05. September 2013 Gerechte Chancen

73.137 Stimmen fordern gleiche Rente für alle Mütter

Übergabe der Unterschriftenlisten im Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Dr. Monika Michael, Geschäftsführerin dlv, Brigitte Scherb, Präisdentin dlv, Dr. Annette Niederfranke, Staatssekretärin BMAS

Stellvertretend für die Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen, nahm die Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales Dr. Annette Niederfranke am 05. September 73.137 Unterschriften aus ganz Deutschland von Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbands (dlv), entgegen. Damit verbunden ist die Forderung des dlv, die Rentenansprüche aller Mütter, unabhängig vom Geburtsjahr ihrer Kinder, mit drei Rentenpunkten zu berechnen.

„Die Gleichstellung der Rentenpunkte ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sie ist ein wichtiger Baustein zur eigenständigen Alterssicherung von Frauen. Viele Mütter hatten damals nicht die Wahl. Es gab kaum Kita-Plätze und auch keine Nachmittagsbetreuung. Viele Frauen mussten zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern“, unterstreicht Brigitte Scherb. „Diese Frauen erwarten zu Recht, dass ihre Leistungen für die Gesellschaft anerkannt werden.“

Die Unterschriften wurden von LandFrauen im gesamten Bundesgebiet gesammelt. Der dlv erhielt auch außerhalb des Verbandes Zuspruch: Gleichstellungsstellen, Behörden und viele engagierte Frauen und Männer machten auf die Unterschriftenaktion des dlv aufmerksam.

„Die Betroffenheit über die Ungleichbehandlung unter den LandFrauen und darüber hinaus ist groß“, so Brigitte Scherb. „Eine Mutter in den alten Bundesländern, die zwei Kinder vor dem Stichtag bekommen hat, erhält laut Berechnungsgrundlage aktuell 56,28 Euro für die Erziehungsleistung. Wären die Rentenpunkte gleichgestellt, hätte sie jeden Monat über 110 Euro mehr. Die zusätzlichen Rentenpunkte können helfen, Altersarmut zu verhindern oder zu mindern.“

Eine verbesserte Aufklärung von Frauen über Einkommen, Rentenerwartungen und angemessener Vorsorge sei für die Zukunft ein wichtiger Baustein für die soziale Absicherung der Frauen. Hier müsse die Regierung noch stärker ihren Auftrag zur Aufklärung wahrnehmen, machte die dlv-Präsidentin im Gespräch mit der Staatssekretärin deutlich. Der dlv hat mit seiner Unterschriftenaktion einen Beitrag zur Sensibilisierung von Frauen geleistet.

 

Hintergrundinformationen „Gleiche Rente für alle Mütter“

Zitate aus den Briefen von Frauen anlässlich der Unterschriftenaktion „Mehr Rentenpunkte“

„Ich denke, mit dieser Aktion wurden viele Mütter und deren Angehörige auf ein Thema aufmerksam gemacht, das in der Öffentlichkeit kaum beachtet wird. Wenn auch die Medien gelegentlich dieses Thema aufgreifen, ist vielen Frauen, die augenblickliche Situation nicht bewusst. Von den 1000 Personen, deren Unterschriften auf den Listen zu finden sind, waren nur ca. 10 Personen über die Sachlage informiert“.

„Für alles was ich in meinem Leben gearbeitet habe, werde ich nun bestraft. Meine voraussichtliche Rente fällt sehr mager aus, da zählt jeder Euro, bzw. jeder Rentenpunkt.“

„Ich hoffe, dass dies ein wenig dazu beitragen kann, dass es von Erfolg gekrönt ist, wenigstens aber die Politiker wachrüttelt“.

„Die älteste Frau auf der Unterschriftenliste ist meine Mutter mit 103 Jahren. In ihrer Minirente ist bäuerliche Rente enthalten, sowie Erziehungszeiten für vier Kinder: 112,24 Euro. Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Zu zweit teilen wir uns jetzt die Kosten für das Altersheim und persönliche Dinge. Die Summe von 112,28 Euro ist ein Witz und eine wirkliche Missachtung von Lebensleistung“.

„Ich stehe im letzten Jahr meiner Berufstätigkeit (Bankfachwirtin 65+) und für mich war die Rentenberechnung für die Erziehungszeiten der Frauen, die nach dem 31.12.1991 entbunden haben, seit Jahren eine Ungerechtigkeit“.

Rente in Euro für Kindererziehungszeiten (ohne Erwerbsarbeit)

Bei Geburten bis einschließlich 31.12.1991 dauert die Kindererziehungszeit 1 Jahr, danach beträgt die Kindererziehungszeit 3 Jahre. Für diese Kindererziehungszeiten werden dann Entgeltpunkte für die Rente anerkannt. Pro Erziehungsjahr ist dies 1 Entgeltpunkt. Ein Entgeltpunkt entspricht aktuell 28,14 Euro Rente in den alten Bundesländern und 25,74 Euro Rente in den neuen Bundesländern.

 

Aktiv für Frauen und ihre Familien im ländlichen Raum:
Über den Deutschen LandFrauenverband e.V. (dlv)

Der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv) ist der bundesweit größte Verband für Frauen, die auf dem Lande leben, und deren Familien. Ziel ist, die Lebensqualität und die Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern. Der dlv vertritt die politischen Interessen aller Frauen in ländlichen Regionen und den Berufsstand der Bäuerinnen.

500.000 Mitglieder, 12.000 Ortsvereine, 22 Landesverbände bilden zusammen ein starkes Netzwerk. Der Verband nutzt seine gesellschaftliche Kraft, um die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Situation der Frauen zu verbessern. Präsidentin ist Brigitte Scherb.

Eine der wichtigsten Aufgaben des dlv ist die Fort- und Weiterbildung. Über 115.000 Bildungsveranstaltungen, die im gesamten Bundesgebiet angeboten werden, vermitteln den Mitgliedern Kenntnisse für bürgerschaftliches und politisches Engagement. Der dlv ermöglicht berufliche Qualifizierungen, die den LandFrauen neue Erwerbschancen eröffnen.

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