22. November 2012·Gerechte Chancen·Ländlicher Raum

Prävention muss gesamtgesellschaftlich mehr Stellenwert bekommen!

Die Menschen in unserer Gesellschaft werden immer älter, sie haben eine höhere Lebenserwartung. Gleichzeitig besteht auf Grund des demografischen Wandels die Notwendigkeit, die Arbeitsfähigkeit der Menschen lange zu erhalten und älteren Menschen eine möglichst lange Phase der eigenständigen Lebensführung im Alter zu ermöglichen. Ziel einer umfassenden Prävention muss sein, die Eigenverantwortung des Einzelnen zu unterstützen und die Phase der aktiven und krankheitsfreien Zeit möglichst auszuweiten, zum Wohle des Einzelnen und der Gesellschaft. Dabei muss Prävention zu einer Querschnittsaufgabe werden, die deutlich über gesundheitspolitische Fragen hinaus geht. Prävention muss durch alle gesellschaftlichen Kräfte unterstützt werden und in allen Lebenswelten aufgegriffen werden. Das bedeutet, dass auch die Wirtschaft ihren Beitrag in der Arbeitswelt leisten muss. Ansätze für politisches Handeln gab es mehrfach: ob Präventionsgesetz oder Präventionsstrategie, in gesetzliche Maßnahmen mündeten bisher keine dieser Ansätze. Im Hinblick auf den demografischen Wandel und der damit verbundenen Gefahr, dass die Gesundheitskosten durch Zunahme der Volkskrankheiten und altersbedingten Krankheiten steigen werden, hält es der Deutsche LandFrauenverband für dringend notwendig, eine nationale Präventionsstrategie umfassend zu konzeptionieren und zeitnah zu implementieren. Der Deutsche LandFrauenverband sieht sich dabei als gesellschaftlichen Partner, der sich bereits auf allen Ebenen für Prävention, Bildung, Ernährung und Bewegung stark gemacht hat.

Davon ausgehend fordert der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv):

1. Eine Präventionsstrategie mit klaren Zuständigkeiten und gesicherter Finanzierungsgrundlage

Wir begrüßen, dass das Thema aktuell von politischer Seite aufgegriffen wird, halten es aber auch für dringend notwendig, dass endlich konkrete Beschlüsse im Deutschen Bundestag hierzu getroffen werden. Wir brauchen eine einheitliche, bundesweite Präventionsstrategie unter Berücksichtigung bereits erarbeiteter Grundlagen, wie beispielsweise den Nationalen Gesundheitszielen. Diese Präventionsstrategie muss als gleichwertige Säule in unserem Gesundheitssystem installiert werden. Dafür müssen finanzielle Mittel auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene bereitgestellt werden. Hierzu könnten beispielsweise die Überschüsse der Krankenkassen verwendet werden. Darüber hinaus sind die Ausgaben für Prävention pro Versicherten auf mindestens 7 Euro anzuheben. Neben der Finanzierung ist es zwingend erforderlich auch die Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen im Themengebiet zu klären.

2. Stellenwert von Kommunen als zentrale Lebenswelt für präventive Angebote anerkennen und durch Infrastruktur stärken

Eine vorhandene Infrastruktur fördert die Lebensqualität aller Altersgruppen in den Kommunen. Ob ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten zur Entlastung berufstätiger Eltern oder eine generationengerechte Infrastruktur: all dies trägt zum Wohlbefinden der Menschen bei. Vor dem Hintergrund des Demografischen Wandels sind Kommunen in Zukunft mehr gefordert, präventive und altersgerechte Konzepte umzusetzen. Dies schließt generationengerechte Mobilitätskonzepte und barrierefreie Zugänge zu den Angeboten der Daseinsvorsorge mit ein. Die Lebensqualität der Menschen vor Ort wird verbessert, die Kommunen erreichen zudem Einsparungen durch die Hinauszögerung der Inanspruchnahme von kostenintensiven Leistungen. Wir fordern hierfür die Vernetzung von Wirtschaft, Sozialpartnern, Politik, Verwaltung und Vereinen zu kommunalen Gesundheitspartnerschaften, um die notwendigen Rahmenbedingungen zur Erreichung einer kommunalen Präventionsstruktur im ländlichen Raum zu schaffen. Von Bundesebene aus kann die Auslobung eines wiederkehrenden Preises, „Präventionskommune des Jahres“ als Anreiz und Anerkennung für den Ausbau von neuen Ansätzen sinnvoll sein.

