13. Juni 2014

Landwirtschaft lädt ein: live & bundesweit

„Das ist echte Landwirtschaft. So sieht ein moderner Hof aus, auf dem Verantwortung für Mensch und Tier gelebt wird. Wie die Tramsens laden an diesem Wochenende bundesweit viele Bauernfamilien ein, sich ein eigenes Bild von der deutschen Landwirtschaft zu machen.“ Mit diesen Worten läutete Kathrin Funk, die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL), am Freitag mit Werner Schwarz, dem Präsidenten des gastgebenden Bauernver­bandes, auf dem Hof der Familie Tramsen im schleswig-holsteinischen Dollerup das erste bundesweite Aktions­wochenende „Tag des offenen Hofes“ ein, bei dem an diesem Wochenende im ganzen Bundesgebiet Bauernhöfe ihre Tore öffnen.

So könne jeder feststellen, dass die moderne Landwirtschaft weder industria­lisiert noch eine reine Idylle sei, stattdessen bodenständig und innovativ zugleich, so Kathrin Funk vor den zahlreichen BesucherInnen. Zur Eröffnung mit Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), und Brigitte Scherb, Präsidentin des LandFrauenverbandes (dlv), waren auch Landtagspräsident Klaus Schlie und Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck aus Schleswig-Holstein sowie Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums gekommen.

Zugleich werde deutlich, so Funk weiter, dass die landwirtschaftlichen Betriebe eng mit den Unternehmen der Region verknüpft seien, sagte sie. „Das schafft Gemeinschaft, die auch Aktionen wie den Tag des offenen Hofes möglich macht“, warb die BDL-Vorsitzende für die ländlichen Räume.

Mit einem Strohballen brachten sie die Aktion „Tag des offenen Hofes“ symbo­lisch ins Rollen und öffneten – Kinder und Kuh Karla halfen mit – die Stalltore in Dollerup. Dort bewirtschaften Elke und Hans Peter Tramsen einen Betrieb mit 120 Milchkühen und 220 Zuchtsauen. Sie betreiben auf 200 Hektar Ackerbau und auch eine Biogasanlage, die nicht nur Strom liefert, sondern viele Haushalte mit Wärme versorgt.

Davon hat sich auch Schleswig-Holsteins Landtagspräsident überzeugt. Ihm sei bei der Betriebsführung in Dollerup besonders deutlich geworden, dass Landwirtschaft langfristige verlässliche Rahmenbedingungen braucht, die nicht ständig geändert werden dürfen, so Klaus Schlie in seinem Grußwort.

In Tramsens Maschinenhalle ging es bei der Auftaktveranstal­tung zur Sache. Bei der Podiumsdiskussion „Wer ernährt die Welt?“ forderte DBV-Präsident Joachim Rukwied mehr gesellschaftliche Anerkennung für die vielfältigen Leistungen der Bauern und ihrer Familien. „Wir leben in einer industrie- und dienstleistungs­geprägten Gesellschaft, in der sich Landwirtschaft und Gesellschaft ein Stück weit voneinander entfernt haben.“ Daher, so der Bauernpräsident, gelte das Angebot zum Dialog mit allen - VerbraucherInnen, gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Gruppen und Medien.

Der Verbraucherdialog steht auch für den Deutschen LandFrauenverband (dlv) im Vordergrund. „Viele Landfrauen laden das ganze Jahr Verbraucher auf die Bauernhöfe ein. Die Bäuerinnen sind echt und glaubwürdig und gewinnen so das Vertrauen der Verbraucher“, sagte dlv-Präsidentin Brigitte Scherb: „Gemeinsam mit ihren Familien übernehmen sie Verantwortung. Wir als bäuerliche Familien stehen mit Stolz, Freude und Selbstbewusstsein für unsereProdukte und unsereArbeit ein – das zeigt der Tag des offenen Hofes deutlich.“

