10. Juni 2014 · Zukunft Ehrenamt

Interessenvertretung konkret gestalten – für Ortsvereine eine Riesenchance

Liebe LandFrauen,

dieses Schreiben richtet sich an alle Vorstandsfrauen in den Ortsvereinen,
Kreisvereinen und Bezirksvereinen und an alle, die künftig gern Verantwortung
übernehmen wollen. 

Dem vorausgegangen sind viele besorgte Diskusionen in den Gremien des
Deutschen LandFrauenverbandes. Es geht um den Erhalt des ehrenamtlichen
Engagements und um die Zukunft unseres Verbandes schlechthin.
Als LandFrauen verbindet uns eine Menge: Das Zuhause in ländlichen Regionen, die Nähe zur Landwirtschaft sowie klare Vorstellungen und Forderungen, was Frauen in der Gesellschaft bewirken können und was verändert werden muss.
Letzteres ist Interessenvertretung pur. Ein Bezug dazu findet sich in den Satzungen aller Ebenen. Das ist vergleichbar mit dem Bildungsauftrag. Mit guten Bildungsprogrammen punkten die LandFrauenvereine bei ihren Mitgliedern und auch in der Öffentlichkeit. Aber reicht das heute noch? 

Auf Bundesebene sind die Interessen von Frauen in ländlichen Räumen inzwischen Arbeitsschwerpunkt. Es geht beispielsweise um soziale Gerechtigkeit, darum, dass Frauen in Gremien Sitz und Stimme bekommen, dass Frauen wie Männer gut entlohnt werden und es geht um Familienpolitik sowie um die ländliche Entwicklung. Hier versuchen wir unsere Standpunkte den Bundespolitkern nahe zu bringen, indem wir mit weiblichem Blick auf die Dinge unsere Interessen benennen und durchsetzen. Unser Problem dabei: So wichtig wie es auch ist, ganz oben die Interessen von Frauen zu vertreten, ist es doch für LandFrauen vor Ort oft zu abstrakt. Denn nicht immer sind die Konsequenzen für das Alltagsleben oder für den Einzelfall nachvollziehbar. 

Viel näher am wirklichen Leben sind dagegen die Ortsvereine. Hier wird greifbar und konkret, was Frauen bewegt, wenn im Dorf etwas passiert, was Auswirkungen auf die Lebensqualität hat. Das können Probleme im Zusammenhang mit der Verkehrsanbindung, den Kitaöffnungszeiten oder auch das zu langsame Internet sein. Wer sich hier für die Interessen der Betroffenen stark macht, erringt Aufmerksamkeit, Mitstreiter und im Idealfall neue Mitglieder. Leicht gesagt, aber auch nicht einfach gemacht. Denn wer die Interessen vertreten will, der muss sie erst einmal kennen, ergründen, wo es hakt, sich damit auseinandersetzen und klar Stellung beziehen. Hier gewinnt man nicht nur Freunde, aber unter den Betroffenen Achtung und vielleicht irgendwann neue Mitglieder.

Es gibt nur diesen Weg. Wer heute zu den LandFrauen stößt, fragt nach dem Nutzen und will sich vertreten fühlen und oftmals selbst aktiv werden. Bürgerinitiativen machen uns vor, wie es geht. 

Gute Bildungsangebote sind unser Aushängeschild. Vorträge, Seminare oder interessante Infofahrten sind Kern des Vereinslebens und haben früher viele neue Mitglieder in die Vereine gelockt. Für jüngere Frauen ist Bildung allein leider nicht mehr das Zugpferd. Sie haben andere Möglichkeiten, um an Bildung und Informationen zu kommen. Damit die Bildung den zentralen Status im Verband behält, müssen wir uns fragen, ob unsere Angebote bei den Mitgliedern tatsächlich ankommen, zeitgemäß sind und was wir tun müssen, damit sich die Interessen von LandFrauen in den Bildungsprogrammen widerspiegeln.

Vielleicht ist es klug, bei den Angeboten zwischen gestandenen und neuen Mitgliedern zu unterscheiden. Einige Verbände fahren heute schon zweigleisig und treffen so besser die Interessen der Mitglieder.

Zur Bildung gehört auch die Säule „Fit sein fürs Ehrenamt“. Diese Qualifizierung fürs Ehrenamt ist unverzichtbar, auch weil die Anforderungen an die Vorstände enorm gewachsen sind. Vereine, die in den Kommunen geschätzt und gehört werden und sich zu Fürsprechern für die Interessen von Betroffenen machen, haben es deutlich leichter und weniger Sorgen um die Mitgliederzahlen. Hier schließt sich also der Kreis von Bildung und Qualifizierung hin zur Interessenvertretung. Aber das hat auch seinen Preis. Dafür brauchen Vorstandsfrauen Qualifizierungen, Anleitungen und viel Unterstützung von den darüber liegenden Vereinsebenen.

Einen Anfang an Unterstützung finden Sie in den beiliegenden Empfehlungen. Schreiben Sie uns, wie Sie damit klar kommen und welche Erfahrungen Sie vor Ort gemacht haben.

Die Frage, wie wir die Interessenvertretung in den Ortsvereinen konkret umsetzen können, ist damit aber nicht vom Tisch. Die Mitgliederversammlung im Juli wird darüber beraten, ob und wie der dlv insbesondere die ehrenamtlich engagierten Frauen in den Vorständen der Ortsvereine unterstützen kann, mit Qualifizierungsprogrammen, Handlungsleitfäden oder Best-Practice-Sammlungen.

Besonders ans Herz legen möchten wir Ihnen auch die Botschaften des dlv, die schon 2012 verabschiedet wurden. Alle sollen wissen, wofür LandFrauen stehen. Bringen Sie sich damit als Ortsverein ins Gespräch. Werben Sie damit für die LandFrauen.

Brigitte Scherb, Präsidentin
Dr. Monika Michael, Hauptgeschäftsführerin

Bitte beachten Sie die Anlagen:

1. Offener Brief an die Ortsvereine
2. Lernen im Verein – kein Selbstzweck, sondern eine Form der Interessenvertretung
3. Interessenvertretung für Frauen im ländlichen Raum – den satzungsgemäßen Auftrag vor Ort wahrnehmen

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