3. Prävention muss im frühkindlichen Bereich anfangen

Der Lebensstil wird früh geprägt. In der Kindheit spielt die Familie dabei eine zentrale Rolle. Kindergarten und Schule können Eltern dabei unterstützen und gerade frühzeitig gesundheitsbewusstes Verhalten beeinflussen. Der Deutsche LandFrauenverband setzt sich seit Jahren für die Einführung eines Unterrichtsfaches zur Vermittlung von Alltagskompetenzen einschließlich Ernährungsbildung ein und spricht sich für die Integration gesundheitsbewussten Verhaltens als Bestandteil der Rahmenpläne in Kindergarten und Schule aus. Grundvoraussetzung hierfür ist die Verbesserung der personellen Ausstattung in Kindergarten und Schule. Studien zeigen, dass gerade Eltern in der frühen Phase der Elternschaft ansprechbar sind für gesundheitliche Themen. Deshalb fordern wir, Präventionsrahmenpläne in Kindergarten und Schule verbindlich einzuführen und die Eltern durch konkrete Angebote einzubinden. Vielversprechend ist dabei der Ausbau der Kindertagesstätten zu Familienzentren. Unerlässlich ist hierfür die Entwicklung eines Fortbildungskonzeptes zur gesundheitlichen Prävention für die Fachkräfte in Erziehung und Bildung. Die bisherigen kindlichen Früherkennungsuntersuchungen sind zudem als Präventionsuntersuchungen gesetzlich neu zu definieren.

4. Geschlechtsspezifische Herausforderungen in der Präventionsstrategie berücksichtigen

Männer und Frauen tragen unterschiedliche Gesundheitsrisiken und sprechen unterschiedlich auf Präventionsangebote an. Dies muss durch Studien herausgearbeitet werden und bei der Erstellung von Präventionskonzepten berücksichtigt werden. Wichtig ist dabei, geschlechtsspezifische Belastungen in den verschiedenen Lebensabschnitten wahrzunehmen und hieraus Konsequenzen abzuleiten. Fachkräfte in Gesundheits- und Pflegeberufen müssen im Themenfeld fortgebildet und Konzepte zur geschlechtsspezifischen Ansprache zur Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen entwickelt werden. Das Wissen über geschlechtsspezifische Wirkungen von Therapien und Medikamenten ist auszubauen und Präventionsansätze sind hieraus abzuleiten.

5. Gesellschaftliche Teilhabe als Baustein zur Prävention nachhaltig unterstützen

Gesellschaftliche Teilhabe und der Zugang zur Gemeinschaft stärken das körperliche und geistige Wohlbefinden der Menschen. Gesellschaftliche Teilhabe bedeutet nicht nur die Ausübung eines eigenen, ehrenamtlichen Engagements, sondern auch die Teilnahme an Freizeitaktivitäten und die Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden. Damit kommt den Vereinen eine wichtige Funktion im gesamtgesellschaftlichen Präventionskonzept zu. Sie haben den Zugang zu den Menschen vor Ort und vermitteln mit ihren Angeboten, dass Prävention gut tut. Mit Blick auf die soziale Infrastruktur in den ländlichen Räumen, leisten Verbände mit ihren Angeboten vor Ort einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe älterer Menschen. Die Anerkennung der Vereine und Verbände als Anbieter konkreter Präventionsarbeit muss daher erfolgen. Niedrigschwellige Angebote vor Ort dürfen nicht an bürokratischen Hürden scheitern und benötigen für ihre Arbeit eine nachhaltige, finanzielle Grundlage, um die gesamtgesellschaftliche Umsetzung von Prävention in allen Lebensbereichen zu erreichen.

Vom Präsidium des dlv am 19.11.2012 beschlossen.

Nach obenZurück zur Übersicht