24. Januar 2014 · Gerechte Chancen

Allianzen pro Frauen: jetzt starten!

Einigkeit herrschte bei den TeilnehmerInnen der dlv- Begleitveranstaltung im Rahmen des 7. Zukunftsforums des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft am 22. Januar 2014. Ein Mann brachte es auf den Punkt: „Der Befund zwingt zum Handeln! Wir brauchen bei den Sozialwahlen ein Instrument das Steuerungsfunktion entfaltet“, machte Gerald Weiß, Bundeswahlbeauftragter für die Sozialversicherungswahlen, seine Sichtweise deutlich. Grundlage für diese Einschätzung sind die Fakten aus dem Bericht der letzten Sozialwahlen, welche im Jahr 2011 stattfanden: Durchschnittlich sind rund 18 Prozent Frauen in den Vertreterversammlungen vertreten, in den Vorständen sogar nur 16,3 Prozent.

Weiß verwies auf die Aussagen im aktuellen Koalitionsvertrag, die Sozialwahlen zu modernisieren und die Frauenbeteiligung zu „optimieren“. Für ihn bedeute optimieren: entscheidend anheben.

Ähnlich klare Aussagen machte auch Rita Lanius-Heck, Präsidentin des LandFrauenverbandes Rheinland-Nassau und Kreistagsmitglied in Rhein-Hunsrück, die in ihrem Beitrag auf die Beteiligung von Frauen in der Kommunalpolitik einging. Auch sie bestätigte aus eigener, langjähriger Politikerfahrung, dass der Anteil der Frauen gleichbleibend gering geblieben sei. „Appelle haben nichts bewirkt. Es ist an der Zeit Strukturen zu schaffen“. Die Quote sei Mittel zum Zweck und müsse auch im Kommunalwahlrecht eingeführt werden.

Ursula Braunewell, Vorsitzende des Ausschuss für Familie und Gesellschaft der Landwirtschaftskammer in Rheinland-Pfalz machte deutlich, dass sowohl die Friedenswahlen Hinderungsgründe für Frauen darstellen als auch der Faktor Zeit viele Frauen begrenze. Wichtig sei es, durch eine Datenbank, Jahrestreffen und Vernetzung die engagierten Frauen zu stärken, um dann auch andere Frauen anzusprechen und zu unterstützen. Auch sie sprach sich für die Einführung einer Quote für die Gremien in den ländlichen Räumen aus.

Einen Einblick in die Erwerbs- und Einkommensmöglichkeiten gaben Andrea Santel und Sarah Vieth, vom BTZ des Handwerks aus der Region Emsland sowie Heidrun Dochtermann von der IHK für die Region Heilbronn-Franken. Klar wurde in beiden Vorträgen: Es gibt Chancen und Möglichkeiten für die Verbesserung der Erwerbstätigkeit von Frauen, allerdings müsse dies in starken Allianzen angepackt werden. Frauen könnten durch Hilfe zur Selbsthilfe gestärkt werden, daneben müssen die Stolpersteine Mobilität, Kinderbetreuung, konservative Rollenbilder und betriebsbezogene Vereinbarkeitsprobleme von verschiedenen Akteuren aus dem Weg geräumt werden.

In der abschließenden Podiumsrunde wurde die Ankündigung der Bundesregierung, die Frauenquote zeitnah einzuführen, begrüßt. Thomas Fischer vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend betonte, dass hier nicht nur der Blick auf die Aufsichtsräte gelenkt werden dürfe, sondern vielmehr auch auf die weiteren Hierarchieebenen. Mit Blick auf den ländlichen Raum, sei die Ausbildung zur Equal Pay Beraterin der richtige Schritt, um Frauen, Männer und Unternehmen für diese Thematik zu sensibilisieren. Deshalb unterstütze das Ministerium den dlv für diese wichtige Arbeit.

Gerald Weiß hob abschließend hervor, dass gerade die LandFrauen sehr gute Botschafterinnen für diese Thematik sind, da sie Probleme vor Ort erkennen und mit pragmatischer Leidenschaft für eine Veränderung eintreten. Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes appellierte an die TeilnehmerInnen gezielt Allianzen und Strategien zu entwickeln und sich gut über Handlungsmöglichkeiten zu informieren: So seien die Friedenswahlen nicht die einzige Möglichkeit bei den Sozialwahlen. Die Listenwahl, bei der Frauen durchaus eine eigene Liste aufstellen können, gelte aber zu Unrecht als zu kostspielig. „Wir müssen jetzt vorankommen, die nächsten Sozialwahlen finden 2017 statt!“

Abschließend verabredeten alle DiskussionsteilnehmerInnen: Gemeinsam werde nun für die Dinge gestritten, die Kontakte und Netzwerke hierfür ausgebaut, wodurch die Veranstaltung mit deutlichem Aufbruchsignal endete und die TeilnehmerInnen ermutigt in ihre Regionen zurückkehren.

 

Aktiv für Frauen und ihre Familien im ländlichen Raum:
Über den Deutschen LandFrauenverband e.V. (dlv)

Der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv) ist der bundesweit größte Verband für Frauen, die auf dem Lande leben, und deren Familien. Ziel ist, die Lebensqualität und die Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern. Der dlv vertritt die politischen Interessen aller Frauen in ländlichen Regionen und den Berufsstand der Bäuerinnen.

500.000 Mitglieder, 12.000 Ortsvereine, 22 Landesverbände bilden zusammen ein starkes Netzwerk. Der Verband nutzt seine gesellschaftliche Kraft, um die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Situation der Frauen zu verbessern. Präsidentin ist Brigitte Scherb.

Eine der wichtigsten Aufgaben des dlv ist die Fort- und Weiterbildung. Über 115.000 Bildungsveranstaltungen, die im gesamten Bundesgebiet angeboten werden, vermitteln den Mitgliedern Kenntnisse für bürgerschaftliches und politisches Engagement. Der dlv ermöglicht berufliche Qualifizierungen, die den LandFrauen neue Erwerbschancen eröffnen.

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