LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf‘s Land gebracht

LandFrauenGuides im Gespräch mit Expertinnen und Experten der Verbraucherzentrale

25. Juni 2020. Jutta Weiß spricht mit Merten Larisch, Experte für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Bayern, über Altersvorsorge von Frauen auf dem Land.

Altersvorsorge von Frauen auf dem Land

© Stelte

Jutta Weiß
LandFrauenGuide aus Ansbach

Das Thema Altersvorsorge ist für Frauen besonders wichtig. Mit veränderten Rollenbildern, verändern sich in Deutschland auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen: Der Lebenspartner als Altersvorsorge ist nicht mehr zeitgemäß! Können Sie das bestätigen?

Ja, das passt wirklich nicht mehr in unsere Zeit, wo Frauen ihr Berufsleben selbst bestimmen.

Die gesetzlichen Regelungen haben den Ehepartner gegenüber früher schlechter gestellt. Man bekommt z.B. nur noch 55 Prozent der Rente des verstorbenen Partners - wenn die Voraussetzungen stimmen! Das hat zur Folge, dass sich verheiratete Frauen mehr Gedanken über ihre zu erwartende Rente machen müssen. Dabei gibt es typische Ereignisse im Leben von Frauen, die die Rente beeinflussen: z.B., wenn ich Lücken in meiner Erwerbsbiografie habe, durch Kindererziehung, Teilzeitarbeit, Pflege von Familienangehörigen und vieles mehr. Gibt es Wege, diese Lücken zu schließen?

Bestimmt ist es wichtig, im Kontakt mit dem Rentenversicherungsträger die Lücken zu erkennen und sich Wege aufzeigen zu lassen, um die Lücken zu schließen. Allerdings sollte es um die gesamte Versorgung im Alter gehen. Und da ist die gesetzliche Rente der Landwirtschaftlichen Alterskasse oder der Deutschen Rentenversicherung nur ein Baustein, der nur selten für einen moderaten Lebensstandard ausreichen wird.

Viele Ehen werden geschieden. Wie viel Rentenanspruch habe ich nach einer Scheidung?

Bei einer Scheidung wird verglichen, wie viel Rentenansprüche in Rentenentgeltpunkten während der Ehezeit von beiden gesammelt wurden. Der Partner mit der höheren Rente muss die Hälfte dieser Differenz dann an den Partner mit dem geringeren Rentenanspruch abgeben. Auch Ansprüche aus Betriebsrenten fließen gegebenenfalls mit in diese Rechnung ein.

Was passiert, wenn ich frühzeitig Witwe werde und nicht berufstätig bin?

Grundsätzlich gibt es ja den Anspruch auf Witwenrente, wenn die Bedingungen dafür erfüllt sind. Nun kommt es vermutlich auf die Höhe der Witwenrente sowie die Vermögensverhältnisse an; auch aus dem sich dann ergebenden Erbe, ob das Einkommen in der Zukunft zur Bestreitung des Lebensunterhaltes der hinterbleibenden Familie ausreicht. Ehepaare sollten sich für diese Fälle über eine Strategie– wie auch für den Fall der Berufsunfähigkeit – Gedanken machen, wie die Einnahmen gedeckt werden. Der Abschluss von Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung ist da meistens angebracht. Und schlussendlich muss das Ehepaar darüber reden, ob die Weiterführung der Landwirtschaft nach einem solchen Schicksalsschlag erwünscht, aber auch machbar wäre.

Habe ich auch dann Anspruch auf die Witwenrente, wenn ich berufstätig bin?

Da gilt an sich das Gleiche. Auch da wird jedoch die Einkommenshöhe geprüft. Über Freibeträge hinaus wird die Witwenrente auf das Einkommen angerechnet. Hier hilft das Gespräch mit dem Versorgungsträger, damit man die zusätzliche Risikoabsicherung auch richtig planen kann.

Kann die Pflege eines Familienangehörigen meinen Rentenanspruch erhöhen? Wenn ja, um wie viel?

Unter bestimmten Bedingungen führt die Pflegearbeit ab Pflegegrad 2 zu einer Rentenerhöhung. Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Pflege pro Woche mindestens 10 Stunden erfolgt und auf mindestens zwei Tage aufgeteilt wird. Je nach Pflegegrad und bezogener Leistung kann bei einem Jahr Pflegetätigkeit die zusätzliche monatliche Rente zwischen 6 Euro und 30 Euro betragen.

Viele Frauen stehen nicht mehr am Anfang ihres Erwerbs- und Familienlebens. Welche Möglichkeiten habe ich auch mit über 50 meine Rente aufzubessern oder ist da alles schon zu spät?

