07. Februar 2020·LandFrauen und Landwirtschaft

Neue LandFrauen-Studie: Frauen in der Landwirtschaft endlich in den Blick nehmen

In Ingelheim hat Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner an einem Workshop der LandFrauen-Studie teilgenommen.

Im Rahmen der neuen LandFrauen-Studie über die Situation von Frauen auf den Höfen diskutiert Bundesministerin Klöckner mit Frauen in Ingelheim über ihre aktuelle Situation und Zukunftsperspektiven auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Ingelheim, 07.02.2020 – Prominenter Besuch gestern bei den LandFrauen in Rheinhessen: Im Rahmen eines regionalen Workshops tauschen sich zwölf Frauen mit Bundesministerin Julia Klöckner über ihre spezifischen Herausforderungen auf den Höfen aus. Die Veranstaltung ist Teil der aktuell laufenden bundesweiten Studie zur Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft, die vom Deutschen LandFrauenverband (dlv) initiiert und gemeinsam mit dem Thünen-Institut und der Universität Göttingen im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) realisiert wird.

Viele Themen bewegen die Teilnehmerinnen aktuell: Die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland und die Frage, wer ihren Hof einmal übernehmen wird, die Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft sowie die hohe Arbeitsbelastung auf den Betrieben aber auch die Sorge über eine existenzsichernde Versorgung im Alter. In der Diskussion mit Bundesministerin Klöckner wird deutlich, dass die Sorgen der Frauen in Rheinhessen auch deutschlandweit gelten. Sie wünschen sich besonders, dass ihre bedeutende Rolle auf den landwirtschaftlichen Betrieben sichtbarer wird und durch eine besser auf ihre spezifischen Anliegen ausgerichtete Agrarpolitik mehr Wertschätzung und finanzielle Unterstützung erfährt.

Das Projekt „Die Lebenssituation von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in ländlichen Regionen Deutschlands — eine sozio-ökonomische Analyse“ wird hierzu wertvolle Erkenntnisse liefern. Bundesweit finden in diesem Rahmen aktuell 12 weitere Workshops sowie zahlreiche Einzelinterviews statt. Deren Ergebnisse fließen in eine groß angelegte Online-Befragung ein, welche noch dieses Jahr starten wird.

„Die Studie war längst überfällig. Wir freuen uns, dass wir sie jetzt gemeinsam auf den Weg gebracht haben", sagt dlv-Präsidentin Petra Bentkämper. „Wir wissen viel zu wenig über die aktuelle sozio-ökonomische Situation der Frauen auf den Höfen. Deshalb freuen wir uns, dass dieses Thema endlich die notwendige Aufmerksamkeit erfährt und erwarten wichtige Impulse, um die Interessen der Frauen in der Landwirtschaft angemessen fördern und vertreten zu können.“

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner: „Ohne Frauen ist kein Land zu machen. LandFrauen halten nicht nur ihre Betriebe und Familie am Laufen, sondern mit viel Herz und großem ehrenamtlichen Engagement ganze Dörfer. Doch wie sich ihre finanzielle Situation darstellt, welche Sorgen und Erwartungen sie an das Leben in den ländlichen Räumen haben — dazu fehlen belastbare Zahlen, Daten, Fakten. Umso wichtiger, dass das mit der breit angelegten LandFrauen-Studie nun wissenschaftlich erfasst wird. Das fördern wir. Es geht um Perspektiven, die über das Ehrenamt hinausgehen. Um qualifizierte Arbeitsmöglichkeiten, um die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier wollen wir zielgerichtet unterstützen, dazu muss die Ausgangslage klar sein.“

Warum ist die Studie aus Sicht der Wissenschaft so wichtig? Dazu Prof. Dr. Claudia Neu (Uni Göttingen): „Die Bedeutung der Frauen für die Landwirtschaft und den sozialen Zusammenhalt in ländlichen Räumen wird vielfach unterschätzt. Die Aufgaben sind vielfältig: „Neben“ dem Management des Haushalts und der Erziehung der Kinder oder auch Pflege der (Schwieger-) Eltern arbeiten viele auf dem Betrieb. Nicht wenige haben zudem eine Erwerbstätigkeit außerhalb der Landwirtschaft und engagieren sich auch in der Freiwilligenarbeit.“ Ihre Kollegin Prof. Dr. Hiltrud Nieberg vom Thünen-Institut in Braunschweig ergänzt: „Trotz der großen Bedeutung der Frauen für die deutsche Landwirtschaft gibt es keine aktuelle bundesweite Studie, die sich mit dieser Thematik befasst. Auch aus der Agrarstatistik lässt sich kein wirkliches Bild über die tatsächliche Lebens- und Arbeitssituation sowie die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft ableiten. Ziel der bundesweiten LandFrauen-Studie ist es, die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben wissenschaftlich zu erheben.“

In einer Abschlussrunde zeigten sich die Teilnehmerinnen zufrieden mit der heutigen Veranstaltung. Nadja Stritter, Gastgeberin der heutigen Veranstaltung aus Ingelheim, sagte: „Durch den Austausch mit anderen Frauen, egal ob jung oder alt, habe ich gemerkt, wir Frauen auf den Höfen sind nicht alleine. Auch andere bewegen ähnliche Themen.“

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