30. Juni 2015 · Gerechte Chancen

Entgeltlücke reduzieren: Beharrungsvermögen und Solidarität der Frauenverbände notwendig

Am 29. Juni 2015 hat der Deutsche LandFrauenverband (dlv) zur Abschlusstagung seines Pilotprojektes „Qualifizierung Regionale Equal Pay Beraterin“ eingeladen und sein in Deutschland einmaliges Projekt vorgestellt. Absolutes Neuland hat der dlv im Jahr 2013 betreten, als er das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Projekt startete. Seit Mai 2015 gibt es 13 ausgebildete Beraterinnen, die über die Entgeltlücke und ihre Ursachen und Wirkungen im Lebensverlauf von Frauen aufklären und beraten. „Wir LandFrauen wollen es nicht länger hinnehmen, dass Frauen in ländlichen Regionen Deutschlands durchschnittlich ein Drittel weniger verdienen als Männer. Das müssen wir ändern“, beschreibt Brigitte Scherb die Motivation des dlv.

Dass die Reduzierung der Entgeltlücke ein gesamtgesellschaftliches und hoch komplexes Themenfeld ist, wurde auch im Verlauf der Abschlusstagung deutlich. Oberstes Ziel müsse es sein, dass Thema mehr in die Fläche zu bringen und dafür zu sensibilisieren. Aus der Erfahrung der Praxisphase der Equal Pay Beraterinnen wurde die Notwendigkeit hierfür sehr deutlich. Wenigen Menschen sei beispielsweise bewusst, dass die Entgeltlücke im Erwerbsverlauf sich zu einer nahezu doppelten Rentenlücke ausweitet. „Wir müssen deshalb erreichen, dass Frauen ihre Biografie so gestalten können, ohne dabei in die Altersarmut zu rutschen. Hier leisten unsere Beraterinnen einen wichtigen Beitrag“, so Brigitte Scherb.

Die Arbeit der Equal Pay Beraterinnen kann aber nur ein Teil der Lösung sein, das wurde in vielen Diskussionsbeiträgen der Tagung deutlich: Ohne politische Rahmenbedingungen, Arbeitsplätze für Frauen im ländlichen Raum, aufgeschlossene Arbeitgeber und ausreichende Betreuungsplätze sei die Lücke nicht zeitnah zu schließen. Unter der Fragestellung „Entgeltgleichheit 2030: Wunsch oder Wirklichkeit?“ diskutierte dlv-Präsidentin Brigitte Scherb gemeinsam mit Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im BMFSFJ und Hannelore Buls, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Herausforderungen des gewünschten Zieles. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmerinnen, dass der Widerstand zur Reduzierung der Entgeltlücke groß sein wird. Schließlich gehe es um die Umverteilung von Macht und Geld. Diese gebe niemand gerne ab. Umso wichtiger sei deshalb die Solidarität und Zusammenarbeit der Frauenverbände. Der Weg bis zur Entgeltgleichheit wurde indes als ein langer Weg beschrieben. Gerade im Hinblick auf die Neubewertung meist weiblicher Berufe wie in der Pflege und Erziehung wurde Handlungsbedarf gesehen. Erste Maßnahmen seien in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht, andere werden noch folgen. Bis 2030, so die Einschätzung, sei das „dicke Brett“ Entgeltlücke aber noch nicht durchbohrt. Inwieweit das geplante Entgeltgleichheitsgesetz der Bundesregierung hierbei wirken kann, werde die Qualität des Entwurfes zeigen. Einen Knackpunkt machte Brigitte Scherb dabei deutlich: Solange Frauen individuell klagen und den Nachweis der Entgeltdiskriminierung antreten müssen, werde es schwierig. Ein Verbandsklagerecht könnte dem vorbeugen, gab sie der Parlamentarischen Staatssekretärin Elke Ferner mit auf den Weg.

Hintergrund:

Das dlv-Pilotprojekt „Qualifizierung von Regionalen Equal Pay Beraterinnen“ wurde durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Ab Mai 2014 startete die Qualifizierungsreihe. In insgesamt fünf Modulen wurden die Beraterinnen ausgebildet. Dabei lernten sie

  • Grundlagen der Beratung
  • Einkommensungleichheit zwischen Frauen und Männer in Deutschland: Definitionen, Konzepte und Daten
  • Ursachen des Gender Pay Gap in Deutschland
  • Gender Pay Gap im Lebensverlauf: Erwerbskonstellationen im Lebensverlauf, familienbedingte Erwerbsunterbrechungen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Paarkontext, Langzeitfolgen von Erwerbsentscheidungen von Frauen und Männern
  • Planung eigener Projekte von der Idee bis zur Umsetzung

Im Anschluss an die ersten Module ging es in die Praxisphase. Dabei wurde besonders deutlich, wie wenig die Menschen, Frauen und Männer, über die Entgeltlücke und ihre Ursachen informiert sind, wie viel es noch aufzuklären und zu beraten gibt.

Weitere Informationen zum Projekt und den ausgebildeten Beraterinnen finden Sie auch unter www.lohn-gleichheit.de

 

Aktiv für Frauen und ihre Familien im ländlichen Raum:
Über den Deutschen LandFrauenverband e.V. (dlv)

Der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv) ist der bundesweit größte Verband für Frauen, die auf dem Lande leben, und deren Familien. Ziel ist, die Lebensqualität und die Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern. Der dlv vertritt die politischen Interessen aller Frauen in ländlichen Regionen und den Berufsstand der Bäuerinnen.

500.000 Mitglieder, 12.000 Ortsvereine, 22 Landesverbände bilden zusammen ein starkes Netzwerk. Der Verband nutzt seine gesellschaftliche Kraft, um die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Situation der Frauen zu verbessern. Präsidentin ist Brigitte Scherb. 

Eine der wichtigsten Aufgaben des dlv ist die Fort- und Weiterbildung. Über 115.000 Bildungsveranstaltungen, die im gesamten Bundesgebiet angeboten werden, vermitteln den Mitgliedern Kenntnisse für bürgerschaftliches und politisches Engagement. Der dlv ermöglicht berufliche Qualifizierungen, die den LandFrauen neue Erwerbschancen eröffnen.

 

 

 

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