27. November 2012 Aktuelles · Gerechte Chancen · LandFrauen und Landwirtschaft

Eine Jahrhundertaufgabe: die Weltbevölkerung ernähren

In den letzten Jahrzehnten konnte zwar die Zahl der hungernden Menschen weltweit gesenkt werden; nach wie vor haben aber 868Millionen Menschen nicht genug zu essen.

Prognosen zufolge wird die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 9 Mrd. Menschen ansteigen. Zur Sicherung der Welternährung kommen auf die Landwirtschaft bei immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen große Herausforderungen zu.

Armut und Hunger sind …

…ländlich:

Die Mehrheit der armen und hungernden Menschen lebt auf dem Land, obwohl hier die landwirtschaft-liche Produktion stattfindet. Vielfach können die Kleinbauern nicht von dem, was sie erwirtschaften, leben. Dabei wäre es wichtig für die Versorgung der Bevölkerung, dass sie mehr produzieren, als sie selbst brauchen. Es ist Ausgangspunkt für die Entwicklung vor- und nachgelagerter Produktions-bereiche und für mehr Wertschöpfung und wirtschaftliche Entwicklung im ländlichen Raum.

… weiblich:

Frauen bringen in den armen Ländern bis zu 80% der landwirtschaftlichen Produktion hervor, meist unter schwersten Bedingungen.

Untersuchungen zeigen, dass die Produktivität signifikant gesteigert werden könnte, wenn die Bäuerinnen in den betroffenen Ländern den gleichen Zugang zu Produktionsmitteln, zu Bildung und zu Märkten hätten wie die Männer.

Dieses Potential und diese Leistungen werden bisher nicht ausreichend berücksichtigt.

Positionen des dlv:

Ein wichtiger Schlüssel zur Sicherung der weltweiten Ernährung ist eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft in den Entwicklungs- und Schwellenländern.Die Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern in den armen Ländern ist in der Entwicklungspolitik zu sehr vernachlässigt worden und muss wieder mehr Bedeutung bekommen. Die Erzeugung von Bioenergie bzw. Biokraftstoff wie auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln stehen in den aktuellen Debatten als (Mit)verursacher von Hunger in der Kritik. Der dlv mahnt, zur Sachlichkeit zurückzukehren und fordert weitere Untersuchungen, um zu fundierten Aussagen über die Ursachen steigender Lebensmittelpreise und instabiler Agrarmärkte zu kommen. Bei der Frage Teller oder Tank liegt die erste Priorität bei der Produktion von Nahrungsmitteln. Der Landwirtschaft muss weiterhin das Instrument der Warenterminbörsen zur Risikoabsicherung erhalten bleiben. Die aktuellen Bestrebungen zu mehr Transparenz auf den Agrarrohstoff- und Terminmärkten sind zu begrüßen. Die Regierungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern müssen Frauen mehr Rechte einräumen, sie müssen die Landbesitzrechte der heimischen Bäuerinnen und Bauern wahren und die Infrastruktur in den ländlichen Räumen ausbauen. Zur Bekämpfung von Hunger und Armut muss die Landbevölkerung mehr Unterstützung bekommen. Dazu gehören auch Hilfen beim Aufbau bäuerlicher Berufsvertretungen, Erzeugergemeinschaften, Genossenschaften und ländlicher Frauenorganisationen.Die Leistungen der Frauen in der Landwirtschaft weltweit müssen besser statistisch erfasst werden.

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