23. September 2013 · LandFrauen und Landwirtschaft

Schöpfung bewahren – verantwortungsvoll handeln

Gemeinsam Erntedankerklärung 2013 von
EDL – KLB – DBV – dlv

Erntedank am Ende des Landwirtschaftsjahres – im wiederkehrenden Kreislauf von Säen, Wachsen, und Ernten die Zeit des Aufatmens und der Freude: Es ist geschafft, wieder einmal. Und wieder einmal Anlass und Grund Gott dem Schöpfer und Erhalter allen Lebens zu danken.

Jedoch - in manchen Regionen Deutschlands mussten Bäuerinnen und Bauern ihre Höfe verlassen, ihre Tiere vor der Flut retten und ihre Flächen den Wassermassen übergeben. Vielerorts kam es zu Totalausfällen in der Ernte und erfordert unsere Solidarität mit den betroffenen Menschen und Landwirtinnen und Landwirten.

Die „Jahrhundertflut“, die sich schon nach so kurzer Zeit wiederholte, hat uns wieder einmal gelehrt: Wir dürfen die Ehrfurcht vor der Schöpfung Gottes nicht verlieren. Naturkatastrophen wie diese ermahnen uns, weiter den Weg der nachhaltigen Entwicklung zu gehen.

Doch die oft angemahnte Nachhaltigkeit darf nicht zu einer inhaltslosen Worthülse verkommen, sondern muss immer wieder auf ihre zentrale Botschaft hin überprüft werden: Es geht darum unsere Erde und die Umwelt zu bewahren, damit auch künftige Generationen leben können. Im Klimawandel sind Voraussicht und das selbstkritische Erkennen, was wir zukünftig besser machen müssen, bei diesem Prozess von zentraler Bedeutung. Daran misst sich auch die deutsche Landwirtschaft.

Mit der Bewahrung der Natur bewahren wir zugleich unsere Lebensgrundlagen und sichern die weiteren Nachhaltigkeitsziele. Schon vor 300 Jahren prägte Hans Carl von Carlowitz den Begriff der Nachhaltigkeit. Wenn das Naturkapital aufgebraucht ist, ist nichts mehr da, wovon Menschen leben können.

Für die Bäuerinnen und Bauern ist die Natur zugleich auch wirtschaftliche Grundlage. Sie wissen, dass sie nur den Ertrag, nicht den Bestand nutzen dürfen, sonst bleibt nichts mehr für kommende Generationen.

Nachhaltige Landwirtschaft weltweit

Umwelt, Naturschutz sowie vorsorgender Verbraucherschutz sind wichtige und wertvolle Güter, ebenso eine ausreichende Verfügbarkeit von Lebensmitteln. Das wird angesichts der knapp eine Milliarde Menschen weltweit, die nicht genug zu essen haben, mehr als deutlich. Laut Welternährungsorganisation müssen bis zum Jahr 2050 doppelt so viele Nahrungsmittel produziert werden, um die wachsende Weltbevölkerung versorgen zu können. Dies geht nur mit einer innovativen, an agrarwissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse orientierten Landwirtschaft, in der die Bauernfamilien die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen können. Eine nachhaltige Landwirtschaft kann die Herausforderung der Hungerbekämpfung weltweit meistern. Sie kann darüber hinaus einen Beitrag zur Versorgung mit Wärme, Strom und Werkstoffen sowie zur Mobilität leisten. Hierfür bedarf es jedoch der Stärkung des ländlichen Raums, der Landwirtschaft und der Produktion vor Ort – in den Entwicklungsländern und auch bei uns. In den Ländern des Mangels muss die Förderung einer effektiven bäuerlichen Landwirtschaft und die Infrastrukturentwicklung auf dem Land oberste politische Zielsetzung sein.

