E-Mail eine Rücksendeadresse, wobei wir hier immer dringend zur Rücksendung über einen versicherten Paketversand raten. Dies ist aber nach Asien sehr teuer. Als zusätzliche Überraschung können hohe Zollkosten kommen. Die Kosten, die mir durch die Rücksendung entstehen und gegebenenfalls durch den Zoll, übersteigen dann mitunter den Wert der Ware, die ich in dem Asia-Shop bestellt habe.  

Da bleibt mir ja fast nur noch die Bestellung bei einem Online-Riesen wie Amazon. Da bin ich doch auf der sicheren Seite, oder?

Meistens, allerdings gibt es auch hier einen kleinen Haken. Wir haben in der Vergangenheit sogenannte Fake-Verkäufer, also Betrüger, entdecken können. Dieses Phänomen trifft gleichwohl auf alle Online-Marktplätze zu. Man muss jedes Mal aufs Neue schauen, wer der Verkäufer ist und mit wem man es zu tun hat. Diese Information erhalten Verbraucher unterhalb des Buttons „In den Warenkorb“ oder „Jetzt kaufen“. Wenn dort kein Verkäufer angegeben ist, sondern nur eine E-Mailadresse oder etwas ganz hieroglyphisches, rate ich von dem Kauf ab und zu einer neuen Verkäufersuche. Besonders sicher sind Verbraucher, wenn bei Amazon der Hinweis „Verkauf und Versand durch Amazon“ erscheint. Damit haben sie einen Käuferschutz, der notfalls eintreten kann. Die A-bis-z-Garantie sichert den Käufer in diesem Fall ab.

Was kann passieren, wenn ich auf eine Betrugsseite reingefallen bin?

Das Ärgerliche ist: Ich habe nichts in der Hand, bin jedoch mein Geld losgeworden. Außerdem haben Unbekannte nun meinen Vor- und Nachnamen, meine Straße, Hausnummer, Postleitzahl sowie meine E-Mailadresse. Mit diesem Datensatz lässt sich Geld verdienen, wenn er in die Hände von Datenhändlern kommt. Meine Daten sind nun Freihandelsware und das ist äußerst ärgerlich.

Was kann ich als Opfer unternehmen?

In einem ersten Schritt sollte jeglicher Schriftverkehr gesichert, gespeichert und abgeheftet werden. Mit diesen Unterlagen können Betroffene Strafanzeige stellen – etwa persönlich bei den örtlichen Polizeidienststellen. Es gibt auch in vielen Bundesländern die Möglichkeit der Online-Wache. Darüber hinaus sollten Betroffene, die einen Zahlungsdienstleister genutzt haben, diesen kontaktieren und den Käuferschutz geltend machen. Wir appellieren im Übrigen immer wieder an die Verbraucher, sich an die Verbraucherzentralen zu wenden. Wir beraten und greifen Missbräuche auf. Und gerade wir hier, bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, haben auf unserer Webseite die Rubrik „Vorsicht Falle“. Dort warnen wir vor Fake-Shops und listen entsprechende, identifizierte Webseiten auf. Generell ist es wichtig, dass Verbraucher reagieren und ihre Opferrolle nicht so einfach hinnehmen, sondern sich tatsächlich wehren. Und wenn sie damit letztlich nur andere Verbraucher warnen.  

Wie stehen die Chancen, dass ich mein Geld wiederbekomme?

Von den Betrügern und den Fake-Shopbetreibern werden Betroffene das Geld ganz sicher nicht wiederbekommen. Wenn Zahlungsdienstleister wie PayPal genutzt wurden, besteht gegebenenfalls die Möglichkeit, den Käuferschutz geltend zu machen. Immer dann, wenn die Ware nicht geliefert wurde, kann PayPal das Geld erstatten. Diese Entscheidung von PayPal ist allerdings eine Kann-Entscheidung. Schon mancher Verbraucher blieb trotzdem auf seinen Kosten sitzen, weil er nicht alle Voraussetzungen für diesen Käuferschutz erfüllt hat.

Das war ja eine Fülle an Informationen. Was sollte ich mir von all diesen Tipps ganz besonders merken?

Ganz wichtig ist, dass Verbraucher sich Zeit lassen und sich in aller Ruhe den Shop anschauen – insbesondere dann, wenn sie dort noch nicht eingekauft haben. Man muss immer und immer wieder prüfen: Mit wem hat man es hier zu tun? Ähnliches tut man doch auch im Alltag analog, etwa beim Einkauf in der Innenstadt. Ich entscheide selbst: Gehe ich in diesen Laden? Gefällt er mir? Im Onlinegeschäft ist das schwerer möglich; hier sehe ich ja nur bunte Bilder. Umso wichtiger ist es, Zeit dafür aufzuwenden, zu schauen, mit wem man es zu tun hat. Der Mehraufwand lohnt sich.

Weitere Informationen zum Projekt "LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf’s Land gebracht"

Kontakt

Laura Reiter

Projektleiterin „LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf’s Land gebracht“

Telefon: 030 28 44 929-23

Katja Oloff

Projektkoordinatorin „LandFrauenGuides - Verbraucherinfos auf's Land gebracht“

Telefon: 030 28 44 929-99

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