15. April 2013 Gerechte Chancen

Frauenverbände fordern Votum für Quote in Aufsichtsräten

(DGAP-Media / 15.04.2013)

Führende Frauenverbände appellieren in einem persönlichen Brief an alle Abgeordneten des Bundestags, am Donnerstag der vom Bundesrat verabschiedeten Gesetzesinitiative für eine Frauenquote in Aufsichtsräten zuzustimmen. Freiwillige Selbstverpflichtungen haben sich als ungeeignet erwiesen. Daher sei es "höchste Zeit, mit verbindlichen Regelungen dem grundgesetzlich verbrieften Anspruch von Frauen auf gleiche Teilhabe Geltung zu verschaffen. Es ist Zeit für Entscheidungen", heißt es in dem heute veröffentlichten Brief der Verbands-Initiatorinnen der Berliner Erklärung, Business and Professional Women, Deutscher Juristinnenbund, Deutscher LandFrauenverband, European Women's Management Development, FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte und Verband deutscher Unternehmerinnen.

"Die Entscheidung am Donnerstag ist die letzte Möglichkeit in dieser Legislaturperiode, Bewegung in die festgefahrene Diskussion zur Chancengleichheit von Frauen und Männern in Führungsgremien der Wirtschaft zu bringen", erklärt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow im Namen der Initiatorinnen des Schreibens. "Die Koalitionsdisziplin steht nicht über dem Grundgesetz. Jetzt ist ein klares Bekenntnis gefragt. Wir wünschen uns, dass alle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Berliner Erklärung nach ihrer Überzeugung abstimmen. Es geht um die Zustimmung zu einer im Bundesrat von Vertreterinnen und Vertretern aller Parteien beschlossenen Gesetzesinitiative, nicht um einen Antrag der Opposition. Auch Bundeskanzlerin Merkel kann nun zeigen, wie ernst sie Chancengleichheit nimmt und Führungsstärke beweisen. Statt vermeintliche 'Abweichler' auf Linie zu bringen geht es darum, die klare Forderung des Grundgesetzes nach Gleichberechtigung auch in den Führungsgremien der Wirtschaft durchzusetzen."

Die Verbände kritisieren die Angriffe auf die Befürworter einer Quote: "Es gibt seit Langem eine parteiübergreifende Mehrheit für eine verbindliche Mindestquote in Aufsichtsräten der Privatwirtschaft und der öffentlichen Unternehmen. Dabei geht es um weit mehr als die Aufsichtsräte: Letztlich geht es um eine faire Bewertung der Arbeit, die Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft leisten. Die Bundesratsinitiative wurde mit Stimmen aller Parteien beschlossen. An diesem Donnerstag besteht die historische Chance, die Gleichstellungspolitik gemeinsam einen großen Schritt weiterzubringen', betonen die Initiatorinnen der Berliner Erklärung. Die Verbände verweisen dabei auf das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Ziel: 'Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst soll maßgeblich erhöht werden."

Brief an die Bundestagsabgeordneten vom 12.04.2013:

RENA BARGSTEN, Präsidentin EWMD - European Women's Management Development
STEPHANIE BSCHORR, Präsidentin VdU -Verband deutscher Unternehmerinnen
RAMONA PISAL, Präsidentin djb - Deutscher Juristinnenbund
HENRIKE VON PLATEN, Präsidentin BPW - Business and Professional Women Germany
BRIGITTE SCHERB, Präsidentin dlv - Deutscher LandFrauenverband
MONIKA SCHULZ-STRELOW, Präsidentin FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte

 

An alle
Mitglieder des Deutschen Bundestages
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Berlin, den 12. April 2013

Frauenverbände für eine verbindliche Geschlechterquote in Aufsichtsräten

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, sehr geehrter Herr Abgeordneter,

der Bundesrat hat sich am 21. September 2012 mit der Annahme des Gesetzentwurfes zur Förderung gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern in Führungsgremien (GlTeilhG) für eine verbindliche Geschlechterquote in Aufsichtsräten börsennotierter und mitbestimmter Unternehmen ausgesprochen. Die EU-Kommission hat mit ihrem Richtlinienentwurf KOM(2012)614 im November 2012 ein weiteres Zeichen gesetzt.