Nachhaltigkeitsstrategien für die ländliche Entwicklung

Dank moderner Erntetechniken und einer ausgereiften Logistik konnten die Ernteverluste in den Industriestaaten heute auf ein Minimum verringert werden. Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher ihr gedankenloses Wegwerfverhalten verändern, könnten die Ressourcen in mehr Wertschöpfung und damit auch in mehr ländliche Entwicklung fließen.

Für junge Menschen birgt die moderne und nachhaltige Landwirtschaft als Zukunftsbranche gute berufliche Perspektiven. Als Hofnachfolgerinnen und -nachfolger genauso wie als qualifizierte Führungs- oder Fachkraft tragen sie entscheidend zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stärkung des ländlichen Raums bei. Für eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes wird auch die Chancengerechtigkeit zwischen Frauen und Männern, zwischen Jung und Alt zu einer wichtigen Herausforderung. Sie zu nutzen ist nicht nur sozial, sondern ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft. Ziel muss es sein, in Stadt und Land vergleichbare Entwicklungs- und Lebensbedingungen zu erhalten. Dann haben Dörfer und ländliche Regionen Zukunft gerade in einer globalisierten Welt.

Nachhaltig bei Produktion, Verarbeitung und Verkauf

Nachhaltiges Wirtschaften gilt für alle Betriebsformen und -größen. Eigentum verpflichtet. Dies gilt für den Erhalt und die Pflege der Flächen ebenso wie für die Wahrung der Biodiversität und die Sicherung der Wasserressourcen. Für nachhaltiges Wirtschaften in der Landwirtschaft müssen aber auch tragfähige Grundlagen geschaffen werden. Die gestiegenen Ansprüche der Gesellschaft an Tier- und Umweltschutz sowie an die Lebensmittelsicherheit werden auch von den heimischen Bauernfamilien geteilt. Nur dürfen sie diese nicht im Wettbewerb benachteiligen. Lebensmittelmärkte sind heute weltoffene globale Märkte. Alle in der Wertschöpfungskette, auch der Lebensmitteleinzelhandel und die Verbraucher stehen in der Verantwortung, dürfen die Lasten nicht allein auf die Landwirte abwälzen. Niedrigpreisstrategien müssen bei Lebensmitteln der Vergangenheit angehören. Zu Recht bleibt in Deutschland der Verkauf von Lebensmitteln unter Einstandspreis weiterhin verboten.

Verantwortlich denken und handeln – nachhaltig konsumieren

Im Rahmen der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung sind viele Fortschritte erzielt worden, um nachhaltiges Denken und Handeln zu vermitteln. Dabei zeigt sich, dass nur im praktischen Umgang und mit dem Wissen über die Produktion und Herkunft Wertschätzung erreicht werden kann. Die Vermittlung von Alltagskompetenzen muss auch in der schulischen Bildung als Unterrichtsfach verankert werden. Nur so können sich junge Menschen auf ihren ganz eigenen, persönlichen Weg zu einem nachhaltigen Lebensstil machen. Verbraucherinnen und Verbraucher dürfen eine sachliche und unverfälschte Verbraucherinformation erwarten, wie auch qualitativ hochwertige Lebensmittel zu bezahlbaren Preisen. Die Herausforderung besteht darin, einen möglichst geringen Ressourcenverbrauch bei gleichzeitig hoher Wertschöpfung zu erreichen.

Ein Wort der Ermutigung gilt bei dem diesjährigen Erntedank all jenen, die engagiert den Gedanken der Nachhaltigkeit durch ihren persönlichen Lebensstil und ihre Arbeit in der Praxis umsetzen.

Dank gebührt aber besonders unserem Schöpfer, der uns das Land, Natur und Kreatur anvertraut hat mit Sonne, Boden, Wasser, Luft, Tieren und Pflanzen. Wenn wir dieser Verantwortung gerecht werden und die Landwirtschaft diese Verantwortung weiterhin trägt und lebt, werden „nicht aufhören Saat und Ernte“ (Gen 8,22).

Hier finden Sie die Erklärung als PDF.

 

 

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