Diese Art der Transparenz lobte auch Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminis­ter Dr. Robert Habeck. „Wir stehen in einer gesellschaftlichen Debatte. Die Leute wollen grillen. Das ist der Anspruch der Verbraucher an die Bauern. Sie wollen leckeres Fleisch grillen und nicht viel dafür bezahlen. Wollen diese Leute wirklich wissen, wie ein Schweinestall von innen aussieht?“, fragte er. „Wir haben 1,5 Millionen Schweine in Schleswig-Holstein, aber sie sehen kein einziges“, stellte Dr. Habeck fest. Da sei der Tag des offenen Hofes mit der Eröffnung bei Tramsens ehrlichem Schweinestall ein guter Weg: „Es muss doch nicht wachsen oder weichen sein. Es muss doch möglich sein, dass mehr Geld bei den Höfen ankommen zu lassen und dafür die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern“, stellte der Minister fest, wenngleich er mehr Transparenz, mehr Tage des offenen Hofes, mehr Dialog einforderte.

Mit Martina Poppinga stand eine junge Landwirtin auf dem Podium, die auf Landes- und Bundesebene in der Landjugend aktiv ist. Die junge Betriebsleiterin betonte bei der Diskussion, wie wichtig es ist, dass die betrieblichen Entscheidungen von denjenigen getroffen werden, deren Zukunft davon abhängt. „Das sind die jungen LandwirtInnen – überall in der Welt“, stellte sie klar. „Zugleich dürfen wir nicht ausgebremst werden. Wir wollen nicht sonst wie groß werden, sondern lediglich nicht von allen möglichen Rahmenbedingungen eingeengt werden, wenn wir tun was wir können: nämlich qualitativ hochwertige super Produkte erzeugen“, so die junge Landwirtin.

Joachim Rukwied verwies zudem auf das UN-Jahr der familiengetragenen Landwirt­schaft. „Die familiengetragene Landwirtschaft ist der Garant für eine verlässliche Lebensmittelproduktion, eine nachhaltig bewirtschaftete Umwelt und vielseitige Kulturlandschaften. Sie muss die Chance haben, eine eigenverantwortliche, moderne und leistungsfähige Landwirtschaft zu betreiben. Das ist der Weg, mit dem wir die wachsenden globalen Herausforderungen bewältigen können, ohne die Nachhaltigkeit aus dem Auge zu verlieren.“

Dr. Theodor Seegers hob in der Debatte hervor, dass die Ernährungssicherung eine globale Aufgabe ist, die sich nur durch internationale Zusammenarbeit bewältigen lasse. „Wir brauchen dazu ressourceneffiziente Produktionssteigerungen sowie Minderungen der Ernteverluste zur Lösung des Mengenproblems, eine Verbesserung der Verteilung und des Zugangs zu Lebensmitteln und eine Optimierung von Ernährungsverhalten und -qualität“, so der Abteilungsleiter aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium. „Wenn man über das Thema Welternährung spricht, sollten wir nicht nur darüber reden, dass wir Produkte exportieren können, sondern auch wie wir unser Knowhow transferieren können, um den Menschen vor Ort Hilfe zu geben, sich selbst etwas aufzubauen“, stellte Dr. Seegers fest.

Die Initiatoren der Gemeinschaftsaktion „Tag des offenen Hofes“ – DBV, BDL und dlv – rechnen mit 800 teilnehmenden Betrieben, von denen die meisten am 14. und 15. Juni ihre Tore öffnen. Insgesamt erwarten sie etwa zwei Millionen Besucher. Weitere Informationen und eine detaillierte Übersicht der teilnehmenden Betriebe gibt’s online unter www.offener-hof.de. Unterstützt wird das Großereignis von der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Der Bundesauftakt des Aktionswochenendes in Dollerup wurde maßgeblich vom Landjugendverband Schleswig-Holstein mit der Ortsgruppe Grundhof organisiert und dem Bauernverband und LandFrauenverband Schleswig-Holstein vor Ort unterstützt.

 

 

 

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