23. April 2012 Kompetent im Alltag

Versorgungs- und Betreuungsdienstleistungen der Zukunft - neue Anforderungen an die berufliche Qualifizierung

Der Deutsche LandFrauenverband begrüßt die auf verschiedenen Ebenen in Gang gesetzten Diskussionen um die hauswirtschaftliche Berufsqualifizierung. Angesichts veränderter Arbeitsmärkte für die Hauswirtschaft und eines wachsenden Fachkräftemangels erscheinen Reformen dringend geboten.
Die hauswirtschaftliche Berufsqualifizierung ist hinsichtlich folgender Tätigkeitsfelder zu überprüfen:

  • Professionelle Versorgungs- und Betreuungsleistungen in Privathaushalten
  • Wohngruppenorientierte Betreuungsformen und Hausgemeinschaften für Senioren, Demenzkranke und Pflegebedürftige
  • Dienstleistungen in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Kitas, Kindertagesstätten
  • Fachliche Unterstützung zur Bewältigung von prekären Lebenssituationen (zielgruppenorganisiertes Haushaltsorganisationstraining)
  • Schul- und Ganztagsverpflegung sowie Großküchenverpflegung in Krankenhäusern, Kantinen und Pflegeeinrichtungen
  • Dienstleistungen im Hotel- und Gaststättenbetrieb
  • Hauswirtschaftliche Dienstleistungen in landwirtschaftlichen Betrieben / im ländlichen Raum (darunter z.B. Agrotourismus und Direktvermarktung)

Weitere Reformüberlegungen zur hauswirtschaftlichen Berufsbildung sollten zügig fortgeführt werden, jedoch nicht ohne belastbare Datengrundlage. Eine von den zuständigen Bundesministerien angekündigte Verbleibstudie wird dringend erwartet und sollte um eine umfassende Bedarfsanalyse
ergänzt werden. Damit würde auch dem Beschluss der Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) vom 24./25. November 2010 Rechnung getragen werden. Die ASMK hatte die Überprüfung der Berufsbildung in der Hauswirtschaft vor dem Hintergrund des Bedarfes sozialer Einrichtungen gefordert. Notwendig sind außerdem Untersuchungen zu neuen Bedarfsstrukturen für hauswirtschaftliche Dienstleistungen auf dem Land (z.B. Qualifizierung für die ländliche Familienpflege oder agrartouristische Bildungskonzepte).
Aus der Sicht des dlv sollte das bisherige Strukturmodell der Einsatzgebiete im Ausbildungsberuf Hauswirtschafter/in zugunsten stärkerer Diversifizierungsoptionen überdacht werden. So ist zu prüfen, ob Wahlqualifikationen und ausbildungsergänzende Zusatzqualifikationen besser auf betriebliche Anforderungen eingehen können.

Flexibilität und Durchlässigkeit sollten wesentliche Bestimmungsgründe für eine Reform sein, um individuell gestaltbare Bildungswege als Basis für ein lebenslanges Lernen zu ermöglichen. Eine Reform sollte außerdem neue Brücken bauen zwischen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Für die Berufswahl junger Menschen ist eine Identifizierung mit inneren und äußeren Werten der
Ausbildung wichtig. Der dlv spricht sich daher für eine neue Berufsbezeichnung, etwa Fachkraft für Ernährungs- und Dienstleistungsmanagement, aus. Name und Inhalt der Ausbildung würden hier übereinstimmen.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat einen Qualifizierungsbedarf unterhalb des Ausbildungsberufes Hauswirtschafter/in für haushaltsnahe Dienstleistungen im Privathaushalt erkannt. Der dlv unterstützt die Anstrengungen des BMFSFJ und empfiehlt, bei den weiteren Beratungen die für die Berufsausbildung zuständigen Bundesministerien und die in den Ländern zuständigen Institutionen einzubeziehen. Erklärtes Ziel des dlv ist, den Arbeitsmarkt Privathaushalt aus der Schattenwirtschaft herauszuführen.
Angesichts der zu erwartenden steigenden Nachfrage nach Dienstleistungen durch ältere, hilfebedürftige Menschen dürfen auch bei der aktuellen Pflegereform wichtige Weichenstellungen nicht versäumt werden. In diesem Zusammenhang befürwortet der dlv die aktuellen Pläne, dass neben der Pflege auch hauswirtschaftliche Leistungen und Betreuungsleistungen im Leistungsrecht stärker verankert werden sollen. Die Einrichtung persönlicher Budgets ermöglicht, die Mittel nach dem tatsächlichen Bedarf zu verwenden.
Auf Seiten der Seniorinnen und Senioren ist ein Umdenken notwendig, dass auf einem legalen Markt nachzufragende Dienstleistungen ihren Preis haben und dass die Grenzen staatlicher Hilfen eng gesteckt sind. Für Seniorenhaushalte mit geringen finanziellen Ressourcen sind sozial verträgliche Sonderregelungen notwendig, wenn solidarisch finanzierte Versicherungssysteme nicht greifen.

Zusammenfassend bekräftigt der Deutschen LandFrauenverband folgende Forderungen:

  • Zeitnahe Vorlage einer repräsentativen Studie zum Verbleib von Hauswirtschafter/innen und Erstellung einer Bedarfsanalyse nach hauswirtschaftlichen Fachkräften
  • Überprüfung der hauswirtschaftlichen Berufsqualifizierung auf Grundlage des Arbeitsmarktes
  • Stärkung der dualen Berufsausbildung
  • Bundesweite Standardisierung von Qualifikationsprofilen, Qualitätsanforderungen einschließlich Angleichung der Abschlussbezeichnungen
  • Erhöhung der Attraktivität des Berufes für Absolventen mit höheren Schulabschlüssen und Förderung beruflicher Aufstiegschancen
  • Gewährleistung der Chancen für Menschen mit Förderbedarf
  • Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung des Images des Berufes (u.a. neue Berufsbezeichnung, etwa Fachkraft für Ernährungs- und Dienstleistungsmanagement) undzur Gewinnung von qualifizierten Fachkräften
  • Verbesserung der Kommunikation des Berufes als gemeinsame Aufgabe der zuständigen Ministerien, der Sozialpartner, Verbände und Kultusministerkonferenz
  • Einbeziehung der Hauswirtschaft im Leistungsrecht der Pflege

Vom Präsidium am 23.04.2012 verabschiedet.

Das Positionspapier als pdf-Datei zum Download

Nach oben Zurück zur Übersicht