02. Oktober 2014 Ländlicher Raum · Pressemeldungen

Zum Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe der Vereinten Nationen

Anlässlich des diesjährigen Erntedankfestes haben der Evangelischen Dienst auf dem Lande in der EKD (EDL), das Katholische Landvolk Deutschland (KLB), der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Deutschen LandFrauenverband (dlv) die Bedeutung einer von Bauernfamilien getragenen Landwirtschaft betont. Die Bauernfamilien sind eine tragende wirtschaftliche und gesellschaftliche Säule in lebendigen, vielfältigen Regionen. Mit ihren unternehmerischen Leistungen sind sie eine Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand des Landes. Am 7. Oktober 2014 erhält Bundespräsident Joachim Gauck die Erntekrone der deutschen Landwirtschaft.

Unter allen Agrarsystemen hat sich die familienbetriebene Landwirtschaft weltweit über Jahr-zehnte als überlegen erwiesen. Das System der familienbäuerlichen Landwirtschaft hat eine nachhaltige, über Generationen bestehende Tradition, die sich als stabil und gegenüber verändernden Bedingungen als überlegen konkurrenzfähig erwiesen hat. Sie wird damit auch zur Antwort auf die Globalisierung mit außerlandwirtschaftlichen Investoren, die sich mangels Anlagealternativen auf den Agrar- und Bodenmärkten, besonders außerhalb Europas, engagieren. Bäuerliche Familienunternehmen sind mit einem Anteil von 90 Prozent weltweit die vorherrschende Betriebsform einer nachhaltigen Erzeugung von Lebensmitteln.

Nach wie vor herrscht in Teilen der Welt Hunger, Unter- und Mangelernährung. Dabei lebt ein großer Teil der Hungernden auf dem Land, also dort, wo eigentlich Nahrungsmittel erzeugt werden. Ursachen sind ein Versagen der Politik in diesen Ländern wie auch eine unzureichende Effizienz der Landwirtschaft, unsichere Eigentums-, Nutzungs- und Verfügungsrechte der Bauernfamilien sowie mangelnde Infrastrukturen und unzureichende oder fehlende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Andererseits schwindet die Wertschätzung der Leistungen der Bauern und eines überreichen Angebotes an gesunden Nahrungsmitteln in den Ländern der nördlichen Halbkugel. Die beiden kirchlichen Organisationen und die beiden landwirtschaftlichen Verbände erwarten deshalb, dass das UN-Jahr dazu beiträgt, Politik und Öffentlichkeit eine nachhaltige und produktivere Landwirtschaft fördert, die überall auf der Welt ihre Bevölkerung ernähren kann.

Bäuerliche Familienbetriebe werden diese Verantwortung gerecht. Sie definieren sich nicht durch eine willkürlich festgelegte Größenordnung. Vielmehr nutzen sie das Land generationsübergreifend als Eigentum oder über langfristige Pachtverträge, tragen die Risiken und versuchen, mit ihrer Arbeit und Kapital die Chancen in den Märkten zu nutzen. Die freie Verfügung der Bauernfamilien über ihre Flächen, die Möglichkeiten von Bildung und der Entwicklung von Infrastrukturen sowie der Zugang zu den Märkten sind entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg der landwirtschaftlichen Betriebe. Sie haben die besten Zukunfts-perspektiven, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Doch gerade in den von Hunger und Unterernährung geprägten Ländern gibt es hierbei Defizite.

Bäuerliche Selbsthilfeorganisationen in Form von Erzeugergemeinschaften, Genossenschaften und Maschinenringen stellen deshalb die Basis für erfolgreiche bäuerliche Familien-unternehmen. Die Förderung von politisch wie wirtschaftlich unabhängigen bäuerlichen Selbsthilfeorganisationen wird damit zu einer Voraussetzung für eine leistungsfähige Landwirtschaft.

Die beiden kirchlichen Organisationen und der bäuerliche Berufsstand fordern deshalb eine Stärkung der landwirtschaftlichen Familienbetriebe weltweit und wieder mehr Aufmerksamkeit für die ländliche Entwicklung durch die Politik.

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