04. Oktober 2012·LandFrauen und Landwirtschaft·Ländlicher Raum

Unsere Hauptaufgabe bleibt die Ernährung der Menschen

Die Erntekrone der deutschen Landwirtschaft für Bundespräsident Joachim Gauck (Mitte) wird in den nächsten Wochen im Schloss Bellevue einen Ehrenplatz haben. Im Bild mit BDL-Vorsitzender Magdalena Zelder (links), Bauernpräsident Joachim Rukwied (hinte
Die Erntekrone der deutschen Landwirtschaft für Bundespräsident Joachim Gauck (Mitte) wird in den nächsten Wochen im Schloss Bellevue einen Ehrenplatz haben. Im Bild mit BDL-Vorsitzender Magdalena Zelder (links), Bauernpräsident Joachim Rukwied (hinten Mitte) und dlv-Präsidentin Brigitte Scherb (rechts).

„Unsere Hauptaufgabe ist und bleibt die Ernährung der Menschen.“ Diese Feststellung traf Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) anlässlich der Übergabe der Erntekrone der deutschen Landwirtschaft an den Bundespräsidenten Joachim Gauck in der Berliner Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt. „Wir leben in und mit der Schöpfung“, betonte Rukwied und erklärte, dass es den Bauern in diesem Jahr trotz einiger Wetterextreme gelungen sei, eine ordentliche Ernte einzufahren. Gemeinsam mit der Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv), Brigitte Scherb, und den Vorsitzenden des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL), Magdalena Zelder und Matthias Daun, überreichte er die Erntekrone an den Bundespräsidenten. In den nächsten Wochen wird die von der Hessischen Landjugend gebundene Erntekrone im Dienstsitz des Bundespräsidenten, Schloss Bellevue, ihren Platz haben.

„Zu Erntedank muss unser Blick auch über Deutschland und Europa hinausgehen“, machte Rukwied vor den etwa 300 Gästen im Beisein des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Dr. Markus Dröge, deutlich. „Wir müssen mehr Menschen ernähren, voraussichtlich 9 Milliarden Erdenbürger im Jahr 2050, und wir müssen die Menschen besser ernähren.“ Die weltweiten Ernährungsgewohnheiten würden sich ändern, so Rukwied weiter. So werde der Verzehr von Fleisch und anderen veredelten Nahrungsmitteln global erheblich zunehmen. „Gemeinsam mit den Deutschen LandFrauen sind wir der Auffassung, dass nur die konsequente Modernisierung der einheimischen Landwirtschaft den von Krisen und Armut gebeutelten Ländern helfen kann.“

„Zu Erntedank gilt unsere Sorge ganz besonders den Hungernden auf den anderen Kontinenten“, erklärte Rukwied. Mit Blick auf die Entwicklungshilfepolitik unseres Landes freue er sich daher, dass ein Umdenken begonnen habe. Die Förderung einer produktiven Landwirtschaft und der ländlichen Wirtschaft in den Entwicklungsländern nehme endlich wieder eine Schlüsselrolle ein. Wichtig sei eine Vor-Ort-Unterstützung nach dem Motto „Bauern helfen Bauern“, um eine bessere Teilhabe der Menschen zu ermöglichen. „Wir setzen uns daher im Weltbauernverband für verlässliche Eigentumsrechte der ortansässigen Bauern überall auf der Welt ein.“

Rukwied ging in seiner Ansprache auch auf das gesellschaftliche Interesse an der Entwicklung der Landwirtschaft ein. „Wir verspüren die kritischen Nachfragen hinsichtlich der schnellen Entwicklung unserer Betriebe.“ Die Bauern würden feststellen, dass die direkten und persönlichen Erfahrungen mit der Landwirtschaft deutlich abnehmen. „Wir müssen und wir können darauf verlässliche Antworten geben. Vertrauen können wir aber nur sichern, wenn wir mehr Mitbürger in unsere Betriebe schauen lassen und offen zeigen, was wir als Bauern tun.“

Für den Deutschen LandFrauenverband sprach sich Präsidentin Brigitte Scherb für eine höhere Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit in der Gesellschaft aus. Diese Wertschätzung käme auch im Umgang mit den von den Landwirten erzeugten Lebensmitteln zum Ausdruck. Der Umfang der Lebensmittelverschwendung habe die Öffentlichkeit aufgerüttelt. Nun seien gemeinsame Handlungsstrategien von Politik, des Handels, der Wirtschaft und der Verbände notwendig, um eine nachhaltige Reduzierung des Lebensmittelabfalls zu erreichen. Dazu sei auch jeder einzelne Verbraucher gefordert, seinen Umgang mit Lebensmitteln zu überdenken, so Scherb im Rahmen der Feierstunde. Für Verblüffung sorgte im Rahmen der Feierstunde die Landjugend Wirmighausen aus Hessen mit ihrem Auftakttanz. Die jungen Männer und Frauen hatten dafür traditionelle Volkstanzelemente mit harten Klängen verschmolzen. „Dieser Tanz zeigt deutlich, in welchem Spannungsfeld wir uns bewegen. Ob in der Landwirtschaft oder der Gesellschaft passen wir Überliefertes den Veränderungen an“, betont Matthias Daun (BDL) bei der Begrüßung. Das zeige auch die von der Hessischen Landjugendgruppe gebundene Erntekrone. Letztlich habe das ganze Dorf daran mitgewirkt. „Im Rahmen unserer «Ich.Du.Wir.Fürs Land.»-Aktion habe die Gruppe Alt und Jung eingeladen, habe sich helfen lassen und das neue Wissen sogleich mit der Gemeinschaft geteilt.

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