Sitemap | Kontakt | Impressum | Schriftgröße  | helles Viereck mit grauem Rand normale Ansicht
SUCHE:

DLV Jahresbericht 2009

Impressionen vom Dt. LandFrauentag 2010

Nur ne Putze? – Dienstleistungsberuf erhält neues Image

LandFrauen in den Schulen

neu im landportal

Logo LandPortalMein liebstes Rezept

Deutscher LandwirtschaftsverlagElisabeth Thurn
80797 München

zum Produkt

Landfrauen online

Wilkommen im Internet:

LandFrauenverein Bad Schwartau

aus Schleswig-Holstein

19.06.2009 Professionalisierung der HausWirtschaft

Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) fordert die Professionalisierung des Berufsprofils „HausWirtschaft“.

Die HausWirtschaft hat sich in den letzten Jahren zu einem zukunftsorientierten Dienstleistungssektor mit zunehmenden professionellen Anforderungen entwickelt. Die Nachfrage nach personenbezogenen und haushaltsnahen Dienstleistungen ist nicht nur im öffentlichen Bereich, sondern auch im privaten Bereich ständig gestiegen – und wird auch in Zukunft steigen. Alle Tätigkeiten in hauswirtschaftlichen Berufen dienen der Versorgung und Betreuung von Menschen, sei es in landwirtschaftlichen Betrieben inkl. Direktvermarktung und anderen Dienstleistungen, Tagesstätten, Krankenhäusern, Kur- und Seniorenheimen oder Kindergärten und Schulen. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels werden zukünftig noch mehr hauswirtschaftlich qualifizierte Fach- und Führungskräfte benötigt, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen und Verantwortung zu übernehmen.

 

Vor diesem Hintergrund steht die HausWirtschaft vor der Herausforderung, die Anforderungen des Arbeitsmarktes an eine hohe berufliche Qualifizierung und an die Facharbeit im Segment der Dienstleistungen am Menschen zu erfüllen. Sie sieht sich gleichzeitig mit der Herausforderung konfrontiert, Personen mit Förderbedarfen eine hauswirtschaftliche Qualifizierung zu ermöglichen. Die HausWirtschaft ist von allen Berufs- und Wirtschaftsbereichen mit Abstand am stärksten in die Ausbildung von benachteiligten und behinderten Jugendlichen involviert (mehr als zwei Drittel aller Auszubildenden in der HausWirtschaft). Diese bedeutende gesellschaftliche Verantwortung, welche die HausWirtschaft durch die rehabilitative Funktion übernommen hat, muss jedoch auf den tatsächlichen Arbeitsmarktbedarf an Fach- und Führungskräften eingestellt werden.

 

 

Daher fordert der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv):

 

 

Der HausWirtschaft muss es gelingen durch eine Professionalisierung des Berufsprofils „HausWirtschaft“ die Attraktivität dieses modernen, abwechslungsreichen und zukunftsorientierten Berufes sowohl nach außen als auch nach innen zu transportieren. Hierfür gibt es verschiedene Ansatzpunkte:

 

 

Qualitätsoffensive

 

Notwendig ist eine bundesweite Standardisierung von Qualifikationsprofilen und Qualitätsanforderungen

 

  • zur Angleichung der unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten/unterschiedlichen Abschlüsse in den einzelnen Bundesländern,

  • zur Aufnahme einer hauswirtschaftlichen Ausbildung (Stichwort: Schulabschluss) bzw. Erreichung eines hauswirtschaftlichen Berufsabschlusses (Stichwort: Externenprüfung).

 

Gewinnung von Zielgruppen mit höheren/besseren allgemein bildenden Schulabschlüssen

 

Hauswirtschaftliche Berufe umfassen modernes Managementwissen. Dies muss sich auch in der Qualität der Ausbildung widerspiegeln. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, auch die Besten eines Jahrgangs beider Geschlechter für diese Ausbildung zu gewinnen. Der Anteil derjenigen, die eine hauswirtschaftliche Ausbildung ohne Schulabschluss beginnen, liegt derzeit bei 33 %. Dieser Anteil muss deutlich gesenkt werden. Andererseits muss der Anteil von Berufsanfängern mit höheren Schulabschlüssen unter den Auszubildenden erhöht werden.

