22. Januar 2013 · Gerechte Chancen · LandFrauen und Landwirtschaft

Mit Innovation und Produktivitätssteigerung die Welternährung sichern

„Die Welt ernähren – Jahrhundertaufgabe mit neuen Herausforderungen für die Landwirtschaft“ – unter diesem Thema stand das diesjährige BäuerinnenForum, zu dem der Deutsche LandFrauenverband traditionell am ersten Samstag der Internationalen Grünen Woche eingeladen hat.

Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums auf 9 Mrd. Menschen bis 2050, der immer knapper werdenden Ressourcen, der steigenden Energiekosten, des Klimawandels und der zunehmenden Produktion von Nichtnahrungsgütern auf Ackerflächen wird es zunehmend schwieriger für die weltweite Landwirtschaft, ausreichend Nahrungsmittel zu bezahlbaren Preisen und nachhaltig zu produzieren. So lautete eine zentrale Erkenntnis der Tagung, zu der rund 240 Bäuerinnen und Gäste aus ganz Deutschland angereist waren.

Bäuerinnen tragen in vielen Entwicklungsländern die Hauptlast der Arbeit in der Landwirtschaft, verfügen jedoch kaum über Rechte, Bildung und die notwendigen Produktionsmittel. Dies stellte die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes Brigitte Scherb in ihrer Begrüßungsrede dar. Der Schulterschluss mit Bäuerinnen weltweit sei dem Deutschen LandFrauenverband ein wichtiges Anliegen, so Scherb.

Prof. Dr. Dr. Harald von Witzke von der Humboldt-Universität Berlin zeigte in seinem Beitrag, dass „die landwirtschaftliche Tretmühle“ – langfristig sinkende Preistrends auf den Weltagrarmärkten, stetiges Produktivitätswachstum und Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen – beendet ist. Langfristig zeichneten sich steigende Agrarpreise ab, die insbesondere auf die weltweit anhaltende Angebotslücke bei Nahrungsmitteln zurückzuführen seien, erklärte der Agrarökonom. Prof. Witzke mahnte an, dass sich die Agrarforschung wieder intensiver mit der Frage des Produktivitätsfortschritts in der Landwirtschaft auseinandersetzen und dafür Unterstützung erhalten müsse. Nicht nur die Landwirtschaft der Entwicklungs- und Schwellenländer, sondern vor allem auch Europa, das heute nur noch ein Produktivitätswachstum von 0,6 % vorzuweisen habe, müsse sich hier weiterentwickeln. Vor diesem Hintergrund kritisierte er den EU-Kommissionsvorschlag zum Greening und die Ausdehnung des Ökolandbaus.

Referent Dr. Stephan Krall von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sprach in seinen Ausführungen die zentrale Rolle der Kleinbauern für die weltweite Ernährungssicherung an. Sie stelle die größte und daher auch bedeutendste Gruppe dar, die mit entsprechender Bildung und Beratung in den Umbau der Landwirtschaft einbezogen werden müsse. Auch zielten die Projekte der GIZ wieder verstärkt auf die Reduzierung der Nachernteverluste. Dr. Krall begrüßte die Stärkung der Rolle der Landwirtschaft in der Entwicklungspolitik in den letzten zwei Jahren, bedauerte jedoch, dass die Fördersumme durch das Bundesentwicklungsministerium bei weitem noch nicht wieder auf dem vor Jahren erreichten Niveau sei. Vor dem Hintergrund der Flächennutzungskonkurrenz und des Ressourcenschutzes stelle der steigende Fleischkonsum vor allem in China und Brasilien ein Problem dar. Weiterhin sieht Dr. Krall in der anhaltenden Urbanisierung eine große Herausforderung in der Nahrungsmittelversorgung.

Der Agrarbeauftragte der Evangelischen Kirche Dr. Clemens Dirscherl regte mit seinen konsumkritischen Anmerkungen zum Nachdenken an. Die Agrarmarktpolitik solle stärker daraufhin ausgerichtet werden, dass die Vermarktungschancen der Kleinbauern verbessert werden, so Dirscherl. Die Produktion von „Feed, Food and Fuel“ bewertete er als „Tanz auf dem Vulkan“. Dem hielt Willi Kampmann vom Deutschen Bauernverband in der Podiumsdiskussion – Moderator war Focus-Korrespondent Olaf Opitz – entgegen, die Landwirtschaft könne beides – Teller und Tank. Kampmann stellte weiterhin die hohe Bedeutung einer gut organisierten Landwirtschaft, in Form von Selbstverwaltungen, Erzeugergemeinschaften und Maschinenringe in den Entwicklungsländern heraus.

Podiumsteilnehmerin Barbara Dieckmann, Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, machte deutlich, dass das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung angesichts der über 868 Mio. hungernden Menschen weltweit nicht tragbar sei. Dabei sei ihr durchaus auch bewusst, dass die Ernährungssicherung primär kein Verteilungs-, sondern ein Produktionsproblem sei. Neben dem Recht auf Nahrung forderte sie, dass die beschlossenen Freiwilligen Leitlinien zu Landnutzungsrechten nun auch eingehalten werden müssten. Sie lobte die Projekte der LandFrauen in der Entwicklungszusammenarbeit und deren Unterstützung bei dem Welthungerhilfe-Projekt in Mali.

Jutta Quoos, zweite Vizepräsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, beendete das BäuerinnenForum mit einem Schlusswort und verabschiedete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem Zitat von Albert Schweitzer: „Das wenige, das Du tun kannst, ist viel“.

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