Beide Initiativen sind von der gemeinsamen Überzeugung getragen, dass freiwillige Selbstverpflichtungen sich als ungeeignet erwiesen haben und es deshalb höchste Zeit ist, mit verbindlichen Regelungen dem grundgesetzlich verbrieften Anspruch von Frauen auf gleiche Teilhabe Geltung zu verschaffen.

Wir begreifen die breite Unterstützung aus der Gesellschaft, dem Bundesrat und aus Europa als Auftrag an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, eine wirksame gesetzliche Regelung zur geschlechtergerechten Besetzung von Aufsichtsräten zu verabschieden. Mit dem Gesetzentwurf des Bundesrates liegt hierfür eine geeignete Grundlage vor. Der Beschluss des Bundesrates sieht ein zweistufiges Quotenmodell mit langen Übergangsfristen vor: Ab dem Jahr 2018 müssen Aufsichtsräte eine 20%-Mindestquote erfüllen, ab dem Jahr 2023 müssen es 40% sein. Dieser Gesetzentwurf wurde Ende Oktober unter der Drucksachennummer 17/11270 in den Deutschen Bundestag eingebracht und am 16. Januar 2013 in einer Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages mit zwei weiteren ähnlich lautenden Anträgen zur Einführung einer Frauenquote in Unternehmen diskutiert. Jetzt sollten die Diskussionen ein Ende haben. Es ist Zeit für Entscheidungen.

Wir appellieren an die Koalitionsfraktionen und an die Bundeskanzlerin: Die Berliner Erklärung hat gezeigt: Es gibt ein breites Bündnis in der Gesellschaft für eine Quote in den Aufsichtsräten. Jetzt sind Sie aufgefordert, dieses Bündnis auch in den Bundestag hineinzutragen.

Greifen Sie die Initiativen von Bundesrat und EU-Kommission auf und stimmen Sie für den Gesetzentwurf 17/11270! Lassen Sie eine freie Abstimmung aller Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu!

Wir bauen auf Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Rena Bargsten (EWMD)
Stephanie Bschorr (VdU)
Ramona Pisal (djb)
Henrike von Platen (BPW)
Brigitte Scherb (dlv)
Monika Schulze-Strelow (FidAR)

Neben den Initiatoren-Verbänden der Berliner Erklärung wird dieser Brief von folgenden Verbänden mitgetragen: Deutscher Ingenieurinnenbund e.V., ProQuote Medien e.V., ProQuote Medizin und Nürnberger Resolution.

Den Brief an die Bundestagsabgeordneten finden Sie im Original unter Berliner Erklärung.

Ihre Ansprechpartnerinnen:

Rena Bargsten, Präsidentin, European Women's Management Developmen
Stephanie Bschorr, Präsidentin, Verband deutscher Unternehmerinnen e.V.
Ramona Pisal, Präsidentin, Deutscher Juristinnenbund e.V.
Henrike von Platen, Präsidentin, Business and Professional Women Germany e.V.
Brigitte Scherb, Präsidentin, Deutscher LandFrauenverband e. V.
Monika Schulz-Strelow, Präsidentin, FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte e.V.

Business and Professional Women (BPW) - Germany e.V.:

Mit 42 Clubs und rund 1.800 Mitgliedern sind die Business and Professional Women (BPW) Germany eines der größten und ältesten Berufsnetzwerke für angestellte und selbständige Frauen in Deutschland. Der gemeinnützige Verband unterstützt berufstätige Frauen auf vielfältige Weise: Neben persönlichem Austausch, Vorträgen, Tagungen und Mentoring leistet das Netzwerk politisch-gesellschaftliche Lobbyarbeit auf nationaler und internationaler Ebene und engagiert sich für humanitäre Zwecke. Der BPW Germany kooperiert mit Wirtschaft, Medien, Politik und unterstützt seine Partner in Fragen der Unternehmensverantwortung und Chancengleichheit im Beruf. 2008 zeichnete das Netzwerk für die Einführung des Equal Pay Day, des internationalen Aktionstages für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern, in Deutschland verantwortlich. Mehr dazu unter www.bpw-germany.de.