 

 

Gewinnung von Ausbildungsbetrieben (Ausbildungsverbünde)

 

Es ist nicht nur ein Rückgang an höher qualifizierten Auszubildenden zu verzeichnen, sondern auch ein Rückgang der Ausbildungsbetriebe. Dies geht soweit, dass die duale Berufsausbildung in einigen Bundesländern nicht mehr stattfindet und auf die schulische Ausbildung verlagert wird. Hier sind auch landwirtschaftliche Betriebe als besonders vielseitige Ausbildungsstätten gefordert, mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Um Ausbildung sowohl in landwirtschaftlichen als auch in gewerblichen oder öffentlichen Betrieben wieder verstärkt zu ermöglichen bzw. zu erleichtern,

 

  • müssen sowohl die Ausbilderinnen als auch die Auszubildenden stärker durch Beratung und überbetriebliche Weiterbildung fachkompetent von den zuständigen Stellen unter­stützt und begleitet werden;

  • müssen die Ausbildungsbetriebe finanziell entlastet werden, z.B. durch gebührenfreie Anerkennung des Ausbildungsbetriebes und durch steuerliche Absetzbarkeit des Ausbildungsplatzes (vgl. Landwirtschaft);

  • müssen zuständige Stellen Betriebe darin unterstützen und stärken, Ausbildungsverbünde zu schließen, um gemeinsam Jugendliche auszubilden. Solche Kooperationen können sich schnell und flexibel auf sich ändernde Anforderungen einstellen. Durch die Beteiligung unterschiedlicher Betriebe bzw. verschiedener Professionen ist das hauswirtschaftliche Berufsbild breiter und attraktiver aufgestellt;

  • müssen Angebote zur Befähigung hauswirtschaftlicher Ausbildungskräfte im rehabilitativen Bereich geschaffen werden.

 

Hauswirtschaftliche Ausbildung von Menschen mit Förderbedarf

 

Die HausWirtschaft hat sich in den letzten Jahren zu einem Berufsbereich mit großer Bedeutung in der rehabilitativen Arbeit von Jugendlichen entwickelt. Dieser gesellschaftlichen Verantwortungen kann und will sich die HausWirtschaft nicht entziehen. Es ist jedoch nicht zu vertreten, dass ein einziger Berufsbereich die Hauptverantwortung für die Berufsausbildung junger benachteiligter und behinderter Menschen trägt. Hier sind vor allem die Agenturen für Arbeit und die Politik gefragt, Entlastung herbei zu führen. Dies kann geschehen durch:

 

  • stärkere Beteiligung der anderen Berufs- und Wirtschaftsbereiche an der Ausbildung benachteiligter und behinderter Jugendliche,

  • Ermöglichen einer wirklichen Berufswahlfreiheit, insbesondere für junge Frauen, d.h. die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter müssen die Auszubildenden breiter und vielfältiger beraten,

  • bundesweite Anwendung einheitlicher Verfahren und Standards zur Feststellung von Art und Schwere der Behinderung,

  • Einrichtung von Qualifizierungsregelungen speziell für Menschen mit Behinderungen, die sich an den individuellen Fähigkeiten dieser Personengruppe orientieren und ihnen bessere berufliche Entwicklungs- und Einsatzmöglichkeiten eröffnen.

 

Der Fachausschuss spricht sich dafür aus, eine klare und eindeutige Berufsbezeichnung für behinderte Menschen einzuführen, welche diese Gruppe gleichzeitig nicht diskriminiert, z.B. „Hauswirtschaftsassisstent/in“. Generell gilt, dass aus der Berufsbezeichnung die berufliche Qualifikation klar ersichtlich sein muss.

 

Stärkere Nutzung vorhandener Netzwerke in der HausWirtschaft

 

Um die Interessen der HausWirtschaft schlagkräftig zu vertreten, ihre Lobby zu stärken und ihre Wahrnehmung bei den politischen Entscheidungsträgern zu verbessern, müssen die hauswirtschaftlichen Verbände mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft an der Spitze und die in der HausWirtschaft Tätigen ihre Kräfte stärker bündeln. Gemeinsam könnten so beispielsweise Imagekampagnen und Aufklärung der Zuständigen in Arbeitsagenturen und Jobcentern durchgeführt werden, die der Profession „HausWirtschaft“ dienlich sind.

 

 

Für den dlv steckt in der HausWirtschaft ein ungeheures Zukunftspotential, insbesondere für die Entwicklung der ländlichen Räume. Denn gerade der Arbeitsmarkt im ländlichen Raum ist auf die Entwicklung neuer Dienstleistungen angewiesen, ob in Einkommenskombination oder als Katalysator neuer Arbeitsplätze. Hierfür ist eine Ausbildung im Bereich HausWirtschaft sowohl für Frauen als auch für Männer prädestiniert. Sie ist die ideale Grundlage für eine vielfältige berufliche Entwicklung, Weiterqualifizierung und berufliche Karriere. Um die Chancen der Hauswirtschaft für den ländlichen Raum vollständig zu entwickeln, muss das Lohnniveau vergleichbaren Branchen (z. B. Erwerbsgartenbau, Systemgastronomie oder Gebäudereinigerhandwerk) angeglichen werden.

 

 

 

vom Präsidium des dlv verabschiedet am 19.05.2009