15. Januar 2014 · LandFrauen und Landwirtschaft

Für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft, die in der Mitte der Gesellschaft verankert bleibt

Erwartungen der Gesellschaft und ihr Verständnis von landwirtschaftlicher Produktion

Landwirtschaftliche Produktionsprozesse geraten zunehmend ins Blickfeld der Gesellschaft, der Politik und der Medien. Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) begrüßt das gesteigerte Interesse an der Arbeit der Bäuerinnen und Bauern in Deutschland. Der Verband wertet dies als Anerkennung für die erbrachten Leistungen und sieht es als Chance für einen konstruktiven gesellschaftspolitischen Dialog. Die zunehmende Kritik und die wachsende Verunsicherung in der Verbraucherschaft sind alarmierende Entwicklungen, für die Antworten und die richtigen Lösungsansätze notwendig sind.

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher können sich Landwirtschaft nur schwer als zukunfts-, wettbewerbsorientiert und innovativ vorstellen. Denn immer weniger Menschen haben einen direkten Bezug zur Landwirtschaft. Diese wachsende Entfremdung ist für den gesamten bäuerlichen Berufsstand eine Herausforderung.

Die Erzeugung von Lebensmitteln ist nur im Einklang mit den Erwartungen der Gesellschaft möglich. Deshalb nimmt der dlv auch die Forderungen aus der Gesellschaft nach einer noch nachhaltigeren, tiergerechteren Produktion unter Einhaltung sozialer Standards sehr ernst.

In den letzten Jahren ist dem Wunsch nach mehr Transparenz in der Lebensmittelkette durch verschiedenste Maßnahme Rechnung getragen worden. Nur im Dialog kann Vertrauen und Akzeptanz entstehen und damit die landwirtschaftliche Produktion in der Mitte der Gesellschaft verankert bleiben. LandFrauen und besonders die Bäuerinnen unter ihnen übernehmen bei dieser Aufgabe Verantwortung.

 

LandFrauen machen sich für ein modernes Bild der Landwirtschaft stark

LandFrauen leben seit je her den Verbraucher-Erzeuger-Dialog. Sie werden dabei von der Überzeugung geleitet, dass viele Formen der Landwirtschaft gleichberechtigt nebeneinander existieren können, vom spezialisierten Großbetrieb bis zum kleinen Bauernhof mit mehreren Standbeinen, vom Betrieb mit konventioneller Tierhaltung bis zum Unternehmen mit Ökolandbau. Zu ihrem Bild der Landwirtschaft gehört, dass moderne Produktionsmethoden, betriebswirtschaftliches Denken und Innovationen mit nachhaltiger Erzeugung vereinbar sind. 

Bäuerinnen nutzen auch bei ihrer täglichen Arbeit die Gelegenheit für das Gespräch mit Kunden, beispielsweise als Betreiberinnen von Bauernhofcafés, Hofläden oder touristischen Angeboten wie Urlaub auf dem Bauernhof. Sie stehen Rede und Antwort in allen gesellschaftlichen Bereichen, sei es in ihren Bekannten- und Freundeskreisen, im Vereinsleben, in der Kommunalpolitik oder als Mandatsträgerinnen.

Dem dlv und seinen Mitgliedsverbänden ist es ein Anliegen, besonders Kindern und Jugendlichen die Landwirtschaft näher zu bringen. Hierfür stehen die unterschiedlichsten Projekte und Aktionen auf allen Verbandsebenen, darunter beispielsweise das Projekt GartenKinder, der Tag des offenen Hofes oder die Aktivitäten von LandFrauen im Rahmen der Initiative Lernort Bauernhof.

 

Unsere Anliegen

Um den notwendigen Beitrag zum Dialog leisten zu können und die geforderte Transparenz herzustellen, brauchen die Verbände, aber auch jedes landwirtschaftliche Unternehmen die notwendige Unterstützung sowie das geeignete Know-How. Daher hat der dlv folgende Forderungen:

... an die Politik bzw. die Ernährungswirtschaft

Unterstützung der LandFrauenverbände bei ihrer Aufklärungs-, Informations- und Bildungsarbeit. Landwirtschaft als Thema in der Schule: 1. Landwirtschaft und Produktion von Nahrungsmitteln müssen im Rahmen eines Unterrichtsfaches Alltags- und Lebensökonomie verpflichtender Unterrichtsgegenstand werden. 2. Jedes Kind sollte mindestens einmal in seiner Schullaufbahn einen landwirtschaftlichen Betrieb besucht haben. 3. Schulische Lehr- und Lernmaterialien müssen auf realitätsferne Bilder der Landwirtschaft hin überprüft und korrigiert werden. Ein „Mehr“ an Nachhaltigkeit ist mit höheren Produktionskosten und oft mit Investitionen verbunden. Abnehmer müssen bereit sein, hierfür auch entsprechend höhere Preise zu zahlen. Um Investitionen durchführen zu können, brauchen die Bäuerinnen und Bauern außerdem ausreichende Planungssicherheit.

... an die Gesellschaft:

den Weg des Dialogs zu pflegen, ein gutes Miteinander mit den Bäuerinnen und Bauern im eigenen Lebensumfeld zu verfolgen und da, wo Ausgrenzung stattfindet, nicht wegzusehen. nachhaltige Produktion und artgerechte Tierhaltung wie auch die Leistungen der Landwirtschaft zur Erhaltung der Kulturlandschaft zu honorieren. Verbraucherinnen und Verbraucher können mit ihrem Einkaufsverhalten bestimmen, welche Produktionsformen sie unterstützen wollen.

... an die Medien: für eine sachbezogene und nicht polarisierende Berichterstattung.

... an den bäuerlichen Berufsstand: Die veränderten gesellschaftlichen Erwartungen erfordern ein Umdenken im Selbstverständnis als landwirtschaftlicher Unternehmer/in. Imagearbeit, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sind als Teil des Unternehmenskonzeptes zu verstehen und umzusetzen.

Vom dlv-Präsidium verabschiedet am 18.11.2013

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