Zu spät ist es nie, um die Situation zu verbessern. Klar, je früher mit der Vorsorge begonnen wird, um so billiger ist sie. Die beste Vorsorgemöglichkeit ist ein kostengünstiger Mix aus einlagengesichertem, verzinstem Banksparplan, Festgeld und einem Sparplan auf einen weltweiten Aktien-ETF-Indexfonds. Die Aktienquote sollte sich aus dem vorab bestimmten Anlegerprofil ergeben. Bei Festgeld und Banksparplan schaut man auf eine – für heutige Zeit – hohe Verzinsung im Bereich von 1 Prozent p.a. Die vor allem von Banken und Vermittlern angebotenen Vorsorgeprodukte, die auf Versicherungen oder gemanagten Investmentfonds basieren, sind wegen ihrer überwiegend hohen Kosten und der Geldanlageintransparenz zu meiden.

Diese Fragen sind für Frauen in ländlichen Regionen noch wichtiger, als für Frauen in der Stadt?

Viele Frauen, die in der Landwirtschaft mitarbeiten, erhalten erfahrungsgemäß nur eine geringe Altersrente. Es ist kein guter Gedanke, sich ausschließlich auf die gemeinsame Vorsorge mit dem Ehemann zu verlassen. Auch Frauen sollten ihre finanzielle Unabhängigkeit anstreben.

Die Frauen arbeiten auf dem Hof mit und sind z.B. nur geringfügig angestellt. Das bedeutet: kein Erwerb von Rentenpunkten. Wenn man sich zusätzlich fürs Alter absichern will muss man erst einmal wissen, wie viel Geld man im Alter benötigt. Haben Sie dafür einen Richtwert?

Da gibt es leider keinen Richtwert. Der Altersvorsorgebedarf ist individuell unterschiedlich. So sollte auch der Ausgabenbedarf ab Rentenbeginn hochgerechnet werden. Welche Ausgaben fallen weg? Steuern und Sozialabgaben müssen in diese Rechnung einfließen, genauso wie – im Ergebnis oftmals sehr erstaunlich – die Preissteigerung durch Inflation. Verglichen mit den etwa zu erwartenden Ansprüchen aus der gesetzlichen Versorgung ergibt sich die Einkommenslücke, die es mit privater Vorsorge zu schließen gilt und aus der man eine „Sparrate“ ausrechnen kann.

Erhöht sich mein Bedarf, wenn ich alleinstehend bin?

Ja, Alleinstehende haben tatsächlich einen höheren Bedarf. Man kann sich das so vorstellen, dass sich Alleinstehende beispielsweise Kosten für Auto, Reparaturen und Werterhaltung der Immobilie eben nicht mit einer anderen Person teilen können.

Ich stelle jetzt also fest, dass mein gesetzlicher Rentenanspruch nicht reicht… Kann ich mir eine private Vorsorge überhaupt leisten?

Genau! Zuerst sollte ein Kassensturz gemacht werden: Wie viel kommt heute in die Kasse? Wie hoch sind meine Ausgaben? Dabei sollten nicht nur die offensichtlichen Kostenkategorien betrachtet werden, sondern auch unregelmäßige Ausgaben in Form von Sparraten, mit denen Rücklagen dafür gebildet werden.

Gibt es staatlich geförderte Produkte für meine private Altersvorsorge?

Der Staat fördert die Altersvorsorge mittels Riester- und Rürup-Rente; in bestimmten Firmen auch über betriebliche Altersversorgung. Ob sich dies jedoch überhaupt lohnt, ist auch wieder im Einzelfall zu betrachten.

Was ist der Unterschied von Riester-Rente und Rürup-Rente?

Die Förderung verläuft ähnlich. Die Beiträge sind für beide Varianten vom zu versteuernden Einkommen absetzbar. Dafür sind auch bei beiden die Leistungen voll steuerpflichtig und die jeweilige Rente wird lebenslang gezahlt. Letzteres klingt wie ein Vorteil. Die Kalkulation der Rentenhöhe ist jedoch seit langem für Neuverträge nicht mehr sachgemäß und führt im Regelfall zu großen Verlusten am Vertragskapital, weil die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich niedriger ist, als die von den Versicherungsgesellschaften kalkulierte. Im Gegensatz zur Rürup-Rente gibt es bei der Riester-Rente eine höhere Förderung durch feste Zulagen vom Staat, wenn das Einkommen gering ist, mehrere Kinder im Haushalt leben oder der Riester-Sparer nur noch 10 Jahre bis zum Ruhestand hat. Außerdem sind Teilkapitalisierung und im Notfall auch Kündigung möglich. Das geht nicht bei der Rürup-Rente. Gemeinsam haben beide Varianten, dass die meisten angebotenen Produkte viel zu hohe Kosten haben und ein intransparentes Geldanlagemanagement. Deshalb machen sich die Verbraucherzentralen für die Extra-Rente des vzbv als kostengünstige Alternative stark.

Für wen ist welche geeignet?

Vor dem Abschluss einer Rürup-Rente raten wir strikt ab. Für Unverheiratete ist keine, für Verheiratete nur eine stark eingeschränkte Vererbbarkeit und auch keine Kapitalisierung möglich, auch nicht in einem finanziellen Notfall. Und wie bei allen Rentenversicherungen entsteht ein hohes Inflationsrisiko spätestens in der Rentenphase. In der Ansparphase können die Vorsorgebeiträge zwar vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden, dafür ist die Leistung voll steuerpflichtig und die Rentenkalkulation nicht sachgemäß. Die Riester-Rente kann für wenige, nämlich die vorhin aufgeführten Personengruppen als Mitnahmeeffekt interessant sein. Sie kann dann aber auch nur ein ganz kleiner Baustein der privaten Vorsorge sein.