Deutscher Juristinnenbund e.V. (djb):

Seit seiner Gründung 1948 setzt sich der djb für die Gleichstellung von Frauen ein und gibt Gesetzgebung und Rechtsprechung wichtige Impulse. Die Rasanz der gesellschaftlichen Entwicklung, der wirtschaftliche und damit politische Druck führt zu vielen rechtspolitischen Vorschlägen, Gesetzesinitiativen und Neuregelungen. Darunter zahlreichen rechtlichen Gebieten, auf denen der djb mit seinen fachlich hochqualifizierten Stellungnahmen und Vorschlägen sowie seiner Kritik gefragt ist, insbesondere in der Arbeitsmarktpolitik (Gleichstellung von Frauen und Männern im Erwerbsleben und in der Familie), in der Sozialpolitik (Rente, Steuern, Gesundheit, Familienlastenausgleich, Familienrecht, Lebenssituation älterer und behinderter Menschen, Medizinrecht), aber auch zum Thema Zuwanderung und Gewalt gegen Frauen und Kinder. Weitere Informationen: www.djb.de.

Deutscher LandFrauenverband e.V. (dlv):

Der Deutsche LandFrauenverband ist mit 500.000 Mitgliedern in 22 Landesverbänden der bundesweit größte Frauenverband im ländlichen Raum. Er tritt für die Interessen von Frauen und die Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Regionen ein. Neben Öffentlichkeitsarbeit und politischer Interessenvertretung gehört Erwachsenenbildung zu den Schwerpunkten der LandFrauenarbeit. Der dlv kooperiert mit zahlreichen nationalen und internationalen Organisationen und steht im Dialog mit Ministerien, Parteien und Parlamentariern. Nähere Informationen unter www.landfrauen.info.

EWMD (European Women's Management Development International Network):

EWMD ist ein internationales Management-Netzwerk für ManagerInnen, UnternehmerInnen und Selbständige mit ca. 800 Mitgliedern in 25 Ländern. Das Netzwerk fördert Frauen und Männer und bietet eine Plattform für den qualifizierten Austausch von Erfahrungen und Entwicklungen im Management. Mitglieder setzen sich für eine bessere 'Gender-Diversity', mehr Frauen in Führungspositionen und eine nachhaltige 'Work-Life-Balance' ein - branchenübergreifend und international. Neben Privatpersonen sind auch Unternehmen Mitglieder. Mehr Informationen zum EWMD im Internet unter www.ewmd.org.

FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte e.V.:

FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte ist eine überparteiliche und überregionale Initiative, die im Herbst 2005 von Frauen in Führungsposition in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ins Leben gerufen wurde. FidAR strebt eine nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen und die Verbesserung der Unternehmenskontrolle an. Ziel der Initiative ist die paritätische Besetzung aller Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft. FidAR verfolgt diese Ziele im engen Austausch mit Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und in Kooperation mit den relevanten Wirtschafts- und Frauenverbänden. Mehr Informationen zu FidAR im Internet unter www.fidar.de.

Verband deutscher Unternehmerinnen e.V. (VdU):

Der VdU wurde 1954 in Köln als Vereinigung von Unternehmerinnen (VvU) gegründet. Er ist der größte deutsche Wirtschaftsverband, der branchenübergreifend die Interessen insbesondere mittelständischer Unternehmerinnen aus Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung vertritt. Im Verband deutscher Unternehmerinnen e.V. (VdU) sind rund 1.600 Unternehmerinnen in 15 Landesverbänden und 15 Regionalkreisen organisiert. Die Unternehmerinnen erwirtschaften zusammen einen Jahresumsatz von 50 Milliarden Euro und beschäftigen über 320.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland. Seit mehr als 55 Jahren setzt der VdU sich erfolgreich dafür ein, dass die Stimme der Unternehmerinnen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft angemessen Gehör findet. Der Verband ist Unterzeichner der Charta der Vielfalt und Mitglied im Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen sowie im Aktionsbündnis zum Equal Pay Day. Der VdU wird in den kommenden drei Jahren mit seinem ESF-geförderten Projekt 'Stärkere Präsenz von Frauen in Aufsichtsgremien' 150 Frauen für Positionen in Beiräten und Aufsichtsräten schulen. Weltweit vernetzt ist der VdU durch seine Mitgliedschaft im internationalen Unternehmerinnen-Dachverband FCEM (Les Femmes Chefs d'Entreprises Mondiales). Weitere Informationen unter: www.vdu.de

 

 

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