25. Januar 2013 Gerechte Chancen · Ländlicher Raum

Familienfreundlichkeit im ländlichen Raum kein Nischenthema!

„Familienfreundlichkeit in den ländlichen Räumen ist deutlich mehr als ein ausreichendes Angebot an Arbeitsplätzen mit flexiblen Arbeitszeiten für Frauen und Männer. Das Thema betrifft nahezu alle kommunalen Daseinsaufgaben: ob Kinderbetreuung, Bildungsinfrastruktur, Wohnangebote, Pflege- sowie Freizeit- und Kulturangebote. Diese familienfreundlich auszugestalten, ist mehr als eine großzügige Zugabe kommunal Verantwortlicher – sie ist Standortfaktor und eine gute Investition!“

Mit diesen Worten führte die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, Brigitte Scherb, in die dlv Begleitveranstaltung im Rahmen des Zukunftsforums des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), ein. Unter dem Motto „Standortfaktor Familienfreundlichkeit in den ländlichen Gemeinden – Lebensqualität und Zukunft“ hatte der dlv hierzu eingeladen. Als Kooperationspartner war in diesem Jahr das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beteiligt.

In vier spannenden Fachbeiträgen wurde das Thema in seiner ganzen Bandbreite beleuchtet und immer wieder mit konkreten Beispielen aus der Praxis unterfüttert.

Elisabeth Goos konnte in ihrem Input aus der Erfahrung der 670 lokalen Bündnisse für Familien berichten. Sie machte deutlich, dass familienfreundliche Rahmenbedingungen immer mehr von ArbeitnehmerInnen nachgefragt würden, dass erhöhe den Veränderungsdruck nicht nur bei Arbeitgebern sondern auch bei Kommunen. Letztere hätten auch immer häufiger die Sicherung der Bevölkerungsentwicklung, aber auch die Kaufkraft und das soziale Miteinander im Fokus, weshalb sich viele Kommunen in den Bündnissen sehr engagiert einbringen.

Der Beitrag von Stefanie Koenig vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) legte den Fokus auf die Kinderbetreuungssituation in den Kommunen und verstärkte die Erfahrung, dass gerade in der außerschulischen Betreuung von Grundschülern noch großer Handlungsbedarf bestehe. Eine Studie des DIHK aus dem Jahr 2011 habe deutlich gemacht, dass neben dem unzureichenden Nachmittagsangebot insbesondere auch die Ferienbetreuung eine große Herausforderung darstelle.

Mit Blick auf die Unternehmen in ländlichen Räumen konnte Birgit Wintermann die Erfahrung der Bertelsmann Stiftung einbringen. Sie machte deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Kommunen sinnvoll ist. Aus ihren Praxisbeispielen konnte sie aufzeigen, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen Handlungsmöglichkeiten haben. Wichtig sei, so ihre Erfahrung, dass Mitarbeiter und Arbeitgeber ihre Bedarfe offen kommunizieren und jeder seine Verantwortung wahrnehme.

Der Deutsche LandFrauenverband präsentierte anschließend erste Ergebnisse aus seiner Studie Familieninterne Erwerbsentscheidung, welche im Rahmen des Projektes „LandFrauenStimmen für die Zukunft – Faire Einkommensperspektive sichern“ erstellt wurde . Hier wurde deutlich, dass Frauen ihre Berufstätigkeit häufig aufgeben, wenn Kinder geboren werden. Sie steigen dann nach einer Familienphase langsame wieder ein, häufig in einem Minijob. Dabei sind es zum einen die Rahmenbedingungen, aber auch die Leitvorstellungen und Rollenbilder, die dies begünstigen. Dabei wurde auch deutlich, dass Arbeitgeber noch zu wenig Verständnis haben, wenn Väter sich mehr in der Familienarbeit engagieren wollen und deshalb ihre Arbeitszeit reduzieren oder auch Elternzeit nehmen wollen.

In einer abschließenden, angeregten Diskussionsrunde, bei der sich auch die rund 50 TeilnehmerInnen in die Diskussion einbrachten, wurde deutlich, dass vieles bereits geschafft, aber auch noch einiges zu tun ist. Deutlich wurde auch, dass Familienfreundlichkeit in den ländlichen Räumen kein weicher Standortfaktor mehr ist und dass letztlich alle davon profitieren können.

Die inhaltlich runde Veranstaltung wurde bei der Abschlussveranstaltung des 6. Zukunftsforums des BMELV als beste Begleitveranstaltung ausgezeichnet. Im Programm fanden insgesamt 23 Begleitveranstaltungen statt.

„Die Auszeichnung als beste Begleitveranstaltung freut mich besonders, da damit das Thema Familienfreundlichkeit in den ländlichen Räumen endgültig aus der Nische raus und in die öffentliche Diskussion kommt. Hier bestätigt sich, was unsere Expertinnen im Forum dargestellt haben: der Druck für neue Ideen und Lösungen wächst!“, so die dlv Präsidentin abschließend.

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