18. Januar 2016 · LandFrauen und Landwirtschaft

Bigger, better, Burnout?

LandFrauen diskutieren auf dem BäuerinnenForum über die Belastungsgrenzen von Frauen

 

Anlässlich des BäuerinnenForums im Rahmen der Internationalen Grünen Woche begrüßte der Deutsche LandFrauenverband (dlv) rund 250 LandFrauen, um über das Thema „Bigger, better, Burnout? - Wo liegen die Belastungsgrenzen von Frauen?“ zu diskutieren.

„Frauen sind Allrounderinnen: Sie managen Unternehmen, Familie, Haushalt und Beruf. Daneben engagieren sich viele ehrenamtlich. Doch diese vielfältigen Aufgaben fordern Energie. Gerade in Krisenzeiten kommen Frauen an ihre Grenzen“, so Brigitte Scherb, dlv-Präsidentin. „Die wirtschaftliche Situation und der gesellschaftliche Druck machen vielen Familien zu schaffen.“

Dies bestätigte auch Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Frauen hätten aber auch eine Bringschuld, sich über die Entwicklungen des Betriebs so zu informieren, dass sie sich eine eigene Meinung bilden und damit gleichberechtigt Einfluss auf die Entwicklung des Betriebes nehmen können.

Auch in Österreich sind es oft die Frauen, die nach neuen Einkommensmöglichkeiten suchen, um die Betriebe zu erhalten, berichtet Andrea Schwarzmann, Vorsitzende der ArGe Österreichische Bäuerinnen. „Die Ausweitung der Aufgaben- und Kompetenzgebiete verbunden mit den hohen Ansprüchen an sich selbst belasten die Frauen in der Landwirtschaft“, so Schwarzmann. „Die Gefahr besteht, dass die Modernisierung und Diversifizierung zu Lasten der Frauen geht.

Die Entwicklung des Strukturwandels in Deutschland stellte Prof. Dr. Alfons Balmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), dar. Fortschritt erzeuge immer Gewinner und Verlierer. Strukturwandel sei ein permanenter Prozess, der auch Grundlage für unseren Wohlstand sei. Auch die unsicherer gewordenen Märkte und Einkommen wirken sich oft auf die Entscheidung aus, den Betrieb zu vergrößern.

„Landwirtschaftliche Familien sollten ihre eigenen Betriebskonzepte mit ihren Lebensentwürfen abgleichen anstatt ausschließlich einer auf Wachstum ausgerichteten Betriebsentwicklung zu folgen“, rät hingegen Dr. Clemens Dirscherl, EKD-Agrarexperte. Er bescheinigte den LandFrauen eine hohe Selbstreflektion und viele Landwirte könnten von den LandFrauen lernen.

„Eine aufmerksame Selbstfürsorge ist wichtig. Frauen müssen lernen, sich Zeit für sich zu nehmen“. Dieses Fazit zog Petra Bentkämper, Präsidiumsmitglied des dlv. „Fragen Sie sich am Ende des Tages ruhig: ‚Habe ich heute eigentlich auch mal an mich gedacht?‘“

 

Aktiv für Frauen und ihre Familien im ländlichen Raum:
Über den Deutschen LandFrauenverband e.V. (dlv)

Der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv) ist der bundesweit größte Verband für Frauen, die auf dem Lande leben, und deren Familien. Ziel ist, die Lebensqualität und die Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern. Der dlv vertritt die politischen Interessen aller Frauen in ländlichen Regionen und den Berufsstand der Bäuerinnen.

500.000 Mitglieder, 12.000 Ortsvereine, 22 Landesverbände bilden zusammen ein starkes Netzwerk. Der Verband nutzt seine gesellschaftliche Kraft, um die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Situation der Frauen zu verbessern. Präsidentin ist Brigitte Scherb.

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