Ländlicher Raum

Mobilitätsförderpolitik sichert gesellschaftliche Teilhabe

Vom Grad der individuellen Mobilitätsmöglichkeiten hängen unmittelbar die Chancen für gesellschaftliche Teilhabe ab. Deshalb ist eine ländliche Mobilitätsförderpolitik mit einem entsprechenden Rechts- und Finanzrahmen notwendig.

Gleise nah, Weichenstellung für die Weiterfahrt

© Kurt Michel/pixelio

Mobilitätsfragen sind Zukunftsfragen im ländlichen Raum. Vom Grad der individuellen Mobilitätsmöglichkeiten hängen unmittelbar die Chancen für gesellschaftliche Teilhabe ab. Frauen und Männer sind auf unterschiedliche Weise mobil. Männer haben oft längere Pendelwege, um zu ihrer Arbeit zu kommen. Frauen legen generell komplexere Wegeketten zurück, da sie häufiger Begleitwege für die Familie leisten. Ob Schulwege, Versorgungswege oder der Weg zum Arzt: Dies bleibt gerade im ländlichen Raum mehrheitlich in der Verantwortung der Frauen. Zudem steigt der Anteil berufstätiger Frauen, deren Wege aber bereits vielschichtig komplex sind. Verstärkt wird diese Herausforderung durch den Abbau des öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum, das Schließen von Schulstandorten oder die Ausdünnung von Infrastruktur und Versorgung. Ziel zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte muss die Absicherung der Mobilitätsbedürfnisse verschiedener Zielgruppen im ländlichen Raum sein. Dabei sind geschlechtergerechte Mobilitätskonzepte, eine weitestgehend elternunabhängige Mobilität von Kindern und Jugendlichen sowie eine möglichst eigenständige Lebensführung älterer Menschen zu erreichen.

Die Menschen im ländlichen Raum haben ein Recht auf Teilhabe und Zugang zu Bildung, Versorgung und sozialer Infrastruktur. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Ausdünnen der Infrastruktur und den zunehmenden Anforderungen für Familien bei der Gestaltung des täglichen Lebens. Da, wo es kurzfristig kostengünstig erscheint den Schulstandort zu schließen, muss gegebenenfalls mit höherem Aufwand der Schülerverkehr betrieben oder aber von den Familien kompensiert werden. Dies steht im Gegensatz zu einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Politik. Der Deutsche LandFrauenverband erteilt solchen vermeintlich kurzfristigen Einsparungen eine Absage und verlangt ein langfristig konzeptionelles und vernetztes Denken für alle Fragen der Daseinsvorsorge. Die Organisation des Alltags muss für Familien im ländlichen Raum auch in Zukunft gestaltbar sein. Frauen im ländlichen Raum dürfen nicht zum Notnagel für wegbrechende Mobilitäts- und Infrastrukturentscheidungen der Politik werden: Letztlich ist dies in Zeiten des Fachkräftemangels volkswirtschaftlich zu kurz gedacht. 

Fazit:

  • Mobilität ist Daseinsvorsorge und muss den Menschen im ländlichen Raum auf Grundlage des Prinzips der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland zur Verfügung stehen.
  • Es braucht genderdifferenzierte Erhebungen zum Mobilitätsverhalten und zu Mobilitätsbedürfnissen sowie entsprechende Finanzmittel hierfür. 
  • Für den Ausbau innovativer und lokal angepasster Mobilitätskonzepte braucht es eine ländliche Mobilitätsförderpolitik mit einem entsprechenden Rechts- und Finanzrahmen.
  • Neben innovativen Mobilitätskonzepten müssen die individuellen Mobilitätsanlässe verringert und die Voraussetzungen dafür geschaffen werden: Rollende Nahversorgung, E-Government, Lehrkräfte- oder Ärztemobilität sind hierfür mögliche Ansätze.
  • Mobilitäts- und Infrastrukturfragen: Nachhaltig anpacken, statt kurzfristig einsparen!

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