19. September 2014 Aktuelles · Gerechte Chancen · LandFrauen und Landwirtschaft

Frauen sind das Rückgrat der bäuerlichen Familienbetriebe

Die Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen dieser Verbände, die rund 750.000 Bäuerinnen und Landfrauen im deutschsprachigen Raum vertreten, treffen sich jährlich zum Wissens- und Erfahrungsaustausch. Das diesjährige Treffen zum Thema „Internationales Jahr der Familienbetriebenen Landwirtschaft“ fand von 10. - 12. September 2014 in Brixen in Südtirol statt.

Der „landwirtschaftliche Familienbetrieb“ symbolisiert für uns nach wie vor das Erfolgsmodell, das die Landwirtschaft in unseren Ländern prägt.

Und die Zahlen geben uns Recht: Weltweit sind 95 % der landwirtschaftlichen Unternehmen Familienbetriebe. Ihre Bedeutung für die globale Landwirtschaft wird unterschätzt und damit auch die Leistungen der bäuerlichen Familie.

Es sind die bäuerlichen Familienbetriebe, die die Welt ernähren!

Was zeichnet bäuerliche Familienbetriebe aus?

Die Übernahme persönlicher Verantwortung, überdurchschnittlicher Mut, Optimismus und Durchhaltevermögen macht den bäuerlichen Familienbetrieb aus. Es ist immer noch der Idealfall, wenn im Unternehmen die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko vorliegt.

Hinzukommen insbesondere in der Landwirtschaft der flexible Einsatz der familiären Arbeitskräfte, die Multitalente, die Flexibilität des Eigenkapitaleinsatzes, die regionalen Wurzeln und die Vernetzung der bäuerlichen Familien in den heimatlichen Regionen. Die Stabilität und der Erhalt der Familie sind zumeist eng mit der Entwicklung der Betriebe verwoben. Dies setzt eine sehr große Motivation und bedeutende unternehmerische Kraft frei. Auch deshalb sind für uns bäuerliche Familienbetriebe ein Erfolgsmodell.

Auch wenn Fremdarbeitskräfte eingesetzt werden, kann es sich dennoch um einen Familienbetrieb handeln. Ausschlaggebend ist nicht die Anzahl der MitarbeiterInnen oder die Betriebsform, sondern die Eigentumsverhältnisse und die Führungsstrukturen.

Herz, Seele und Motor dieser Betriebe sind die Frauen auf den Höfen. Die Bäuerinnen erbringen eine ökonomisch bedeutende Leistung, die statistisch besser erfasst werden muss.

Bäuerliche Familienbetriebe haben eine sehr große Assoziationskraft in die Gesellschaft. Dies ist eine Chance, die es zu nutzen gilt, um das Image der Landwirtschaft voranzubringen und die Zusammenhänge zwischen nachhaltiger und moderner landwirtschaftlicher Produktion zu erklären.

Bäuerinnen bringen in ihren Betrieben nicht nur unternehmerisches Denken ein, sondern spezifische kommunikative und soziale Kompetenzen, ohne die ein landwirtschaftliches Unternehmen, und besonders die familiengeführten, heute kaum noch auskommen.

Fakten

Bäuerliche Familienbetriebe garantieren die Wertschöpfung am Land und sind wichtig für Besiedlung und Vitalität der ländlichen Räume. Sie ernähren mit ihrer Produktion von regionalen Lebensmitteln nicht nur die Bevölkerung, sondern sichern damit auch Arbeitsplätze in vor- und nachgelagerten Bereichen. Auf dieser Grundlage wird der Abwanderung entgegen gewirkt und die ländlichen Räume bleiben intakt und lebenswert.

Familienbetriebe stehen für praktizierte Nachhaltigkeit. Sie wirtschaften ökonomisch, ökologisch und sozial und gehen verantwortungsvoll mit den natürlich vorhandenen Ressourcen um.

Bäuerliche Familienbetriebe leben Werte und Traditionen im bäuerlichen Umfeld und entwickeln diese zeitgemäß auch für die nachfolgenden Generationen weiter. Sie strahlen eine hohe Glaubwürdigkeit durch ihre Nähe zur landwirtschaftlichen Produktion aus.

Herausforderungen

Die bäuerlichen Familienbetriebe stehen vor einer Vielzahl vor Herausforderungen.

  • Die Wichtigsten sind:
  • Einkommenssicherung
  • Betriebsnachfolge
  • Erhaltung der Attraktivität des Berufsstandes
  • Steigende Anforderungen an den Berufsstand
  • Sicherung der LebensqualitätZunehmende Entfremdung der Bevölkerung von der Landwirtschaft Ständig wechselnde RahmenbedingungenWenig PlanungssicherheitKnappheit der natürlichen RessourcenKlimawandel

Forderungen

Die Bäuerinnen- und Landfrauenverbände der sechs Länder fordern Folgendes umzusetzen:

  • Stabile und transparente Agrarpolitik auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene
  • Schaffung von gesetzlichen Grundlagen:

    • Zur Sicherung der rechtlichen Stellung von mitarbeitenden Familienmitgliedern
    • Für ein landwirtschaftliches Verkehrs- und Bodenrecht im Sinne der aktiven und produzierenden Landwirtschaft (Regelung des Handels mit landwirtschaftlichem Grund und Boden)
    • Zur Sicherung der Flächen

  • Praxisbezogene Bildung und Forschung
  • Vereinfachung und Abbau von Bürokratie und gesetzlichen Auflagen für bäuerliche Familienbetriebe
  • Stärkung für eine flächendeckende, vielfältige und multifunktionale Landwirtschaft
  • Faire Preise für hochwertige Lebensmittel und Abgeltung von Leistungen für die Gesellschaft
  • Förderung von Frauen

Frauen sind das Rückgrat des bäuerlichen Familienbetriebes - und das weltweit. Sie sind Dreh- und Angelpunkt zwischen Betrieb und Familie. Diese Realität ist nach wie vor zu wenig anerkannt. Deshalb bedürfen Frauen – vor allem im ländlichen Raum – einer gezielten Förderung. Vor diesem Hintergrund hat das diesjährige Sechs-Länder -Treffen obenstehende Forderungen ausgearbeitet und empfiehlt sie zur Umsetzung.

Hiltraud Erschbamer
Landesbäuerin Südtiroler Bäuerinnenorganisation

Brigitte Scherb
Präsidentin Deutscher LandFrauenverband

Christine Bühler
Präsidentin Schweiz. Bäuerinnen- und Landfrauenverband

Andrea Schwarzmann
Vorsitzende ARGE Österreichische Bäuerinnen

Apolline Hoffmann-Kohl
Präsidentin Service Activités Féminines

Annemarie Büchel
Präsidentin Verein Liechtensteiner Bäuerinnen

Nach oben Zurück zur Übersicht