Zukunft Ehrenamt

Vorstandsfrauen stellen die Vereinbarkeitsfrage

Die flächendeckende Arbeit der LandFrauen wird von ehrenamtlichen Vorständen geleistet. Rund 50.000 Vorstandsfrauen organisieren das Vereinsleben und übernehmen Verantwortung – aus tiefer innerer Überzeugung und aus langer Tradition. Daraus schöpft das Vereinsleben. Damit das auch künftig so bleibt, brauchen ehrenamtliche Vorstände Unterstützung und Anerkennung.

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dlv-Präsidentin Brigitte Scherb: Wir müssen die Vorstandsarbeit professionalisieren. Dabei brauchen wir die Unterstützung der Gesellschaft.

Ehrenamt stellt Ehre und Anerkennung in Aussicht, hat aber tatsächlich viel mit Verantwortung zu tun. Viele LandFrauen haben ein tiefes Bedürfnis, sich zu engagieren, etwas zu bewegen, anderen zu helfen. Manche scheuen aber davor zurück, Verantwortung für den Verein zu übernehmen. Denn wer einer ehrenamtlichen Organisation vorsteht, muss wie bei jeder anderen Führungsfunktion auch Konflikte aushalten können, Positionen verteidigen und Interessen durchsetzen. Frauen wägen sehr genau ab, ob sie sich ein Ehrenamt „antun“ oder „leisten“ können, also genügend verfügbare Zeit und starke Nerven haben. Aufgrund der Vielfachbelastung insbesondere von aktiven Frauen fällt diese Prüfung oft negativ aus.

Was hier not tut, ist ein breiter gesellschaftlicher Diskurs, welchen Platz die Gesellschaft dem ehrenamtlichen Engagement künftig zuweist: Lückenbüßer zu sein für wegbrechende Infrastruktur oder willkommene Bereicherung für hohe Lebensqualität im Zusammenspiel der Akteure.

Der Deutsche LandFrauenverband fordert, dass ehrenamtlich Tätige für den Mehrwert, den sie für die Zivilgesellschaft leisten, angemessen entschädigt werden sollen. Erstattungen für Fahrtkosten oder Arbeitsausfälle sind kein Geschenk, sondern ein Gebot der Fairness gegenüber allen, die Freizeit, Arbeitskraft oder Wissen unentgeltlich zur Verfügung stellen. Ehrenamtliche Arbeit kann und darf darüber hinaus reguläre Beschäftigung nicht ersetzen. Es ist ebenso kein guter Weg, anderswo wegbrechende Dienstleistungen über Vereinsstrukturen abzuwickeln. Führungsfunktionen auf Bundesebene verlangen ständige Verfügbarkeit für den Verband und ähneln damit beruflicher Vollzeittätigkeit. Wer diese für eine gewisse Zeit übernimmt, braucht Rückkehrgarantien in die Erwerbsarbeit, möglichst ohne Karriereeinbußen.

Der Deutsche LandFrauenverband fordert auch, dass ehrenamtliche Vorstände praktische Unterstützung erhalten insbesondere bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Sachthemen, aber auch bei der Verbandsorganisation. Regionale Unterstützungsbüros, unentgeltlich bereitgestelltes Know-how von staatlichen Institutionen oder Qualifizierungsprogramme für potenzielle Führungskräfte sind nur einige von vielen Möglichkeiten, die ehrenamtliche Vereinsstrukturen erhalten würden.

Jede Form der Unterstützung für das ehrenamtliche Management ist eine Investition in die Zukunft, die sich insbesondere dann lohnt, wenn Gesellschafts- und Vereinsinteressen zusammengehen und so Synergien entstehen. 


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LandFrauen fordern geeignete Rahmenbedingungen, um Familie, Beruf und ehrenamtliches Engagement besser vereinbaren zu können.