29. Mai 2015 Gerechte Chancen · Pressemeldungen

Pflege der Zukunft: Jetzt Handeln!

Der Demografische Wandel und der veränderte Altersaufbau unserer Gesellschaft bedeuten einen zunehmenden Personenkreis, der in Zukunft pflegebedürftig wird und wenige Menschen, die für die Pflege zur Verfügung stehen. Aktuell werden die pflegebedürftigen Menschen in Deutschland mehr-heitlich in häuslicher Pflege betreut. Gleichzeitig steigt die Erwerbstätigenquote der Frauen, Familien leben nicht immer am gleichen Wohnort wie die Pflegebedürftigen. Der Deutsche LandFrauenverband sieht diese Herausforderungen bei der Bewältigung der Pflege in unserer Gesellschaft und fordert diese im Interesse der Pflegebedürftigen, Angehörigen und Fachkräfte zeitnah anzupacken. Der Deutsche LandFrauenverband anerkennt die bisherigen Bemühungen der Bundesregierung und begrüßt insbesondere das bereits eingeführte Erste Pflegestärkungsgesetz und die Verbesserungen bei der Familienpflegezeit. Darüber hinaus sieht der Deutsche LandFrauenverband folgenden Handlungsbedarf:

 

Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs

Demenzkranke sind bisher nicht in den Pflegestufen ausreichend berücksichtigt, da der Fokus bisher auf körperliche Einschränkungen liegt. Zudem ist der Pflegealltag durch die sogenannte Minutenpflege geprägt und weniger durch die Bedarfe der älteren Menschen. Der Deutsche LandFrauenverband fordert daher die

  1. Anerkennung und Berücksichtigung von geistigen und psychischen Beeinträchtigungen in den Pflegestufen
  2. Gesetzliche Umsetzung der Vorschläge des Beirates zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeits-begriffes und Einführung der fünf Bedarfsgrade in dieser Legislaturperiode
  3. Schaffung einer Finanzgrundlage für diesen neu definierten Pflegebedürftigkeitsbegriff durch die Politik und Sicherstellung eines Bestandsschutz für die Pflegebedürftigen

 

Pflegeberufe aufwerten und im Arbeitsalltag entlasten

Bundesweit unterscheiden sich die Einkommen erheblich. Zudem werden Frauen und Männer auch in der Pflege unterschiedlich entlohnt. Die Verantwortung und Herausforderung im Pflegeberuf wird hierbei nicht deutlich. Gleichzeitig steigt der Fachkräftebedarf in der Pflege kontinuierlich an. Aus Sicht des dlv besteht vor allem folgender Handlungsbedarf:

  1. Einlösung des Versprechens im Koalitionsvertrages: „Ziel muss sein, unter anderem die Arbeit in der Pflege, Betreuung und frühkindlicher Bildung aufzuwerten
  2. “Absicherung des zu erwartenden Fachkräftebedarfs durch gezielte Maßnahmen
  3. Abschaffung des Schulgeldes an Altenpflegeschulen
  4. Entlastung der Pflegekräfte durch:
  • einen angemessenen Personalschlüssel, der in allen Bundesländern einheitlich ist
  • den Abbau der Pflegebürokratie: Weniger Dokumentation schafft Ressourcen für die menschliche Zuwendung in der Pflege
  • mehr Einsatz von hauswirtschaftlichen Fachkräften und Anerkennung dieser als Fachkräfte im Sinne der Fachkräftequote

 

Pflege in die Mitte unserer Gesellschaft rücken

Im Rahmen der häuslichen Pflege betreuen statistisch insbesondere Frauen ältere Menschen. Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen und der Zunahme der Vereinbarkeitsprobleme von Arbeit und Pflege hält der Deutsche LandFrauenverband einen Diskurs über Pflege in unserer Gesellschaft für dringend erforderlich. Konkret fordert der dlv:

  1. Anstoßen einer gesellschaftlichen Debatte zum Wert der Pflege in unserer Gesellschaft unter Einbindung von Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik
  2. Entlastung und bessere soziale Absicherung pflegender Angehöriger
  3. Verbesserung der Anrechnung von Pflegezeiten in der Rentenversicherung
  4. Ansprache, stärkere Beteiligung und Sichtbarmachen von Männern am Pflegeprozess
  5. Angleichen der Leistungen im ambulanten und stationären Bereich
  6. Bekanntmachen der Möglichkeiten eines Bundesfreiwilligendienstes in der Pflege

 

Maßnahmen zur Unterstützung der Pflege im ländlichen Raum

Die Pflege eines Angehörigen im ländlichen Raum darf nicht an den Voraussetzungen scheitern, weil Pflegedienste oder Beratungsstellen fehlen. Ältere Menschen haben ein Recht auf einen wohnortnahen Pflegeplatz. Der Deutsche LandFrauenverband weist auf die besonderen Herausforderungen im ländlichen Raum hin und fordert insbesondere:

  1. Anerkennung des erhöhten Fahraufwandes von Pflegediensten im ländlichen Raum durch Anhebung der WegegebührenRegelmäßige Anpassung der Pflegevergütungen an steigende Personal- und Sachkosten
  2. Initiierung von Modellprojekten und Multiplikation von guter Praxis in den Bereichen: Altersgerechtes Wohnen, nachbarschaftliche Arrangements, Mehrgenerationenhäuser, Pflegekonzepte sowie Pflegeberatung im ländlichen Raum
  3. Aufbau von Netzwerken und Schaffung von flächendeckenden Beratungsstellen im ländlichen Raum zu allen Fragen der Pflege und Pflegeorganisation
  4. Flächendeckende Angebote an Pflegekursen für Angehörige und ehrenamtlich Engagierte

 

Vom Präsidium des dlv verabschiedet am 30.04.2015

 

 

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