28. Januar 2014 Gerechte Chancen

„Nix für Mädchen“ - Medien pflegen verstaubte Berufsbilder

(v. l. n. r.) Diskutieren über Berufe und die immer gleichen Rollenbilder: Angelika Puhlmann (BiBB), Christina Völkers (Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade), Petra Schwarz (Moderatorin), Heidi Kluth (UFH) und Brigitte Scherb (dlv) Foto: © Frank Donati / dlv

Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) präsentiert gemeinsam mit dem Bundesverband Unternehmerfrauen im Handwerk e. V. (UFH) die Studie „Mädchenbilder – Handwerksrollen: Images und geschlechtergerechte Ansprache in ländlichen Räumen“ auf der IGW. Sie untersucht in drei ländlichen Regionen die mediale Darstellung von handwerklichen und landwirtschaftlichen Ausbildungsberufen. Die Ergebnisse zeigen, dass traditionelle Bilder dominieren. So werden häufig Frauen und Männer bei Tätigkeiten gezeigt, die für das betreffende Geschlecht noch immer als typisch gelten.

Der dlv spricht sich daher dafür aus, Betriebe im ländlichen Raum über Möglichkeiten einer gendersensiblen Berufsdarstellung zu informieren. Wichtig ist, dass Bilder von landwirtschaftlichen und handwerklichen Berufen Frauen und Männer bei den gleichen Tätigkeiten zeigen und dass diese Bilder Selbstverständlichkeit und Normalität ausstrahlen.

„Der dlv setzt sich mit seinem Pilotprojekt ‚Qualifizierung von Equal-Pay-Beraterinnen’ dafür ein, die üblichen Rollen von Mann und Frau in der Berufswelt aufzubrechen“, erklärt Brigitte Scherb, Präsidentin des dlv. „Die Beraterinnen sollen Frauen und Männer dafür sensibilisieren, wie sich Rollenbilder auf die Berufswahl auswirken. Und natürlich gilt das auch für die Partnerschaft. Wer verdient, wer kommt im Beruf voran, wer bleibt wie lange zu Hause? Oft werden die Konsequenzen der Entscheidung für den weiteren Berufs- und Lebensweg unterschätzt. Darauf wollen wir die Paare aufmerksam machen. Frauen müssen heute wissen, welche Risiken Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitarbeit, insbesondere Minijobs mit sich bringen, wenn sie später ihre Existenz und ihre Alterssicherung selbständig bestreiten wollen oder müssen.“

Die Studie wird im Rahmen des Projekts „Qualifizierung von Equal-Pay-Beraterinnen“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert und vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sowie des Bundesverbandes Unternehmerfrauen im Handwerk e.V. (UFH) unterstützt.

Die Studie zeigt, dass es zum Beispiel in der Region Lüneburg gut gelungen ist, mit alten Rollenbildern aufzuräumen. Die Koordinierungsstelle zur Frauenförderung im Handwerk mit ihrem Projekt zur Mädchenförderung in handwerklichen Berufen wirkt sich positiv aus. So werden häufig Menschen bei der Berufsausübung gezeigt, ohne Stereotype zu bedienen.

Die Studie können Sie beim dlv unter info[at]landfrauen.info anfordern.

Ergebnisse der Podiumsdiskussion „Mädchenbilder – Handwerksrollen“

Anlässlich der Vorstellung der Studie fand auf der Internationalen Grünen Woche am 21.01. 2014 eine Podiumsdiskussion statt.

Heidi Kluth, die Vorsitzende des UFH, konstatiert, dass sich das Handwerk in der Darstellung von Berufsbildern – wenngleich langsam – von stereotypen Rollenbildern wegbewegt. „Eine Willkommenskultur für Frauen im Handwerk“ würde zudem mehr Frauen für das Handwerk gewinnen können.

Christina Völkers von der Koordinierungsstelle für Frauenförderung der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade betont die positive Ausstrahlung von Berufsbildern, die Frauen im Handwerk abbilden, die erfolgreich ihren Weg auch hin zur Unternehmerin gemeistert haben.

Angelika Puhlmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) fordert Unternehmen auf, ein größeres und auch expliziteres Angebot an Frauen zu richten, um sie für „Männerberufe“ zu gewinnen. In den Angeboten zur Berufsorientierung sei es wichtig, Talente und Interessen zu unterstützen, aber auch wichtige Themen für das Leben aufzunehmen wie beispielsweise die angemessene Bezahlung von Arbeit sowie deren Einforderung. Zudem gilt es, das Wertempfinden von Frauen für ihre Fähigkeiten und Leistungen zu steigern.

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