Viele Ältere haben noch eine Lebensversicherung. Was würden Sie empfehlen, wenn diese sicher als Beitrag für die Rente verwendet werden soll?

Als Versicherungsrente sollte das Geld nur aus sehr, sehr alten Verträgen mit hohem Rentenfaktor fließen und wenn man zugleich das sichere Gefühl hat, ziemlich alt werden zu können. Oft kann eine Kapitalauszahlung sinnvoller sein.

Gut. Das Geld wird auf einmal ausgezahlt, soll aber bis an das Lebensende reichen. Dazu braucht man eine sichere Strategie. Können Sie da einen Tipp geben?

Die einfachste Variante ist ein Auszahlplan aus einem defensiven Mischfonds, wobei man die Auszahlung bis zu einem sehr hohen Alter kalkuliert, beispielsweise bis 95. oder 100. Lebensjahr. Beispielsweise könnte – oder: man dürfte – sich aus 100.000 Euro bei einer Maximallebensdauer von 33 Jahren (beispielsweise ab 67. Lebensjahr) monatlich etwa 250 Euro entnehmen; bei 28 Jahren 300 Euro. Der defensive oder konservative Mischfonds beteiligt sich an etwa 25 Prozent Aktienmarkt, sollte niedrige Kosten aufweisen und passiv geführt werden. Passiv heißt, dass die Aktienquote stets bei diesen 25 Prozent bleibt. Wer von seinem Anlegerprofil her etwas besser mit Kursschwankungen zurechtkommt, kann dafür auch einen Fonds mit einer festen Aktienmarktquote von 50 Prozent wählen. Anstelle des Fonds bietet sich auch die Auszahlung aus einem entsprechenden Portfolio eines sogenannten Robo-Advisors an, der maximal 0,75 Prozent an laufenden Gesamtkosten pro Jahr nimmt. Die Variante, die effizienter ist, dafür auf den ersten Blick auch etwas komplizierter erscheint, ist die Verteilung des Geldes auf drei „Anlagetöpfe“. Der erste Topf ist ein verzinster, einlagengesicherter Bankauszahlplan für fünf Jahre, der einem die monatliche Auszahlung aufs Girokonto umsetzt. Als Risikopuffertopf fungiert Festgeld mit fünf Jahren Laufzeit. Der Renditetopf schließlich besteht aus einem Aktien-ETF auf einen weltweiten Index wie den MSCI World SRI. Auch hier spielt für die Größe des Renditetopfes das eigene Anlegerprofil eine große Rolle. Dies gilt es zuerst sorgfältig herauszufinden, um die Strategie nicht ständig wieder aus Gefühlsgründen umzuschmeißen.

Bei mir landet ständig Werbung von Versicherungsanbietern – im Briefkasten oder dem E-Mail-Fach. Man sieht sie im Fernsehen und auf Plakaten. Sind das geeignete Produkte und Anbieter für die finanzielle Sicherung meines Alters?

Es ist einfach besser, Finanzprodukte selbst aktiv auszuwählen und einzukaufen, beispielsweise bei Direktbanken. Alle Vorsorgeprodukte mit hohen Abschluss- und Verwaltungskosten sowie aktivem Management dagegen sind unserer Meinung nach Renditekiller und somit für die effiziente Altersvorsorge nicht geeignet. Dazu gehören die meisten Rentenversicherungen, Riester-, Rürup- und betrieblichen Altersversorgungsprodukte, die über Provisionsvermittlung oder „Vermittlungshonorar“ laufen und aktiv gemanagte Fonds. Ausnahmen können Tarife mit niedrigsten Kosten sein, die mit einem sinnvollen ETF-Mix arbeiten. Solche Tarife erhält man entweder direkt bei einigen wenigen Versicherungsgesellschaften oder über echte Honorarberater.

Und zum Schluss: Was kostet eine Beratung zur Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale ungefähr?

Je nach Verbraucherzentrale des jeweiligen Bundeslandes und Länge einer Beratung bewegen sich die Entgelte zwischen 50 und 170 Euro.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Larisch.
Zusammenfassend kann man sagen, jeder hat eine andere Ausgangsposition und deshalb ist eine rechtzeitige Planung und Beratung zur Rente sehr wichtig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich zu Informieren. Eine neutrale Beratung bieten z.B. die Verbraucherzentralen.

Weitere Informationen zum Projekt "LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf’s Land gebracht"

Kontakt

Laura Reiter

Projektleiterin "LandFrauenGuides – Verbraucherinfos auf’s Land gebracht"

Telefon: 030 28 44 929-23

Katja Oloff

Projektkoordinatorin "LandFrauenGuides - Verbraucherinfos auf's Land gebracht"

Telefon: 030 28 44 929-99

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