29. September 2016 · LandFrauen und Landwirtschaft

Die Erde ist des Herrn. Boden schützen – Ernährung sichern.

Erklärung zu Erntedank 2016 der kirchlichen Organisationen EDL und KLB, des Deutschen LandFrauenverbands und des Deutschen Bauernverbands

Gottes Wort „Die Erde ist des Herrn“ ist für Bäuerinnen und Bauern Auftrag und Verpflichtung zugleich, die Menschen auf dieser Welt zu ernähren, ohne Raubbau an Umwelt, Natur und Artenvielfalt zu betreiben. Die Botschaft verpflichtet, Landwirtschaft nachhaltig zu betreiben. Grundlage dafür sind vor allem fruchtbare Böden. Über Generationen hinweg war und ist es deshalb vorrangiges Ziel der Bauernfamilien, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und möglichst zu verbessern. Denn landwirtschaftlich genutzte Böden sind und bleiben die Lebensgrundlage für uns Menschen. Dies betonen die beiden kirchlichen Organisationen EDL und KLB, der Deutsche LandFrauenverband und der Deutsche Bauernverband in ihrer gemeinsamen Erklärung zu Erntedank 2016.

Der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten – an Nahrungs- und Futtermitteln, nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbarer Energie – nimmt stetig zu. Für eine bis 2050 auf 9 Milliarden Menschen wachsende Weltbevölkerung muss nach Berechnungen der FAO, der Ernährungsorganisation der UN, das Angebot an Nahrungsmitteln verdoppelt werden. Daher ist es umso alarmierender, dass fruchtbare landwirtschaftliche Böden weltweit verlorengehen und immer weniger produktive Flächen landwirtschaftlich genutzt werden können. Standen in den 1960er Jahren weltweit noch ca. 4.300 qm Fläche pro Kopf für die Erzeugung von Nahrungsmitteln zur Verfügung, werden es 2030 voraussichtlich nur noch 1.800 qm sein. Boden ist nicht vermehrbar! Eine rückläufige Ackerfläche pro Kopf der Weltbevölkerung verlangt eine effiziente und produktive Landbewirtschaftung. Dies ist eine alternativlose Herausforderung an Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik. Deshalb müssen Äcker, Wiesen und Weiden erhalten bleiben und Landwirte ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen können, die Fruchtbarkeit ihrer Böden nachhaltig zu sichern und zu verbessern sowie die Ressourcen-Effizienz ihrer Produktion zu optimieren.

In vielen Regionen der Welt ist die Fruchtbarkeit der Böden durch Überweidung, Erosion, Wüstenbildung oder Versalzung gefährdet. In Deutschland und Europa dagegen entstehen die größten Probleme vor allem durch den Verlust landwirtschaftlicher Flächen infolge von Überbauung, Versiegelung und infrastrukturelle Baumaßnahmen. Allein in Deutschland verliert die Landwirtschaft pro Tag aktuell 73 Hektar. Dies entspricht der Fläche von 104 Fußballfeldern. Jährlich gehen dadurch fruchtbare Böden verloren, auf denen der Jahreskonsum an Brot für mehr als 3 Millionen Menschen erzeugt werden könnte. Zwar hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, diesen Flächenverlust zu minimieren, doch sind die dazu ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichend. Bundesumweltministerium und Kommunen sollten der Innenentwicklung der Gemeinden auf gesetzlichem Weg mehr Nachdruck verleihen, um landwirtschaftliche Flächen durch Inanspruchnahme von Siedlungen und Verkehr zu schützen. Zudem sollte ein Erhaltungsgebot für landwirtschaftliche Flächen gesetzlich verankert werden.

Zum Schutz landwirtschaftlich genutzter Böden gehört auch der Hochwasserschutz. Die im Zuge des Klimawandels zunehmenden Starkregenereignisse dieses Sommers zeigen dies. Regenmengen von 300 bis 400 Liter pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit, wie wir sie in einzelnen Regionen Deutschlands 2016 mehrfach erlebten, können nicht in wenigen Stunden versickern. Dennoch ist die Aufnahmefähigkeit von landwirtschaftlich genutzten Böden, also der Rückhalt des Regenwassers, besser als auf betonierten Flächen. Auch vom Ödland fließt Niederschlagswasser schneller ab als von bewirtschafteten Äckern mit Hackfrüchten, Getreide oder Futterpflanzen oder von Weinbergen, Grünland und Wald. Der Wegfall der landwirtschaftlichen Nutzung führt unweigerlich zu höheren Abflusswerten und erhöht die Gefährdung durch Hochwasser.

Die Qualität der Böden in Deutschland, also deren Ertragsfähigkeit und Fruchtbarkeit, wird nach einer aktuellen Untersuchung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe als überdurchschnittlich eingestuft. Der Humusgehalt ist nach deutschlandweiten Bilanzen gut bis sehr gut, da die Landwirte durch nachhaltige Bewirtschaftung Humus aufgebaut oder erhalten haben. Lokal gibt es Einschränkungen der Fruchtbarkeit vor allem durch naturbedingte Trockenheit und fehlende Tiefgründigkeit, aber auch durch schädliche Verdichtungen, Erosion oder Rückgang der organischen Substanz.

 Die Voraussetzungen für eine gute Ernte sind dank dieser hohen Bodenfruchtbarkeit also gut. Trotzdem wird Erntedank in diesem Jahr bei der Mehrzahl der deutschen Landwirte bestimmt durch Nachdenklichkeit bis hin zu existenziellen Sorgen. Die Ernten der meisten Kulturen fielen deutlich schlechter aus als im Vorjahr oder im langjährigen Durchschnitt. Zusätzlich sind die Erzeugerpreise teilweise drastisch gesunken und decken teilweise nicht mehr die Herstellungskosten wie bei Milch oder lange Zeit auch bei Fleisch. Die diesjährige Getreideernte fiel deutschlandweit sehr unterschiedlich aus. In einigen Regionen Deutschlands ernteten die Landwirte 30 bis 50 Prozent weniger, bundesweit holten sie 11 Prozent weniger Getreide von ihren Feldern. Die Ursachen waren in vielen Regionen Witterungsextreme. Ein zu nasses, kühles Frühjahr – teilweise mit Starkregen und Überschwemmungen – sowie ein feucht-schwüler Sommer boten für einige Schädlinge und Pilze ideale Bedingungen, wodurch konventionelle wie ökologisch wirtschaftende Landwirte vor großen Herausforderungen standen. Ohne fruchtbare Böden, gute Ernährung und Schutz der Pflanzen wären die Ernteeinbußen noch gravierender ausgefallen. Noch vor hundertfünfzig Jahren hätte sich daraus sogar eine Missernte entwickelt mit einer Hungersnot als Folge. Heute ist die Sicherung der Ernährung der heimischen Bevölkerung dank hoher Bodenfruchtbarkeit im Zusammenspiel mit moderner Technik und Züchtung gewährleistet.

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Erklärung zu Erntedank 2016

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