06. März 2014 · Gerechte Chancen

„Fraueneinkommen in ländlichen Regionen: Weibliche Lebensverläufe zwischen tradierten Rollenbildern und veränderten Lebenswirklichkeiten“

Im Vorfeld zum diesjährigen Equal Pay Day findet die Fachtagung des Deutschen LandFrauenverbands (dlv) statt: „Fraueneinkommen in ländlichen Regionen: Weibliche Lebensverläufe zwischen tradierten Rollenbildern und veränderten Lebenswirklichkeiten“

In Deutschland beträgt der durchschnittliche geschlechterspezifische Einkommensunterschied rund 22 Prozent. Im ländlichen Raum fällt die Lohnlücke sogar rund 10 Prozentpunkte höher aus. Der dlv will mit dem durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördertem Projekt “LandFrauenStimmen für die Zukunft – Faire Einkommensperspektive sichern“ die Einkommenslücke verringern.

Im Rahmen des Projekts hat der Deutsche LandFrauenverband zwei wissenschaftliche Untersuchungen in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse präsentiert werden:

Die Studie „Mädchenbilder – Handwerksrollen: Images und geschlechtergerechte Ansprache in ländlichen Räumen“ hat Rollenbilder und Images von Mädchen und Jungen analysiert. Untersucht wurde, ob Handwerks- und Agrarberufe so dargestellt werden, dass sich Mädchen angesprochen fühlen: Gelingt es, Ausbildungsberufe im Handwerk und in der Landwirtschaft in Internetauftritten, in Berufsinformationsmaterialien für Jugendliche und in der regionalen Medienberichterstattung zeitgemäß und jenseits traditioneller Rollenklischees zu präsentieren?

Eine Untersuchung zur familiären Situation von Frauen auf dem Land betrachtete familieninterne Erwerbsentscheidungen in ländlichen Räumen. Gibt es feste Rollen zwischen Frau und Mann oder ist flexibles Rotieren gefragt?

Die beiden Studien haben wichtige Bedarfe und konkrete Ansatzpunkte für weiteres Handeln offengelegt. Daher fördert das BMFSFJ das gerade gestartete Pilotprojekt: „Qualifizierung von Equal-Pay-Beraterinnen“. Equal-Pay-Beraterinnen sollen als Multiplikatorinnen gesell-schaftliche Akteure (z. B. Verbände, Vereine) und Frauen über Einkommenschancen und Karrieremöglichkeiten unterschiedlicher Berufe informieren und Beratungen zur Berufs- und Lebenswegplanung durchführen. Die Beraterinnen sollen in Kooperation mit den regionalen Wirtschaftsverbänden, Kammern und Kommunen im dlv, in Bildungseinrichtungen und Gremien tätig werden.

Weitere Tagungsschwerpunkte im Rahmen von Fachvorträgen sind:

Berufsorientierung junger Frauen im Wandel
Angelika Puhlmann (Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB)

Wie wirken Geschlechterstereotype?
Ergebnisse qualitativer Paarinterviews zum Entscheidungsprozess in Familien. Melanie Schröder (Universität Hamburg)

Innerfamiliale Arbeitsteilung und Gerechtigkeitsempfinden
Prof. Dr. Heike Trappe (Universität Rostock)

Equal-Pay in der Praxis: Schulungskonzept für Frauen
Dietmar Hobler (SowiTra – Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer, Berlin)

Darüber hinaus finden auf der Tagung Workshops zu diesen Themen statt:

Dr. Katrin Golsch (Universität Bielefeld) gibt einen Einblick in ihre Forschungsarbeit zu den Ursachen der Chancenungleichheit der Geschlechter im Erwerbsverlauf.

Luise Görges (Universität Hamburg) berichtet über Partnerschaftliche Aushandlungsprozesse zur Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit.

Brigitte Haas und Martje Rohmann (Handwerkerinnenhaus Köln e.V.) zeigen, wie Praxisangebote zur Berufsorientierung in handwerklichen Berufen dazu beitragen, Talente und Ressourcen zu entdecken und das Berufswahlspektrum von Mädchen zu erweitern.

Die Fachtagung will Handlungsmöglichkeiten ausloten, um zur Auseinandersetzung mit klassischen Rollenbildern, Erwerbsverläufen und Berufsentscheidungen zu bewegen. Die Veranstaltung führt Erfahrungswelten und Fachexpertisen zusammen.

Termin und Veranstaltungsort

20. März 2014, 10:00 Uhr –17:00 Uhr
Haus der Land- und Ernährungswirtschaft
Claire-Waldoff-Straße 7
10117 Berlin

Hier finden Sie das ausführliche Programm

 

Aktiv für Frauen und ihre Familien im ländlichen Raum:
Über den Deutschen LandFrauenverband e.V. (dlv)

Der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv) ist der bundesweit größte Verband für Frauen, die auf dem Lande leben, und deren Familien. Ziel ist, die Lebensqualität und die Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern. Der dlv vertritt die politischen Interessen aller Frauen in ländlichen Regionen und den Berufsstand der Bäuerinnen.

500.000 Mitglieder, 12.000 Ortsvereine, 22 Landesverbände bilden zusammen ein starkes Netzwerk. Der Verband nutzt seine gesellschaftliche Kraft, um die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Situation der Frauen zu verbessern. Präsidentin ist Brigitte Scherb.

Eine der wichtigsten Aufgaben des dlv ist die Fort- und Weiterbildung. Über 115.000 Bildungsveranstaltungen, die im gesamten Bundesgebiet angeboten werden, vermitteln den Mitgliedern Kenntnisse für bürgerschaftliches und politisches Engagement. Der dlv ermöglicht berufliche Qualifizierungen, die den LandFrauen neue Erwerbschancen eröffnen.

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